Comeback: «Pu der Bär» ist wieder da
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Comeback«Pu der Bär» ist wieder da

Der griesgrämige Freund des honigsüchtigen Bären Pu, ein Esel namens I-Ah, gibt dem Autor keine Chance: «Er wird alles falsch machen. Was versteht er schon von Eseln», schimpft I-Ah. Der britische Autor David Benedictus wagte sich an einen Klassiker.

Sein am Montag erschienenes Werk «Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald» ist die erste Fortsetzung des beliebten Kinderbuches «Pu der Bär», das von den Inhabern der Rechte autorisiert wurde.

Seit den letzten Abenteuern von Pu und seinen Freunden sind 80 Jahre vergangen. Weit ist Benedictus nicht vom Original abgewichen, schon in der Widmung an den ursprünglichen Autor A.A. Milne verspricht er «Deine Träume sind meine».

Und wirklich, es hat sich nichts geändert - ausser vielleicht dass Pu «ein paar Unzen» schwerer ist. Der Bär zählt immer noch voller Sorge Honigtöpfe, er ist immer noch von geringem Verstand und dabei grandios komisch.

Sein Freund Ferkel wähnt immer noch überall Gefahr, der Esel bläst immer noch Trübsal, und das Kaninchen schafft immer noch Ordnung - oder versucht es. «Man könnte sagen, A.A. Milnes Geist sei über Benedictus gekommen», sagte Harry Rowohlt, der wie das Original aus dem Jahr 1926 auch die Fortsetzung ins Deutsche übersetzt hat.

Keine Lust auf Erziehung

Nur eine neue Figur hat sich in die neuen Folgen geschlichen. Lottie, das eitle und herrische Otterweibchen. Eine Besserwisserin, die den Waldbewohnern gute Manieren beibringen will.

Und das Menschenkind Christopher Robin ist älter geworden - aber auch irgendwie altklüger, fast ein Streberlein. Christopher Robin versucht bei seiner Rückkehr in den Wald, dem bunten Haufen Spass am Lernen beizubringen.

Ein Buchstabierwettbewerb ruft er ins Leben, und auch Schule spielen sie. Doch es bleibt ein vergeblicher Versuch. «Warum muss eine Schule Schüler haben», fragt Lottie. Es sind die naiven Fragen der Tiere, die den Charme des Buches ausmachen.

So will Christopher Robin mit einem Synonymwörterbuch den Wortschatz der Tiere erweitern - doch als einziges lehrt er Ferkel das Fürchten, ist dieses doch fest davon überzeugt, dass es sich bei «Thesaurus» um eine fürchterliche Monsterart handelt.

Den Sinn eines Wörterbuches versteht es obendrein nicht: «Warum kann man nicht das Wort benutzen, das man als erstes hatte?», fragt Ferkel ganz treffend. Der Geist des Originals schwebte auch über dem neuen Illustrator Mark Burgess. Der hält sich getreu an die originalen Zeichnungen des Briten E.H. Shepard.

Nichts tun, aber richtig

Man hat das Gefühl, als sei die Zeit stehengeblieben, Pu und seine Freund altern eben nicht. Freilich beklagen die Kritiker, es sei nichts Neues, nichts Gewagtes herausgekommen. Doch warum sollte es schlecht sein, sich an den Klassiker zu halten?

Wer wollte schon eine Fortsetzung von Pippi Langstrumpf lesen, in der Pippi nicht mehr Pippilotta Viktualia ist? Und so sind auch die Tiere im Hundertsechzig-Morgen-Wald immer noch so unschuldig wie freundlich, so einfältig und dabei so brillant.

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene lieben die Charaktere so wie sie sind. Und sie lieben die absurd-komischen Sprachspiele so wie sie immer waren. «Eines Tages, als Pu nichts tat, aber das ziemlich gut tat ...», liest sich auch nach 80 Jahren noch ziemlich gut.

(sda)

David Benedictus: «Pu der Bär - Rückkehr in den Hundertsechzig- Morgen-Wald», Cecilie Dressler Verlag, Hamburg, 208 Seiten, 27,90 Franken (UVP)

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