Aktualisiert 13.06.2017 05:40

Höhere Steuern gefordertPuff auf Autobahnen so gross wie noch nie

Auf den Nationalstrassen fährt eine Rekordzahl an Autos. Vertreter der Eisenbahn-Branche wollen nun, dass Autofahren teurer wird.

von
Stefan Ehrbar
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Die A1 bei Wallisellen ZH ist die meistbefahrene Autobahn der Schweiz. Durchschnittlich fuhren hier letztes Jahr 147'000 Autos pro Tag – noch einmal zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die A1 bei Wallisellen ZH ist die meistbefahrene Autobahn der Schweiz. Durchschnittlich fuhren hier letztes Jahr 147'000 Autos pro Tag – noch einmal zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Mit 133'000 Autos pro Tag folgte der Bareggtunnel im Aargau auf Platz 2. Ebenfalls einen Podestplatz sicherte sich der Abschnitt auf der A2 bei Muttenz BL mit 132'000 Autos.

Mit 133'000 Autos pro Tag folgte der Bareggtunnel im Aargau auf Platz 2. Ebenfalls einen Podestplatz sicherte sich der Abschnitt auf der A2 bei Muttenz BL mit 132'000 Autos.

Keystone/Steffen Schmidt
Auch die Zählstelle beim Gubristtunnel zählt zu den Spitzenreitern. Das hat Schattenseiten: Auf dem Zürcher Nordring staut sich der Verkehr am häufigsten. Zurzeit wird eine dritte Tunnelröhre gebohrt.

Auch die Zählstelle beim Gubristtunnel zählt zu den Spitzenreitern. Das hat Schattenseiten: Auf dem Zürcher Nordring staut sich der Verkehr am häufigsten. Zurzeit wird eine dritte Tunnelröhre gebohrt.

Keystone/Limina/schmidt

Die A1 bei Wallisellen ZH hat einen neuen Rekord gebrochen. Letztes Jahr fuhren hier durchschnittlich 102 Autos durch – pro Minute. Das sind noch einmal zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Eine ähnliche Zuwachsrate registrierte die Messstelle auf der A1 bei Würenlos, während vor dem Bareggtunnel fast drei Prozent mehr Autos durchbrausten. Das zeigen neue Daten des Bundesamts für Strassen (Astra), die von 20 Minuten analysiert wurden. An den fünf meistbefahrenen Stellen wurden letztes Jahr die höchsten Zuwachsraten seit fünf Jahren registriert.

Verkehr wächst weiter

Nimmt der Verkehr im selben Tempo zu, wird in Wallisellen dieses Jahr zum ersten Mal die Marke von 150'000 Autos pro Tag geknackt. Dadurch müssen Autofahrer häufiger abbremsen. Schon 2015 wurden mit knapp 23'000 Staustunden auf den Autobahnen so viele registriert wie nie.

Die Zahlen kommentiert Astra-Sprecher Thomas Rohrbach nicht, weil das Bundesamt später eine eigene Auswertung publiziert. Das Wachstum sei aber nicht aussergewöhnlich, sondern in der üblichen Grössenordnung. Man könne von «courant normal» sprechen. Auch in den nächsten Jahren dürfte der Verkehr auf den Autobahnen etwa mit dieser Geschwindigkeit anwachsen. Beim TCS heisst es, im Wachstum spiegle sich der Wille, den Verkehr auf die Hauptverkehrsachsen zu verlagern. Da die Bevölkerung um 1,1 Prozent gewachsen sei, kämen die Daten nicht überraschend.

«Autofahren wird immer günstiger»

Zudem werden die Menschen immer mobiler – und der Höhenflug des öffentlichen Verkehrs wurde gestoppt. Während sein Anteil an den zurückgelegten Kilometern seit Ende der 90er-Jahre bis etwa 2011 stetig wuchs, verharrt er seit dann bei knapp über 20 Prozent.

Letztes Jahr ging die Zahl der Personenfahrten bei der Eisenbahn sogar zurück, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Ein Alarmsignal, findet der Verband öffentlicher Verkehr. Das Problem seien die Preise. «Während der ÖV laufend politisch gewollt teurer wird, wird das Autofahren immer günstiger», sagt Verbandssprecher Roger Baumann.

Höhere Treibstoff-Steuer?

Neue Autos verbrauchen immer weniger Treibstoff, der zudem günstiger geworden ist. Es dürfe im ÖV nun keine weiteren politischen Tariferhöhungen geben, sagt Baumann.

Daneben müssten sich die Autofahrer stärker an den ungedeckten Kosten beteiligen. Das könne über eine höhere Treibstoff-Steuer oder einen höheren Vignetten-Preis geschehen. Gefordert sei aber auch der öffentliche Verkehr selbst: Vor allem bei Freizeitreisenden gebe es ein grosses Potenzial. Das könne man etwa mit Spartickets ausschöpfen.

In Zürich gewinnt die Bahn

Nicht überall verliert die Eisenbahn. Die SBB hat letztes Jahr einen neuen Passagierrekord verzeichnet und die Zahl der zurückgelegten Kilometer mit der Eisenbahn steigt stetig. Was widersprüchlich klingt, liegt einerseits an verschiedenen Erhebungsmethoden: Der Bund zählt eine Reise mit Umsteigen nur einmal, bei der SBB geht jede Fahrt einzeln in die Statistik ein.

Andererseits müsste der ÖV noch schneller wachsen, um keine Marktanteile zu verlieren. Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel Zürich. Nicht zuletzt wegen der neuen Durchmesserlinie überquerten letztes Jahr erstmals mehr als eine halbe Million Menschen pro Werktag die Stadtgrenze mit dem Zug – ein Plus von fast fünf Prozent. Wo das Angebot ausgebaut wird, werden Preiserhöhungen also zumindest teilweise kompensiert.

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