Aktualisiert

Kantonsgericht St. GallenPumpgun-Schütze soll elf Jahre ins Gefängnis

Tag zwei im Berufungsprozess um den Überfall auf die Hanfhalle in Altstätten. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Haupttäter elf Jahre Gefängnis und eine stationäre Massnahme.

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In Altstätten kam es am 16. Februar 2015 zu einem Überfall, in dessen Verlauf Schüsse fielen.

In Altstätten kam es am 16. Februar 2015 zu einem Überfall, in dessen Verlauf Schüsse fielen.

Kapo SG
Sechs Männer überfielen eine Hanfhalle in Altstätten SG.

Sechs Männer überfielen eine Hanfhalle in Altstätten SG.

Kapo SG
Beim Überfall wurden zwei Wächter durch Schrotschüsse schwer verletzt.

Beim Überfall wurden zwei Wächter durch Schrotschüsse schwer verletzt.

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Zu Beginn des zweiten Prozesstages ging es um einen weiteren

Überfall in einer Wohnung im Kanton Aargau. Bei der Straftat, die

sich rund vier Monate nach dem Überfall auf die Hanfplantage in

Altstätten ereignete, waren drei der sieben Beschuldigten dabei.

Strittig war, ob und wie viel Gewalt die Bande in der Wohnung

angewendet hatte. Deshalb waren fünf Personen vorgeladen, die durch das Gericht befragt werden sollten. Zwei blieben der Vorladung fern, unter den drei anderen befand sich der Wohnungsbesitzer.

Seine ehemalige Freundin habe von einem der Angreifer einen

heftigen Schlag erhalten, durch die sie eine Platzwunde erlitten

habe, sagte der Zeuge. Er sei froh, dass die Männer nach wenigen

Minuten mit Drogen und Bargeld abgezogen seien. Die anderen beiden befragten Personen gaben an, es sei beim Überfall ihres Wissens keine Gewalt angewendet worden.

Genugtuung für verletzte Bewacher

Auf die Befragung folgte das Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Sie

forderte für vier der sieben Beschuldigten, die am Überfall auf die

Hanfplantage in Altstätten beteiligt waren, höhere Strafen.

Für den Haupttäter, der die beiden Bewacher der Anlage mit Schüssen schwer verletzt hatte, sah sie elf Jahre Gefängnis als angemessene Sanktion. Das Kreisgericht Rheintal hatte 10,5 Jahre gesprochen.

Die Vorinstanz hatte auch eine stationäre Massnahme für den

42-jährigen Chauffeur aus Zürich angeordnet. Diese sei zu

bestätigen, betonte der Staatsanwalt. Laut Gutachten habe der

ehemalige Posträuber eine Persönlichkeitsstörung und sei stark

rückfallgefährdet.

Seine Behauptung, er habe für den Überfall eigentlich

Gummigeschosse in die Waffe laden wollen, jedoch die Munition

verwechselt, sei nicht glaubwürdig.

Für drei weitere Beschuldigte verlangte der Staatsanwalt ebenfalls

höhere Strafen, als sie die Vorinstanz verhängt hatte. Zudem seien

sechs der sieben Beschuldigten solidarisch zu verpflichten, den mit Schüssen verletzten Bewachern Genugtuungsummen zu zahlen. Diese wurde von den Anwälten der Privatkläger mit 175'000 und 60'000 Franken beziffert.

Deutlich tiefere Strafe gefordert

Der Hauptangeklagte war mit zwei Verteidigern an der

Berufungsverhandlung vertreten. Der eine stellte den Antrag, sein

Mandant sei vom Vorwurf der mehrfachen versuchten Tötung und

anderer Vorwürfe freizusprechen. Er sei unter anderem der schweren Körperverletzung schuldig zu erklären.

Als Sanktion sah er eine Freiheitsstrafe von fünf oder höchstens

sieben Jahre als gerechtfertigt. Von der Anordnung einer

stationären therapeutischen Massnahme sei abzusehen.

Der Verteidiger sprach in seinem Plädoyer die Aussage des

Beschuldigte an, er habe die Munition verwechselt und eigentlich

nicht scharfe Munition, sondern Gummigeschosse laden wollen. Dies sei keine Schutzbehauptung, sondern entspreche den Tatsachen. Sämtliche Beschuldigten seien davon ausgegangen, die Waffe enthalte nicht tödliche Geschosse.

Der Prozess wird voraussichtlich nur drei statt vier Tage lang

dauern. Am Mittwoch stehen die restlichen Plädoyers der

Verteidigung, die zweiten Vorträge und die Schlussworte der

Beschuldigten auf dem Programm. Die Urteile des Kantonsgerichts St. Gallen werden erst in einigen Tagen schriftlich erwartet. (sda)

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