Aktualisiert 24.02.2014 15:43

Proteste in Moskau

Pussy-Riot-Mitglieder verhaftet

In Moskau wurden bei Demonstrationen auch zwei Aktivistinnen von Pussy Riot festgenommen. Sie protestierten gegen die Verurteilung von acht Regierungsgegnern zu jahrelanger Haft.

Im Prozess gegen acht Oppositionsanhänger sind am Montag in Moskau sieben der Angeklagten zu zweieinhalb bis vier Jahren Lagerhaft verurteilt worden.

Die achte Angeklagte erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten auf Bewährung, wie die Behörden mitteilten.

Die Angeklagten waren am Freitag schuldig gesprochen worden, 2012 aus Protest gegen Wladimir Putins Rückkehr ins Präsidentenamt an Massenkundgebungen teilgenommen und Polizisten geschlagen zu haben.

Aus Solidarität mit den Angeklagten demonstrierten vor dem Moskauer Gericht hunderte Menschen. Mehr als 200 von ihnen wurden nach Polizeiangaben wegen des «Versuchs zur Störung der öffentlichen Ordnung» festgenommen.

Mitglieder von Pussy Riot festgenommen

Unter den Festgenommenen sind prominente Putin-Kritiker: der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny sowie die beiden im Dezember aus der Haft entlassenen Mitglieder der Frauenband Pussy Riot, Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Alechina.

Tolokonnikowas Ehemann Pjotr Wersilow veröffentlichte über den Kurznachrichtendienst Twitter am Montag ein Foto, das die beiden Aktivistinnen in einem Gefängnisbus der Polizei zeigt. Insgesamt seien mehr als 220 Menschen abgeführt worden, schrieb Wersilow.

Die Opposition warf der Justiz vor, die Verkündung des Strafmasses auf Montag verschoben zu haben, um die Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele im südrussischen Sotschi nicht zu stören.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte, die Verurteilten könnten den Präsidenten um Gnade anrufen. Die Verteidigung kündigte Einspruch an.

Bereits am Freitag hatte Richterin Nikischina die Angeklagten schuldig gesprochen, nun wurde das Strafmass verkündet. Sie seien gewalttätig gegen Sicherheitskräfte vorgegangen, sagte die Richterin.

Amnesty International: «Abscheuliche Ungerechtigkeit»

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die Verfahren gegen die Oppositionellen als «Schauprozesse» und die Urteile vom Freitag als «abscheuliche Ungerechtigkeit» kritisiert.

Der Verteidiger eines zu zweieinhalb Jahren Straflager verurteilten Angeklagten, Jaroslaw Belusow, nannte die Urteile politisch motiviert und die Haftstrafen unangemessen hoch.

Die Proteste vor Putins Wiederantritt als Präsident Anfang Mai 2012 hatten zu heftigen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mit Dutzenden Verletzten auf beiden Seiten geführt. In der Folge waren zahlreiche Oppositionsanhänger festgenommen worden. (sda)

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