Prozess wegen Punk-Gebet: Pussy Riot spricht von Folter in Haft
Aktualisiert

Prozess wegen Punk-GebetPussy Riot spricht von Folter in Haft

Sie sollen während ihrer Gefangenschaft kein Essen bekommen haben und nicht zum Schlafen gekommen sein, klagt ein Mitglied der russischen Skandalband Pussy Riot vor Gericht. Das sei klar Folter.

Harte Vorwürfe gegen die russische Justiz: Im umstrittenen Gerichtsverfahren gegen die Punkband Pussy Riot haben sich die drei angeklagten jungen Frauen am zweiten Prozesstag über «Folter» in der Haft beschwert.

«Ich kann nicht am Prozess teilnehmen. Wir haben nicht geschlafen und kein Essen bekommen - das ist Folter», sagte die 24-jährige Maria Aljochina am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax am zweiten Prozesstag in Moskau. Die Verhandlung wurde dann nach einer kurzen Ruhepause aber dennoch fortgesetzt.

Weiter beklagten sich die drei Frauen darüber, dass sie während des etwa zehnstündigen Prozessauftakts am Vortag weder zu essen noch zu trinken erhalten hätten und auch nicht zur Toilette gehen durften. Russische Menschenrechtler kritisierten die Zustände in den Untersuchungsgefängnissen des Landes als unwürdig.

Aus einem ärztlichen Gutachten gehe hervor, dass die Frauen verhandlungsfähig seien, erklärte dazu jedoch Richterin Marina Syrowa. Gleichzeitig lehnte sie einen Befangenheitsantrag gegen sich ab. Die Anwälte der drei jungen Frauen im Alter zwischen 22 und 29 Jahren hatten argumentiert, dass Syrowa die Rechte der Angeklagten ignoriere.

Der Prozess gegen die drei Pussys läuft

Wegen Pussy Riot an «seelischen Schmerzen» gelitten

Nebenkläger warfen den drei Musikerinnen am zweiten Prozesstag vom Dienstag vor, ihnen mit dem Punk-Gebet gegen Präsident Wladimir Putin und den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill in der Moskauer Erlöserkathedrale «seelische Schmerzen» bereitet zu haben.

Ein Sicherheitsmann der Kathedrale sagte als einer von neun Nebenklägern aus, er habe wegen psychischen Stresses zwei Monate nicht arbeiten können. Er hege jedoch keinen Greuel gegen die Frauen und sei bereit zu vergeben.

Als «satanischen Veitstanz» kritisierten Kirchenmitarbeiter den Auftritt, der heilige Traditionen verletzt habe. Ein Messdiener wies die Entschuldigung der Angeklagten vom Vortag als «oberflächlich» und «blasphemisch» zurück. Die Anklage stützt sich vor allem auf die Nebenkläger, um zu beweisen, dass Pussy Riot vorsätzlich und nachhaltig die Gefühle der Gläubigen beleidigt hat.

Seit fünf Monaten in Untersuchungshaft

Wegen der Aktion in der wichtigsten christlichen Kirche in Russland am 21. Februar drohen Maria Aljochina und ihren Band- Kolleginnen Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch sieben Jahre Haft. Die Anklage wirft ihnen Rowdytum «aus religiösem Hass» vor.

Die Verteidigung spricht hingegen von einem politischen Schauprozess, in dem die russisch-orthodoxe Kirche als Mittel zum Zweck genutzt werde. Die drei Frauen, von denen zwei kleine Kinder haben, sitzen seit etwa fünf Monaten in Untersuchungshaft. Erst kürzlich wurde diese bis Januar 2013 verlängert.

(sda)

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