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SendepausePutin begräbt CNN in seinem Land

Aus für den seit 25 Jahren in Russland ausgestrahlten US-Nachrichtensender CNN – zumindest vorerst. Gleichzeitig bläst der Kreml im Ausland zur Mediengrossoffensive.

von
gux
Wladimir Putin begräbt CNN in seinem Land - in China pflanzt er anlässlich des Apec-Gipfels aber immerhin Bäume.

Wladimir Putin begräbt CNN in seinem Land - in China pflanzt er anlässlich des Apec-Gipfels aber immerhin Bäume.

Russland hat dem amerikanischen Fernsehsender CNN im wahrsten Sinn des Wortes den Stecker gezogen – nach fast 25 Jahren. Der Sender kann sicherlich bis Ende Jahr nicht mehr über das russische Kabelfernsehen empfangen werden, da ihm die Sendelizenz entzogen wurde. Das berichtete zunächst die Zeitung «Wedomosti».

Hintergrund ist ein im vergangenen Monat von Präsident Wladimir Putin unterzeichnetes Gesetz, demzufolge ausländische Unternehmen künftig nur noch zu 20 Prozent an russischen Medien beteiligt sein dürfen. Bei einer vorherigen Änderung im Jahr 2010 war die Schwelle noch auf 50 Prozent festgelegt worden. CNN gehört dem US-Konzern Time Warner.

Aus Russland berichten wird CNN aber weiterhin, die Moskauer Büros seien von diesem Schritt nicht betroffen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Seit Sowjet-Zeiten berichtet

CNN könne die Sendelizenz für Russland «bei der Einhaltung der vom Gesetz vorgesehenen Prozeduren freibekommen», teilte die russische Aufsichtsbehörde Roskomnadsor mit.

Der US-Nachrichtensender wird derzeit via 38 Satelliten in über 200 Millionen Haushalten in 212 Ländern empfangen. Aus Russland berichtete der Sender ab den 1990er-Jahren, noch zu Zeiten der Sowjetunion.

Time Warner lässt sich nicht ins Bockshorn jagen und hat bereits angekündigt, auf den russischen Medienmarkt zurückzukehren. «Turner International prüft Möglichkeiten für die Ausstrahlung von CNN in Russland im Zusammenhang mit den jüngsten Änderungen der russischen Mediengesetze», heisst es in einer Mitteilung. «Wir hoffen auf eine Rückkehr auf diesen Markt und werden unsere Partner über alle Veränderungen informieren, die die Wiederaufnahme dieser Dienstleistung betreffen.»

Putin startet Mediengrossoffensive im Ausland

Putin geht in Sachen Medien nicht nur daheim in die Grossoffensive. Sein vor einem Jahr gegründetes staatliches Medienimperium Rossija Segodnja – «Russland heute» – hat auch im Ausland mit Fernsehen, Radio und Nachrichtenagentur aufgerüstet. Mit einem Onlineportal und Radiosendern will das Kreml-finanzierte Medienimperium in 30 Sprachen rund um den Globus aktiv sein.

Beobachter sehen in der Initiative einen propagandistischen Schachzug Russlands vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts. Generaldirektor Dmitri Kisseljow betonte aber, er sei gegen aggressive Propaganda und wolle mit dem Onlineportal Sputniknews eine multipolare Welt zeigen. Der Sputnik-Slogan legt indes nahe, dass es vor allem um die russische Sichtweise auf die Welt gehen dürfte: «Das Ungesagte sagen», ist das Motto des Projekts.

Bis 2015 plant der Mediengigant laut Kisseljow neben dem Onlineportal auch Radiosender in 130 Städten in 34 Ländern mit rund 800 Stunden Programm pro Tag. Zunächst wird Sputnik in den Sprachen Englisch, Spanisch und Arabisch verfügbar sein.

Zu dem Medienkonglomerat Rossija Segodnja gehören unter anderem der Radiosender Golos Rossii («Stimme Russlands») und die Staatsagentur Ria Nowosti. Der staatliche Fernsehsender RT verbreitet bereits seit 2005 Kreml-Positionen im Ausland.

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