Aktualisiert 18.09.2014 14:51

«In zwei Tagen in Warschau»

Putin drohte mit Einmarsch in Europa

Kremlchef Wladimir Putin hat dem ukrainischen Präsidenten angeblich gesagt, russische Truppen könnten innert kurzer Zeit osteuropäische Hauptstädte einnehmen.

von
kko
Wladimir Putin: «Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilinus, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein.»

Wladimir Putin: «Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilinus, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein.»

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein ukrainischer Kollege Petro Poroschenko haben in den vergangenen Wochen mehrfach miteinander telefoniert, um etwa den Waffenstillstand in der Ostukraine auszuhandeln. In den Gesprächen hat der Kremlchef Poroschenko zufolge Drohungen gegen Mitgliedstaaten der Nato und der EU ausgesprochen. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» am Donnerstag unter Berufung auf eine ihr vorliegende Gesprächszusammenfassung des Auswärtigen Dienstes der EU. Der ukrainische Präsident zitiert Putin demnach mit den Worten: «Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilinus, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein.»

Poroschenko wollte mit dem Zitat von Putins Äusserungen offenbar verdeutlichen, wie emotional sich dieser gegen den Einfluss der EU auf Staaten in seinen Nachbarländern wehre.

Öffentlich hat Putin den Nato- und EU-Staaten bisher nicht gedroht. Vor wenigen Wochen wurde allerdings ein ähnliches Telefonat Putins mit dem scheidenden EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso publik. «Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen», zitierte die italienische Zeitung «La Repubblica» den Kremlchef daraus.

Putin warnt Poroschenko vor der EU

Nach Darstellung des ukrainischen Staatschefs hat Putin in den Telefonaten nicht nur Drohungen geäussert, sondern den EU-freundlichen Poroschenko auch davor gewarnt, sich zu sehr auf den Staatenverbund zu verlassen. Durch bilaterale Kontakte könne er Einfluss nehmen und eine «Sperrminorität» im Europäischen Rat bewirken, die für Russland negative Entscheidungen verhindere, habe Putin gesagt.

Damit dürfte er auf den wachsenden Widerstand einiger EU-Mitglieder gegen neue Sanktionen anspielen. Einige Länder wie die Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Zypern stehen diesen kritisch gegenüber und könnten sich künftig gegen solche Strafmassnahmen aussprechen. Gemäss Poroschenko ist es Putin ein Anliegen, dass die Ukraine zur EU Distanz halte.

Der ukrainische Staatschef glaubt, dass der Kremlchef darauf noch mehr Wert lege als auf die Unabhängigkeit von Donezk und Lugansk. Erst am Dienstag verabschiedete Kiew einen Sonderstatus für die von prorussischen Rebellen kontrollierte Ostukraine.

Poroschenko bittet USA um Waffen

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat bei einem USA-Besuch um Waffen und andere Militärhilfe für den Kampf gegen die pro-russischen Separatisten gebeten.

Der Schutz der ukrainischen Demokratie vor der russischen Aggression erfordere eine starke Armee, sagte Poroschenko am Donnerstag vor dem US-Kongress in Washington.

Die Amerikaner haben Waffenlieferungen an die Ukraine bisher abgelehnt und lediglich nicht-militärische Hilfe zugesagt. Poroschenko rief den Kongress auf, die Ukraine nicht im Stich zu lassen. Sollte Russland mit seiner «Invasion» erfolgreich sein, stehe «ein neuer Kalter Krieg» bevor. «Es ist auch Amerikas Krieg», sagte Poroschenko. (sda)

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