Moskau: Putin-Freund sponsert Schweizer Botschaftsparty
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MoskauPutin-Freund sponsert Schweizer Botschaftsparty

700'000 Franken kostete die Eröffnungsfeier der neuen Schweizer Botschaft in Moskau. Den Löwenanteil bezahlten 30 private Sponsoren – darunter ein russischer Oligarch.

von
chk
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Geniessen die Party in der neuen Schweizer Botschaft in Moskau: Die Aussenminister Sergei Lawrow (links) und Iganzio Cassis. (18. Juni 2019)

Geniessen die Party in der neuen Schweizer Botschaft in Moskau: Die Aussenminister Sergei Lawrow (links) und Iganzio Cassis. (18. Juni 2019)

Keystone/AP/Yuri Kochetkov
Die Botschaft ist für 42 Millionen Franken renoviert und erneuert worden.

Die Botschaft ist für 42 Millionen Franken renoviert und erneuert worden.

Keystone/Petra Orosz
30 Geldgeber steuerten einen beachtlichen Beitrag zur Eröffnungsfeier bei.

30 Geldgeber steuerten einen beachtlichen Beitrag zur Eröffnungsfeier bei.

epa/Yuri Kochetkov

Bei der Feier zur Eröffnung ihrer Botschaft in Moskau hat die Eidgenossenschaft mit grosser Kelle angerichtet. Rund 700'000 Franken kostete die viertägige Zeremonie, 800 Gäste besuchten das für 42 Millionen Franken erweiterte und renovierte Botschaftsgebäude, darunter auch der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow.

Zur Finanzierung der Feier griff das Aussendepartement EDA auf privates Sponsoring in bisher nicht bekanntem Ausmass zurück: Es sammelte mehr als eine halbe Million Franken an Beiträgen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Unter den 30 Geldgebern findet sich neben dem Rohstoffkonzern Glencore oder dem Tabakmulti Philip Morris auch die Volga-Gruppe von Gennadi Timtschenko, die ihren Sitz gar nicht in der Schweiz hat. Der Oligarch mit Wohnsitz Genf gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er steht im Zusammenhang mit der Krim-Annexion seit 2014 auf einer US-Sanktionsliste.

Finanzierung und Imageförderung

Das Aussendepartement begründet das Sponsoring mit seinem Auftrag, die Schweizer Wirtschaft in ihren Gastländern zu stärken und Investitionen in der Schweiz zu fördern. Die Einbindung privater Geldgeber diene nicht nur der Finanzierung von Botschaftsanlässen, sondern auch der Imageförderung: «Unser Land wird oftmals mit seinen Marken identifiziert.»

Aussenpolitiker Fabian Molina zeigt sich im «Tages-Anzeiger» irritiert. Der SP-Nationalrat will die Moskauer Festivitäten in der nächsten Sitzung der Aussenpolitischen Kommission zur Sprache bringen: «Es kann doch nicht sein, dass die Schweiz im Ausland primär über Firmen wie Glencore oder Philip Morris wahrgenommen wird.»

CVP-Aussenpolitiker Filippo Lombardi hingegen hält das Sponsoring für richtig: «Wir müssen sparsam mit den Bundesfinanzen umgehen.»

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