23.12.2018 16:56

JahreskalenderPutin geht in Japan weg wie warme Weggli

Japan ist das Land des Fantums. Doch dieses Jahr überflügelt ein Ausländer alle einheimischen Stars: der russische Präsident.

von
mat

Die Bildersammlung, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin in verschiedenen Situationen zeigt, ist ein alljährlicher Verkaufsschlager.

Japan hat einen neuen Star, zumindest was die Verkaufszahlen von Kalendern angeht. Gemäss einem Bericht von Japan Today ist der 2019-Kalender von Wladimir Putin zurzeit der Verkaufsschlager auf dem asiatischen Inselstaat. Damit überflügelt der russische Präsident sämtliche einheimischen Schauspieler, J-Pop-Formationen und Manga-Figuren.

Japanische Celebrities werden vom ausländischen Machthaber auf die Ränge verwiesen: Der 34-jährige Schauspieler Kei Tanaka, der in über einem Dutzend sehr populärer Filme und Serien zu sehen ist, schafft es nur auf Platz 2. Der 24-jährige Olympiasieger im Eiskunstlauf, Yuzuru Hanyu, liegt auf Platz 3. Sie beide haben keine Chance gegen den 66-Jährigen.

Offen zur Schau gestellter Machismo

Wie es so weit kam, kann sich keiner so recht erklären. Die japanische Kaufhauskette Loft hat Putins Jahreskalender seit drei Jahren im Sortiment. Angeregt dazu wurde sie vom Erfolg, den die erste Ausgabe 2016 in Russland hatte. Geradezu legendär wurde das Bild, das Putin oben ohne beim Fischen zeigt. Der aktuelle Kalender, in dem man den Präsidenten beim Eis- oder Sonnenbad, beim Hundekuscheln im Schnee oder als Staatsmann mit Fernglas an einer Militärparade sehen kann, ist seit September im Sortiment.

Während japanische Beobachter vermuten, dass viele der Kalender aus Jux gekauft werden, etwa als ironisches Mitbringsel, ist doch eine Zunahme von bekennenden Putin-Verehrerinnen zu verzeichnen. Das japanische Portal Livedoor News zitiert einige Käuferinnen, die zugeben, dass sie der offen zur Schau gestellte Machismo Putins anspreche.

Politischer Hintergrund

Im Internet hingegen drücken Japaner vor allem ihr Unverständnis für eine solche Anschaffung aus: «Ich fände es eigenartig, wenn ich bei einem Freund zu Hause Putin an der Wand entdecken würde», sagt ein User. Ein anderer stellt die Theorie auf, dass der Kalender vielleicht helfe, böse Geister zu vertreiben. Ein dritter wiederum vermutet ein politisches Komplott: «Die wollen Putin doch nur in ein gutes Licht rücken für die Verhandlungen um die Kurilen.»

Tatsächlich ist die Frage nach den Besitzansprüchen auf die Inselkette ein Politikum: Die 1200 Kilometer langen Kurilen liegen zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaid und sind in russischem Besitz. Die beiden grössten Inseln im südlichsten Teil der Inselkette werden jedoch von Japan beansprucht.

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