Waldbrände: Putin geht PR-wirksam Feuer löschen
Aktualisiert

WaldbrändePutin geht PR-wirksam Feuer löschen

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat sich bei der Bekämpfung der Waldbrände als Co-Pilot eines Löschflugzeugs betätigt.

von
aeg

Fernsehteams begleiteten den früheren Präsidenten, als er 200 Kilometer südöstlich von Moskau per Knopfdruck die Wassermassen auf einen brennenden Wald niederliess. Anschliessend wandte er sich an den Piloten mit der Frage: «War das in Ordnung?» Die Antwort: «Ein Volltreffer.»

Putin hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt medial in Szene gesetzt, sei es als Co-Pilot eines Kampfjets, beim Tauchen in einem Mini-U-Boot oder beim Reiten mit freiem Oberkörper in Sibirien. Seine Auftritte wurden landesweit vom Fernsehen übertragen, das unter staatlicher Kontrolle steht. In zwei Jahren wird ein neuer Präsident in Russland gewählt, und Putin wäre als Kandidat teilnahmeberechtigt.

Tote bei verzweifeltem Kampf gegen das Feuer

Derweil zeichnet sich bei den schwersten Waldbränden der russischen Geschichte keine Entspannung ab. Die Feuerwalze rollt weiter. Tausende Einsatzkräfte versuchen, ein Übergreifen der Flammen auf Atomanlagen und radioaktiv verseuchte Gebiete zu verhindern.

Beim verzweifelten Kampf zum Schutz der Atomanlagen kamen am Dienstag zwei Soldaten ums Leben. Sie starben bei Löscharbeiten unweit einer atomaren Forschungsanlage von Sarow, rund 500 Kilometer östlich von Moskau.

Das Feuer in Sarow wurde gelöscht. Die Zahl der Feuertoten erhöhte sich damit auf mindestens 54. Hilfsorganisationen gehen von deutlich mehr Opfern aus.

Sorge um Atomanlagen

Im ganzen Land blieb die Lage gespannt. Laut dem Katastrophenschutzministerium brachen 247 neue Brände aus. 239 bestehende Feuer wurden gelöscht, 557 Brände auf einer Fläche von mehr als 1700 Quadratkilometern seien weiter im Gange.

Dennoch gab die Behörde sich vorsichtig optimistisch. «Wir beobachten weiterhin eine positive Entwicklung beim Löschen der Waldbrände», teilte der Chef des Krisenzentrums innerhalb des Ministeriums, Wladimir Stepanow, mit.

Besondere Sorge bereiteten die Atomanlagen, neben Sarow auch der Forschungsreaktor von Sneschinsk im Ural sowie die Wiederaufbereitungsanlage Majak, in der Ural-Region Tscheljabinsk. Die Anlage Majak, unweit der Stadt Osjorsk, sei nicht in Gefahr, betonte eine Sprecherin. Dort war zuvor der Notstand verhängt worden.

Experten befürchten aber vor allem, dass die Waldbrände radioaktiv verseuchte Böden aufwirbeln und das Strahlengift in andere Regionen tragen könnten. Der staatliche Atomkonzern Rosatom warnte dagegen vor Panikmache. (aeg/sda/dapd)

Deine Meinung