Aktualisiert 21.03.2006 15:29

Putin irritiert Peking

Russland hat China eine enge Zusammenarbeit bei der Energieversorgung zugesagt. Die beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffene Vereinbarung bleibt aber hinter den chinesischen Wünschen zurück.

Die Volksrepublik drängt seit Jahren auf den Bau von Pipelines, um ihre energiehungrige Wirtschaft mit mehr Öl und Gas aus dem Nachbarland zu versorgen. Doch Putin machte am Dienstag in Peking nur Zusagen grundsätzlicher Natur.

Beide Länder wollten weiter aktiv daran arbeiten, Öl- und Gas- Pipelines voranzubringen, hiess es in der Erklärung, die Putin und sein chinesischer Amtskollege Hu Jintao veröffentlichten.

Der russische Monopolist Gasprom unterzeichnete zwar ein Memorandum zur Lieferung von jährlich bis zu 80 Milliarden Kubikmeter Gas an Chinas Energiekonzern CNPC. Doch in dem für Peking zentralen Projekt einer Ölpipeline, durch die 30 Millionen Tonnen Öl pro Jahr fliessen könnten, gab es wenig Konkretes.

Zuerst eine Studie

«Wir haben die Absicht, sie zu bauen. Es gibt nichts, was dagegen spricht. Wir müssen aber zuerst eine Machbarkeitsstudie erstellen», erklärte der russische Energieminister Viktor Christenko am Rande des Staatsbesuchs.

Der für die Energieversorgung zuständige Chefplaner Chinas hatte das russische Zögern im Vorfeld des Gipfels ungewöhnlich deutlich kritisiert. Zugleich stellte er eine mangelnde Bereitschaft der Regierung Putin fest, chinesische Investitionen im russischen Energiesektor zuzulassen.

Der Bau der Ölpipeline sollte ursprünglich 2000 beginnen und 2005 fertig sein. Russland habe viel versprochen, bislang aber wenig gehalten, sagte Zhang Guobao von der Nationalen Entwicklungskommission.

Konkurrenzierende Volkswirtschaften

Experten erklären die russische Zurückhaltung nicht zuletzt mit der Konkurrenz der beiden Volkswirtschaften. Russlands Anteil am Maschinen-Absatz in China ist von 43 Prozent am Ende der Sowjet- Zeit auf 2 Prozent gefallen.

Chinas Wachstum rührt zudem zu einem guten Teil davon her, dass es aus Russland importierte Rohstoffe wie etwa Metalle verarbeitet und zu Exportschlagern macht. Die staatlich gelenkte Ölwirtschaft Russlands kann auf eine solche Weiterentwicklung nur hoffen.

Im Bereich Atomenergie sind Russland und China dagegen seit längerem dabei, ihre Zusammenarbeit Schritt für Schritt zu vertiefen. China plant in den kommenden 15 Jahren den Bau von 27 Reaktoren, an denen Russland sich beteiligen will. Russland selbst hat 40 Kernkraftwerke bis zum Jahr 2030 in Planung.

Atomstreitigkeiten friedlich beilegen

Die Präsidenten Putin und Hu sprachen sich bei ihrem Treffen auch für diplomatische Lösungen in den Atomstreitigkeiten mit dem Iran und Nordkorea aus. Am Mittwoch wird Putin zudem den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao und Parlamentspräsident Wu Bangguo treffen.

Der vierte offizielle Besuch Putins fällt mit dem Beginn des Russlands-Jahrs in China zusammen. In diesem Rahmen finden zahlreiche kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Veranstaltungen statt.

(sda)

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