Aktualisiert 04.01.2013 13:08

Jetzt Russe

Putin macht Gérard zum Depardiow

Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Brigitte Bardot will es ihm nun gleichtun.

Der französische Filmstar Gérard Depardieu kann Russe werden - so er denn will: Präsident Wladimir Putin verlieh dem 64-Jährigen am Donnerstag die russische Staatsbürgerschaft, wie der Kreml mitteilte. Damit reagierte Putin auf den Streit zwischen Depardieu und der französischen Regierung um die sogenannte Reichensteuer. Der Schauspieler hatte wegen der hohen Abgaben im Dezember seinen Wohnsitz gut einen Kilometer hinter die Grenze nach Belgien verlegt und angekündigt, seinen französischen Pass abzugeben.

Der Bürgermeister von Depardieus designiertem neuen Wohnort Estaimpues, Daniel Senesael, hat den Obelix-Darsteller im Asterix-Kostüm als neues Gemeindemitglied begrüsst. Ein als Neujahrsgruss an die Bevölkerung gedachtes Video in entsprechender Montur hat er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht.

«Weltbürger»

Bereits vor Weihnachten hatte Putin Depardieu einen russischen Ausweis angeboten. Der weltbekannte Darsteller von «Cyrano de Bergerac» hatte zuvor in einem offenen Brief an die französische Regierung geschrieben: «Ich gebe meinen Pass und meine Sozialversicherung zurück.»

Interview Depardieu-Baer pour Astérix

Er habe nicht mehr dieselbe Heimat wie die Staatsspitze. «Ich bin ein wirklicher Europäer, ein Weltbürger», ergänzte der bekennende Anhänger des früheren konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

Winzer steigt auf Wodka um

Depardieu reagierte damit auf den Vorwurf von Premierminister Jean-Marc Ayrault, sein Umzug nach Belgien sei «erbärmlich». Ob das Aushängeschild des französischen Kinos die russische Staatsbürgerschaft tatsächlich annimmt, wollten seine Mitarbeiter zunächst nicht sagen.

Die sozialistische Regierung hatte in Frankreich eine Reichensteuer von 75 Prozent für Einkommen über einer Million Euro eingeführt, die der Verfassungsrat allerdings Ende Dezember wieder zurücknahm. Ayrault kündigte daraufhin Nachbesserungen an.

Um seine französische Nationalität aufzugeben, braucht der Schauspieler jedenfalls eine andere Staatsbürgerschaft. Und in Russland liegt die Einkommenssteuer bei gerade einmal 13 Prozent.

Falscher russischer Pass auf Twitter

In Frankreich stiess die Entscheidung Putins auf viel Häme. So kursiert auf Twitter schon das Bild eines falschen russischen Passes für «Depardjew». In Kommentaren fragten Nutzer, ob der Schauspieler und Hobby-Winzer sich nun auf die Wodka-Produktion verlege. Depardieu ist auch in Russland, wo er zuletzt in einer Werbung für eine Bank auftrat, bestens bekannt.

In Paris geriet der 64-Jährige Ende November in die Schlagzeilen, als er betrunken von einem Motorroller stürzte. Ein Alkoholtest ergab bei dem «Obelix«-Darsteller einen Wert von 1,8 Promille. Dafür muss er sich nächste Woche vor Gericht verantworten.

Im Sommer 2011 machte der Schauspieler wiederum Schlagzeilen, als er vor dem Start in den Kabinengang eines Flugzeugs urinierte und anschliessend aus der Maschine gewiesen wurde.

Zu Depardieu gesellt sich nun auch Ikone Brigitte Bardot. In einem Brief an François Hollande droht sie, die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Sie fordert, dass die zwei an Tuberkulose erkrankten Elefanten des Zoos in Lyon nicht eingeschläfert werden sollen.

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