Aktualisiert 21.01.2016 14:33

Alexander Litwinenko

Putin soll Mord an Agent genehmigt haben

Der Mord an Alexander Litwinenko soll im Auftrag des russischen Geheimdienstes FSB erfolgt sein. Das geht aus einem britischen Untersuchungsbericht hervor.

von
dia

Der Agent und Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wurde einem Untersuchungsbericht zufolge im November 2006 wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ermordet.

Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem am Donnerstag veröffentlichen Abschlussbericht.

Schärfster Kritiker

Die Tat sei «wahrscheinlich gutgeheissen worden» vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew «und auch von Präsident Putin», schrieb Owen. Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen.

Litwinenko, ein früherer russischer Agent, war im November 2006 mit 43 Jahren in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 gestorben. Das radioaktive Element ist für den Menschen schon in kleinen Dosen tödlich: Es entwickelt seine Wirkung, wenn es über Mund, Nase oder offene Wunden in den Körper gelangt.

Litwinenko gehörte zu den schärfsten Kritikern der russischen Regierung. Kurz vor seinem Tod beschuldigte er Präsident Wladimir Putin, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Richter Owens Bericht ist diplomatisch heikel. So wollte die britische Regierung verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird. Litwinenkos Witwe Marina aber setzte sich vor Gericht durch.

Russland bestreitet Resultate

Russland hat die Ergebnisse des britischen Untersuchungsberichts zum Mord am früheren KGB-Agenten Alexander Litwinenko zurückgewiesen. Die Regierung betrachte die Schlüsse des für den Bericht verantwortlichen Richters Robert Owen weder als objektiv noch als unvoreingenommen, sagte die Sprecherin des Aussenministeriums, Maria Schakarowa, am Donnerstag. «Wir bedauern, das ein rein strafrechtlicher Fall politisiert wurde und die allgemeine Atmosphäre der bilateralen Beziehungen verdunkelt hat».

Die Entscheidung Grossbritanniens, eine öffentliche Untersuchung durchzuführen, sei politisch motiviert gewesen, sagte sie. Der Vorgang sei für die russische Seite oder die Öffentlichkeit nicht transparent. (dia/sda/afp)

Wer den gesamten Untersuchungsbericht unter der Federführung von Richter Robert Owen (auf Englisch) lesen möchte: Hier gehts zu dem Dokument.

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