26.06.2017 21:14

«Das können nur Auserwählte»

Putin verrät, was er beim KGB wirklich gemacht hat

Über seine Tätigkeit beim sowjetischen Geheimdienst wusste man bisher wenig. Jetzt gibt der russische Präsident selbst Auskunft.

von
kko
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Der russische Staatschef Wladimir Putin gab jüngst Details zu seiner Zeit als KGB-Agent preis.

Der russische Staatschef Wladimir Putin gab jüngst Details zu seiner Zeit als KGB-Agent preis.

AP/Alexander Zemlianichenko
«Meine ganze Arbeit für die sowjetischen Geheimdienste war der illegalen Spionage gewidmet», sagte Putin in einem Interview. Illegale Spione haben keinen Diplomatenpass und geniessen somit keine Immunität.

«Meine ganze Arbeit für die sowjetischen Geheimdienste war der illegalen Spionage gewidmet», sagte Putin in einem Interview. Illegale Spione haben keinen Diplomatenpass und geniessen somit keine Immunität.

epa/Mikhail Metzel/sputnik/kremlin Pool
Ursprünglich wollte Putin Pilot werden, begrub diesen Traum aber zugunsten eines Jura-Studiums.

Ursprünglich wollte Putin Pilot werden, begrub diesen Traum aber zugunsten eines Jura-Studiums.

AFP/Natalia Kolesnikova

Bevor Wladimir Wladimirowitsch Putin die politische Karriereleiter hochkletterte und 1999 schliesslich zum mächtigsten Mann Russlands wurde, war er für den sowjetischen Geheimdienst KGB im Einsatz. Welche Aufgaben ihm dort zuteil wurden, war bis anhin kaum bekannt. In einem Interview, das die Sender vesti.ru und Russia-1 ausstrahlten, hat Putin nun einige Details verraten.

«Meine ganze Arbeit für die sowjetischen Geheimdienste war der illegalen Spionage gewidmet», sagte der einstige KGB-Offizier darin. Für diese Tätigkeiten brauche es «ganz besondere Menschen, mit besonderen Qualitäten, mit besonderen Überzeugungen und besonderem Charakter», führte der 64-Jährige aus. «Das können nur Auserwählte. Das sage ich ganz ohne Übertreibung.» Putin betonte, Mitarbeiter der illegalen Spionage seien «einzigartige Menschen». Er wünsche ihnen Glück und Wohlstand und sei sich sicher, «dass sie meine Worte hören werden».

Unter «illegaler Spionage» dürfen Operationen verstanden werden, die ohne legale Tarnung stattfinden. Spione mit legaler Tarnung geniessen diplomatische Immunität, ohne Diplomatenpass haben sie diesen Schutz nicht, wie Tim Weiner, Kenner der US-Geheimdienste, im «Tages-Anzeiger» erklärte.

Allerdings geht man davon aus, dass Putin solche nicht selbst als Agent ausführte, sondern leitete. Ungeklärt liess der Kreml-Chef, ob er die «illegale Spionage» während seiner Stationierung in Dresden von 1985 bis 1990 oder zu einem anderen Zeitpunkt seiner KGB-Karriere betrieb. Putin war ab 1975 als KGB-Offizier tätig und wurde Mitte der Achtziger-Jahre in die DDR, nach Dresden, berufen. Aus dieser Zeit stammen seine guten Deutschkenntnisse. 1990 beorderte das KGB ihn zurück in die UdSSR.

Traum vom Berufspiloten begraben

Wie er das erste Mal überhaupt mit dem KGB in Kontakt kam, verriet der russische Präsident bereits einige Tage vor dem Interview. Angeblich weckten patriotische Spionagefilme beim jungen Putin das Interesse für den Agenten-Beruf. Als Teenager stellte er sich dann in der Leningrader Zentrale des Geheimdienstes vor. «Ich bin einfach zum Empfang des KGB gegangen», erzählte Putin bei einem Treffen mit Lehrern diesjähriger Schulabsolventen.

«Ich komme ja aus einer Arbeiterfamilie, hatte also keine Verbindungen. Wohin sollte ich also auch sonst gehen?» Beim KGB habe man ihm allerdings ans Herz gelegt, erst einmal Jura zu studieren. Daraufhin habe er sofort aufgehört, sich weiter «mit Physik, Chemie und Mathematik zu beschäftigen», so der Staatsmann.

Auch von seinem ursprünglichen Traum, Pilot zu werden, kam er ab. Beim Besuch einer Flugschule habe er sich sein Leben als Pilot ausgemalt, wobei ihm klar wurde, dass dies zu langweilig sei. Ob er schon damals mit dem Präsidentenposten liebäugelte, gab Putin nicht preis.

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