Führungsanspruch: Putin will das Kommando in Nahost übernehmen
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FührungsanspruchPutin will das Kommando in Nahost übernehmen

Wladimir Putin reklamiert für Russland jene Rolle im Nahen Osten, die einst die USA einnahmen – so analysiert eine Russland-Expertin Putins Rede vor der UNO.

von
sut
Putin überall: In seiner UNO-Rede macht der russische Präsident klar, dass nichts mehr ohne ihn geht.

Putin überall: In seiner UNO-Rede macht der russische Präsident klar, dass nichts mehr ohne ihn geht.

In seiner ersten Rede vor der UNO-Generalversammlung seit zehn Jahren hat der russische Präsident Wladimir Putin den Führungsanspruch seines Landes im Nahen Osten angemeldet. Putin kündigte an, einer Koalition von Staaten vorzustehen, die Terrororganisationen wie den Islamischen Staat energisch bekämpft. Zu diesem Zweck will er im UNO-Sicherheitsrat eine Resolution gegen den Terrorismus einbringen.

Mit seiner Rede habe Putin in Bezug auf die Krisenherde in Syrien und im Irak eine Rolle eingenommen, die früher die USA wahrgenommen hätten, sagt die Russland-Expertin Alina Polyakova von der Denkfabrik Atlantic Council in Washington im Gespräch mit 20 Minuten. Putin betonte, nur legitime Regierungen von Staaten könnten wirkungsvoll gegen terroristische Organisationen vorgehen. Damit wolle Putin die USA in die Enge treiben, die den Kampf gemässigter Rebellen gegen die von Russland gestützte syrische Regierung unterstützten, sagt Polyakova. «Mit dem Treffen vom Montag mit US-Präsident Barack Obama hat Putin sein wichtigstes Ziel erreicht.»

Festhalten an «Lüge» zum Ukrainekrieg

Insgesamt habe Putin nichts Neues gesagt, urteilte Polyakova. In Bezug auf den Ukrainekonflikt habe er die «Lüge» wiederholt, dass der Krieg durch westliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine erzeugt worden sei. In Wahrheit sei Putin mit Truppen und Panzern in die Ostukraine eingefahren.

Die Expertin teilt die Meinung des russischen Dissidenten und Schachspielers Gary Kasparow. Dieser hatte in einem Tweet nach Putins Rede geschrieben: «Putin braucht vor der UNO nichts Neues zu sagen, denn er hat Panzer in der Ukraine, Kampfjets in Syrien und Obama im Weissen Haus.»

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