Putin will nicht mit Tschetschenen verhandeln

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Putin will nicht mit Tschetschenen verhandeln

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach dem Blutbad von Beslan Verhandlungen mit tschetschenischen Separatisten erneut kategorisch abgelehnt.

Im Gespräch mit ausländischen Journalisten kündigte Putin zugleich eine interne Untersuchung des Geiseldramas an. Öffentliche Ermittlungen werde es nicht geben. In Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Republik Nordossetien, warfen am Dienstag mehrere hundert Demonstranten den Behörden eine Mitschuld an den Ereignissen in Beslan vor.

Die interne Untersuchung soll laut Putin den Ablauf der Geiselnahme rekonstruieren und herausfinden, «wer verantwortlich ist und bestraft werden sollte». Zugleich schloss er in dem am Montagabend geführten Interview aus, auf Forderungen tschetschenischer Separatisten einzugehen. Die britische Zeitung «The Guardian» zitierte Putin mit den Worten: «Warum sollten wir mit Kindermördern verhandeln?» Niemand habe das Recht, dies zu verlangen, sagte der Präsident, der auch einen Vergleich zum Terrornetzwerk Al Kaida zog: «Warum trifft man sich nicht mit Osama bin Laden, lädt ihn nach Brüssel oder ins Weisse Haus ein und spricht mit ihm, fragt ihn, was er will, und gibt es ihm, so dass er in Frieden geht?»

Ein nach dem Geiseldrama von Beslan festgenommener Verdächtiger hatte zuvor den tschetschenischen Rebellenführer Schamil Bassajew und den früheren Präsidenten Aslan Maschadow als Drahtzieher des Verbrechens bezeichnet. Der Anführer der Geiselnehmer habe erklärt, sie handelten im Auftrag der beiden Tschetschenen-Führer, sagte der Mann am Montag im russischen Staatsfernsehen. Maschadow hatte am Donnerstag jegliche Beteiligung an der Geiselnahme abgestritten.

In Wladikawkas, rund 30 Kilometer nördlich von Beslan, versammelten sich am Dienstag hunderte Menschen, um gegen Terrorismus zu demonstrieren. «Korruption ist eine Quelle des Terrors», stand auf einem Plakat. Auf Flugblättern wurde der nordossetische Präsident Alexander Dsasochow zum Rücktritt aufgefordert. «Heute beerdigen wir unsere Kinder, und morgen kommen wir hierher und jagen diese Teufel aus ihren Ämtern, vom untersten Abteilungsleiter über Minister bis zum Präsidenten», sagte ein Sprecher.

Nach offiziellen Angaben kamen im Laufe der dreitägigen Geiselnahme und der Erstürmung der Schule am Freitag insgesamt 365 Menschen ums Leben, darunter 326 Geiseln und elf Sicherheitskräfte. Mehr als 330 Verletzte wurden am Dienstag noch im Krankenhaus behandelt. Ein Arzt im Krankenhaus von Wladikawkas sagte dem Fernsehsender NTW, nach wie vor seien 170 Menschen vermisst gemeldet. «Viele davon liegen in der Leichenhalle und sind so stark verbrannt, dass es noch nicht einmal möglich ist, ihr Geschlecht zu bestimmen», sagte Wissarion Kalagow. (dapd)

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