Klage angedroht: Russische Botschaft in Bern wettert wegen Clown-Putin gegen die NZZ

Aktualisiert

Klage angedrohtRussische Botschaft in Bern wettert wegen Clown-Putin gegen die NZZ

Die «Neue Zürcher Zeitung» hat in einem Artikel die Verbreitung von Memes im Ukraine-Krieg thematisiert. Weil sie ein Clown-Meme von Putin veröffentlicht hat, droht Russland mit einer Klage.

1 / 5
Dieses Meme aus dem Internet hat die NZZ abgedruckt und damit den Zorn Russlands auf sich gezogen.

Dieses Meme aus dem Internet hat die NZZ abgedruckt und damit den Zorn Russlands auf sich gezogen.

Screenshot/Twitter
Im gleichen Artikel sieht man ein Superhelden-Meme von Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski.

Im gleichen Artikel sieht man ein Superhelden-Meme von Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski.

Screenshot/NZZ
Putin sei in seiner Ehre und Würde beleidigt worden.

Putin sei in seiner Ehre und Würde beleidigt worden.

IMAGO/SNA

Darum gehts

  • Ein NZZ-Artikel beleuchtete die Verwendung von Memes im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg.

  • Dabei wurde ein Clown-Meme von Kremlchef Putin veröffentlicht.

  • Die russische Botschaft in Bern droht der NZZ mit einer Klage.

Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) hat am 9. Juli in ihrer Print-Ausgabe ein Meme von Wladimir Putin veröffentlicht, auf dem der Kremlchef eine Clown-Nase in der Farbe der LGBT-Bewegung trägt. Ukraine-Präsident Wolodimir Selenski wird in der gleichen Publikation in einem Superhelden-Meme dargestellt. Die Bilder stammen aus dem Internet. Auf die NZZ-Publikation reagiert nun die russische Botschaft in Bern «äusserst empört», wie sie verlauten lässt.

Die Autorin des besagten Artikels wird von russischer Seite als «wenig bekannte, junge Journalistin» beschrieben. So soll sie die anderen NZZ-Autoren und -Autorinnen, die «regelmässig schamlos und unbestraft Erfindungen und Beleidigungen gegen die russische Führung» verbreiten würden, mit dem Meme-Artikel gar noch «übertroffen» haben. Die Memes würden nach Ansicht der russischen Botschaft in «ukrainischen Trollfabriken» entstehen, seien lediglich «Nachdrucke von Stock-Bildern» und zeichneten sich durch «einen platten Humor» aus.

Artikel beleuchtet die Macht der Memes im Ukraine-Krieg

Im Artikel «Zwischen Superhelden und Schurken: Die Macht der Memes im Ukraine-Krieg» wird beschrieben, wie Memes zum Ukraine-Krieg als Propagandamittel eingesetzt werden. Die NZZ-Autorin betont in ihrem Text, dass Memes «oftmals komplexe Prozesse vereinfachen». Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland werde zum Beispiel auf einen Krieg zwischen Superhelden und Schurken reduziert.

So könnten Memes zwar an Themen heranführen, aber auch als Propagandamittel dienen. «Die Memes von ukrainischer Seite bekommt die russische Bevölkerung allerdings nur in Ausnahmefällen zu Gesicht», schreibt die NZZ weiter. In besagtem Artikel wird die Frage aufgeworfen,  ob die Schaffung und Verbreitung von Memes durch Einzelpersonen oder Diplomatie die Kriegsführung in der kommenden Zeit beeinflussen könne. Ein direkter Angriff auf den russischen Präsidenten findet sich im Artikel nicht. 

Russland droht mit Klage

Doch mit der bildlichen Wiedergabe des Clown-Memes von Putin aus dem Internet hat die NZZ den Zorn Russlands auf sich gezogen. Der Zeitung wird mit einer Klage gedroht. So soll der russische Präsident in seiner Ehre und Würde verletzt worden sein. Dies sei laut der russischen Botschaft nicht mehr mit der Meinungsfreiheit zu vereinbaren.

Dass der Kremlchef auf dem Meme auch noch in den Farben der LGBTQ-Bewegung geschminkt ist, sorgt für zusätzliche Empörung. So sei Putin eine zutiefst religiöse Person und befürworte die Bewahrung traditioneller christlicher Werte in der russischen Gesellschaft. «Offensichtlich gefalle das nicht jedem im Westen, wo die Ideen der LGBTQ-Community aktiv und forciert von der Schulbank aus gefördert werden», so die Botschaft weiter.

In Russland ist es verboten, sogenannte «homosexuelle Propaganda» zu verbreiten. Da das Gesetz sehr vage formuliert ist, kann bereits das Tragen eines Regenbogen-Shirts als strafbar gelten.

Statt Putin zu beleidigen, müsse man nach Ansicht der russischen Botschaft vielmehr bei Wolodimir Selenski «über Clownerie» sprechen. So sei er vor seiner Zeit als Präsident der Ukraine «mit äusserst kontroversen Auftritten und einem übertrieben Mass an Vulgarität» aufgefallen, heisst es im Protestbrief an NZZ-Chefredaktor Eric Gujer. Selenski war vor seiner Karriere als Politiker unter anderem als Comedian in der Unterhaltungsbranche tätig gewesen. 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:







Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(job)

Deine Meinung

68 Kommentare