Spital auf Sardinien: Putins Ex-Vertrauter soll am Guillain-Barré-Syndrom erkrankt sein

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Spital auf SardinienPutins Ex-Vertrauter soll am Guillain-Barré-Syndrom erkrankt sein

Der 67-jährige Anatoli Tschubais liegt in einem Spital auf Sardinien, kann Beine und Arme nicht bewegen. Seine Frau liess sofort das Zimmer, in dem sich das Paar aufgehalten hatte, auf Chemikalien untersuchen.

von
Karin Leuthold
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Anatoli Tschubais war bis März 2022 ein enger Vertrauter von Wladimir Putin. 

Anatoli Tschubais war bis März 2022 ein enger Vertrauter von Wladimir Putin. 

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Seit dem 31. Juli liegt er mit gelähmten Extremitäten in einem Spital auf Sardinien.

Seit dem 31. Juli liegt er mit gelähmten Extremitäten in einem Spital auf Sardinien.

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Nachdem die Nachricht bekannt wurde, entbrannten in sozialen Netzwerken sofort Spekulationen darüber, ob Tschubais möglicherweise vergiftet worden sein könnte. In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle von vergifteten Putin-Gegnern.

Nachdem die Nachricht bekannt wurde, entbrannten in sozialen Netzwerken sofort Spekulationen darüber, ob Tschubais möglicherweise vergiftet worden sein könnte. In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle von vergifteten Putin-Gegnern.

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Darum gehts

  • Putins Ex-Vertrauter Anatoli Tschubais liegt schwerkrank in einem Spital in Olbia.

  • Seine Frau alarmierte die Behörden, als ihr Mann erkrankte.

  • Mögliche Ursache von Tschubais’ Unwohlsein kann laut Ärzten eine seltene Nervenkrankheit sein.

Er war jahrelang Wladimir Putins rechte Hand gewesen, doch mit dem Beginn des Ukraine-Konflikts kehrte er Moskau den Rücken – jetzt liegt der ehemalige Kreml-Sonderbeauftragte Anatoli Tschubais auf der Intensivstation des Spitals Mater Olbia auf der italienischen Ferieninsel Sardinien. Der 67-Jährige war am Sonntag in einem schlechten Gesundheitszustand zum Notfall gebracht worden, seine Arme und Beine waren plötzlich erlahmt. 

Angesichts dieser Symptome entbrannten in sozialen Netzwerken sofort Spekulationen darüber, ob Tschubais möglicherweise vergiftet worden sein könnte. Die «Repubblica» schrieb, die italienische Polizei ginge einem Vergiftungsverdacht nach, nachdem die Ehefrau des zurückgetretenen Kreml-Beamten die Behörden alarmiert hatte. Experten und Expertinnen in Chemie-Schutzanzügen untersuchten das Zimmer eines Resorts an der Costa Smeralda, in dem sich das Paar zuletzt aufgehalten hatte. 

Nur eine neurologische Erkrankung?

Wie «La Stampa» am Montagabend berichtete, gehen die behandelnden Ärzte nach dem Vergiftungsalarm nun davon aus, dass es sich bei Tschubais’ Symptomen um das Guillain-Barré-Syndrom handeln könnte, einer neurologischen Erkrankung. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden erst in einigen Tagen bekannt gegeben.

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem des Körpers die Nerven angreift. Schwäche und Kribbeln an den Extremitäten sind in der Regel die ersten Symptome. Diese Symptome können sich allerdings rasch ausbreiten und schliesslich den ganzen Körper lähmen. 

Das Guillain-Barré-Syndrom ist unheilbar, verschiedene Behandlungen können aber die Symptome lindern und die Dauer der Krankheit verkürzen. Die meisten Menschen erholen sich vollständig vom Guillain-Barré-Syndrom, nur wenige Fälle sind so schwer, dass sie tödlich verlaufen. Die Genesung kann bis zu mehreren Jahren dauern, die meisten Patienten und Patientinnen können aber sechs Monate nach Beginn der Symptome wieder gehen.

Rücktritt nach Protest-Brief seiner Frau

Anatoli Tschubais hatte das Amt als Kreml-Sonderbeauftragter, das er 2020 übernahm, Ende März dieses Jahres niedergelegt. Tschubais selbst gab keine Erklärung zu seiner Entscheidung ab, doch kurz vor dem Rücktritt hatte seine Frau, die Drehbuchautorin Awdotja Smirnowa, einen offenen Brief russischer Aktivistinnen und Aktivisten gegen den Krieg unterzeichnet.

Es wäre nicht die erste Vergiftung

In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle von vergifteten Kremlgegnern – darunter der bekannte russische Oppositionelle Alexej Nawalny, der 2020 nur knapp einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebte. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch äusserte sich direkt zu dem erkrankten Tschubais: «Das also ist der Ruf des Kremls: Niemand hat grössere Zweifel daran, dass Tschubais vergiftet wurde», schrieb sie auf Twitter. (DPA)

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