Russland hat «Drohnen-Problem»: Putins Wunderwaffe? «Laser könnten Satelliten, Flugzeuge, Panzer zerstören»
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Russland hat «Drohnen-Problem»Putins Wunderwaffe? «Laser könnten Satelliten, Flugzeuge, Panzer zerstören»

Russlands neue Waffe, die im Ukraine-Krieg zum Einsatz kommen könnte, ist ein Laser gegen Drohnen. Laserwaffen könnten auch gegen Panzer, Menschen und sogar im Weltall zum Einsatz kommen, sagt ein Experte.

von
Daniel Graf
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Russland testet eine neue Laserwaffe, die Drohnen innert weniger Sekunden zerstören soll. 

Russland testet eine neue Laserwaffe, die Drohnen innert weniger Sekunden zerstören soll. 

© Russian Defense Ministry
Auch Satelliten könnten gemäss dem russischen Verteidigungsministerium mit der Waffe abgeschossen werden. Im Bild die bodengestützte Pereswet-Anlage 2018. 

Auch Satelliten könnten gemäss dem russischen Verteidigungsministerium mit der Waffe abgeschossen werden. Im Bild die bodengestützte Pereswet-Anlage 2018. 

Wikipedia/CC-BY 4.0
Bisher wird der Krieg in der Ukraine mit konventionellen Waffen ausgetragen. Der Flugabwehrkanonenpanzer Gepard 1A2, auch «Flakpanzer Gepard» genannt, ist eine allwettertaugliche deutsche Flugabwehrkanone mit Selbstfahrlafette. Der Panzer ist mit modernster Elektronik ausgerüstet und bildet einen wichtigen Bestandteil der Luftverteidigung der deutschen Bundeswehr sowie einer Reihe anderer Nato-Länder. Gewicht: 47,5 Tonnen, Mannschaft: drei Personen, Hauptwaffe: 2x35 mm Oerlikon Zwillingskanone zur Flugabwehr, dazu zweimal vierfache 76mm Rauchgranatenwerfer, Motor: 10 Zylinder Mehrstoffmotor mit 830 PS.

Bisher wird der Krieg in der Ukraine mit konventionellen Waffen ausgetragen. Der Flugabwehrkanonenpanzer Gepard 1A2, auch «Flakpanzer Gepard» genannt, ist eine allwettertaugliche deutsche Flugabwehrkanone mit Selbstfahrlafette. Der Panzer ist mit modernster Elektronik ausgerüstet und bildet einen wichtigen Bestandteil der Luftverteidigung der deutschen Bundeswehr sowie einer Reihe anderer Nato-Länder. Gewicht: 47,5 Tonnen, Mannschaft: drei Personen, Hauptwaffe: 2x35 mm Oerlikon Zwillingskanone zur Flugabwehr, dazu zweimal vierfache 76mm Rauchgranatenwerfer, Motor: 10 Zylinder Mehrstoffmotor mit 830 PS.

Wikimedia commons / Hans-Hermann Bühling / CC BY-SA 3.0

Darum gehts

«Peresvet» heisst Russlands neueste Wunderwaffe: Der Laser soll gemäss dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes feindliche Drohnen innert weniger Sekunden «einfach verbrennen» können. Laut Waffenexperte Marc Finaud vom Geneva Centre for Security Policy, ist die Drohnenabwehr aber bei weitem nicht die einzige Einsatzmöglichkeit von Laserwaffen.

«Ein Laser ist grundsätzlich nichts anderes als auf einen kleinen Punkt gebündeltes Licht. Je nach Stärke des Lasers können damit auch Satelliten, Flugzeuge und Panzer beschädigt oder zerstört und Munition zum Explodieren gebracht werden. Auch der Einsatz gegen Soldaten ist grundsätzlich möglich», sagt Finaud. Dass Russland den Anti-Drohnen-Laser gerade jetzt fertiggestellt hat, wundert Finaud nicht: «Russland hat in diesem Krieg ein Problem mit günstigen Drohnen, die etwa die Türkei in grossen Mengen an die Ukraine geliefert hat.»

«Panzer zerstören ist mit einer Rakete oft einfacher»

Russland ist laut Finaud nicht das einzige Land, das auf die Lasertechnologie setzt: «Schon in den 80er- und 90er-Jahren haben insbesondere Grossbritannien und die USA an Laserwaffen gearbeitet, um Piloten von Kampfflugzeugen zu blenden. Nach einer Initiative des Internationalen Roten Kreuzes haben sich aber über 100 Staaten darauf geeinigt, dass diese Waffen unnötiges Leid verursachen und im Krieg nicht zum Einsatz kommen sollen. Seither sind solche Laser verboten.»

Der Experte glaubt nicht, dass der Krieg in der Ukraine zu einem reinen Laser-Krieg werden wird. «Einerseits ist fraglich, ob der russische Laser tatsächlich schon breitflächig eingesetzt werden kann und über wie viele solcher Laser die Armee verfügt.» Der zweite Grund ist naheliegend: «Auch wenn mit einem Hochleistungslaser grundsätzlich etwa ein Panzer zerstört werden kann, ist es oft einfacher, ihn konventionell mit einer Rakete abzuschiessen. Denn um einen Panzer zu zerstören, müsste der Laser extrem viel Energie verbrauchen und relativ nahe am Panzer stehen.»

«Schweiz verfügt nicht über Laserkanonen»

Die Schweiz verfügt gemäss Armeesprecher Stefan Hofer derzeit über keine Laserkanonen. «Wir schliessen aber nicht aus, dass diese Technologie künftig auch für die Schweizer Armee interessant werden könnte», sagt Hofer. Andere westliche Länder setzen bereits auf die Lasertechnologie. Die USA bewaffnen ihre Zerstörer nach und nach mit Laserwaffen, wie das Portal «Popular Mechanics» schreibt. Auch hier stand die Bedrohung durch sogenannte Schwarmdrohnen im Vordergrund: «Dabei handelt es sich um sehr viele kleine Drohnen, die gemeinsam eines oder mehrere Ziele angreifen», erklärt Finaud.

Aldo C. Schellenberg war von Januar 2018 bis Dezember 2020 Chef Kommando Operationen der Schweizer Armee und Stellvertreter des Chefs der Armee. Den russischen Laser kenne er zwar nicht, sagt er gegenüber 20 Minuten. Aber: «Die grossen Rüstungsfirmen, etwa in den USA, in Deutschland oder in Israel, sind in der Entwicklung von Laserwaffen schon sehr weit. Sie dienen in erster Linie zur Abwehr gegen taktische Drohnen, Artilleriegeschossen oder Raketen auf sehr kurze bis kurze Distanz.» Die Waffen hätten einen grossen logistischen Vorteil, weil keine Munition gelagert werden müsse. «Aufgrund des knappen Platzes kommen sie deshalb vorzugsweise auf Schiffen zum Einsatz, wo auch die wichtige Stromversorgung sichergestellt ist»

Dass künftige Kriege nur noch mit Lasern ausgefochten werden, ist laut Schellenberg aber nicht realistisch: «Ein Laser, der auf über 20 Kilometer ein Flugzeug abschiessen soll, müsste riesig sein und würde extrem viel Energie benötigen. Das würde ihn unflexibel machen.» Dazu komme: «Bei Schneefall, Nebel oder starkem Regen funktionieren diese optischen Systeme nicht mehr zuverlässig.» China habe zwar eine Laser-Handfeuerwaffe zum Einsatz gegen Menschen entwickelt. «Die darin verbauten Laser sind aber sehr schwach und explizit nicht tödlich», sagt Schellenberg.

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