Frühjahrsputz: Putzen bis zum Umfallen
Aktualisiert

FrühjahrsputzPutzen bis zum Umfallen

In manchen Gegenden übertreiben es die Hausfrauen mit dem Frühjahrsputz: In Griechenland sollen sie vor lauter Anstrengung gelegentlich gar umkippen.

von
Irene Widmer
SDA
Auch in der Schweiz greifen viele im Frühling zum Besen.

Auch in der Schweiz greifen viele im Frühling zum Besen.

Er ist nicht der beliebteste, aber einer der ältesten Osterbräuche: der Frühjahrsputz. Greifbar ist er fast nur noch in Ostern verwandten Festen wie Pessach. Aber auch in christlichen Haushalten wird er bisweilen gepflegt.

In deutschen Vereinen hat der «Osterputz» Tradition. Auch das Putzen von Gemeindebrunnen gehört zum deutschen Osterbrauchtum. Der häusliche Osterputz allerdings ist in Ermangelung des Gemeinschaftserlebnisses unter christlichen Hausfrauen unpopulär.

Fastenzeit haut Frauen um

In ländlichen Gegenden Griechenlands sollen zwar gelegentlich noch Frauen vor Ostern auf offener Strasse umkippen, weil sie ausser putzen auch noch das Haus weisseln müssen – und das in der Fastenzeit mit leerem Magen. Bei jungen Schweizerinnen ist der Brauch dagegen so gut wie ausgestorben.

Dabei muten die Putzpflichten christlicher Hausfrauen harmlos an, verglichen mit denen von jüdischen. Da in der Woche vor Pessach nur noch ungesäuertes Brot gegessen werden darf, muss vorher jedes Krümmelchen von Gesäuertem, mithin jedes Staubkorn überhaupt, aus dem Haus entfernt werden.

Das Verbot von Gesäuertem erinnert an die Flucht aus Ägypten. In der Eile des Aufbruchs blieb keine Zeit, den Brotteig aufgehen zu lassen. Was ausser aufgegangenem Brot noch zu Pessach verboten ist, wird in einem jährlich neu aufdatierten, mehrere hundert Seiten dicken Ratgeber aufgelistet, der nach seinem Begründer «Der Blumenkrantz» genannt wird.

Alles neu macht nicht erst der Mai

In manchen jüdischen Familien wird der Brauch der Krümel-Jagd gepflegt: Beutelchen mit Staub werden in der Wohnung versteckt und bei Kerzenlicht gesucht. Die Ähnlichkeit zur Eiersuche mag zufällig sein. Ganz sicher aber sind die christlichen Abendmahls-Oblaten verwandt mit den ungesäuerten jüdischen Mazzen.

Denn gemäss dem Johannesevangelium wurde Jesus am Vortag des Pessach-Festes gekreuzigt. Die Verwandtschaft der beiden Feste ist heute etwa noch etymologisch in Begriffen wie französisch «Pâques» oder italienisch «Pasqua» für Ostern fassbar.

Ideell gemeinsam ist den beiden Festen die Vorstellung des Neubeginns: Juden feiern den Auszug der Israeliten aus Ägypten, Christen die Auferstehung des Religionsbegründers. Der Zeitpunkt fällt in etwa mit dem altiranischen Neujahrsfest Nouruz zusammen, das wie Pessach mit strengen Reinigungsregeln verbunden ist.

Wurzeln all dieser Feste liegen nicht nur in den Religionen, sondern auch im Alltagsleben: Im Frühling erwacht die Natur, Neues spriesst aus verfaulten Pflanzenresten.

Das selbstreinigende Haus

Im Gegensatz zur Natur ist die menschliche Behausung nicht selbstreinigend - mit einer Ausnahme: dem Haus der heute 96-jährigen Amerikanerin Frances Gabe in Newberg, Oregon.

Sie versuchte, den Traum aller Frauen wahrzumachen und entwarf bereits in den 1970er Jahren das «Self Cleanig House». Es besteht aus 68 Einzelerfindungen, neben einem Sprinklersystem etwa dem Geschirrschrank, der auch spült und dem Kleiderschrank, der auch wäscht.

Der 1984 patentierte Prototyp, den sie selber bewohnt, ging allerdings nie in Serie und ist heute völlig veraltet. Inzwischen wurden zwar selbstreinigende Bachöfen und Staubsauger-Roboter erfunden. Das selbstreinigende Haus bleibt jedoch weiter ein unerfüllter Ostertraum.

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