Aktualisiert 16.06.2011 18:07

Männedorf ZHPutzfrau ertrog 150 000 Franken

In Männedorf hat eine angeblich mittellose Putzfrau Fürsorgegelder für rund 150 000 Franken ertrogen. Vor Obergericht machte die Verteidigung vergeblich Sprachschwierigkeiten der beschuldigten Italienerin geltend.

von
Attila Szenogrady

Die Fakten waren vor Obergericht nicht mehr bestritten. Demnach hatte die heute 74-jährige Angeklagte zwischen Mai 1999 und März 2007 von der Gemeinde Männedorf regelmässig Fürsorgegelder bezogen. Die Italienerin gab sich bei den wiederkehrenden Anmeldungen jeweils als mittellos aus. Was aber nicht den Tatsachen entsprach. So arbeitete die Beschuldigte in Wahrheit regelmässig als Putzfrau und erzielte Jahresverdienste bis zu 50 000 Franken. Zudem erhielt sie neben einer Witwenrente eine eigene Rente aus Italien. Für die Staatsanwaltschaft See/Oberland lag damit ein klarer Betrug mit einem stolzen Deliktsbetrag von rund 150 000 Franken vor.

Unentschuldigt abwesend

Am Donnerstag hätte sich die Beschuldigte in einem Berufungsprozess vor dem Zürcher Obergericht verantworten sollen. Allerdings tauchte sie nicht auf und liess durch ihren Anwalt ein ärztliches Zeugnis einreichen. Was die Oberrichter aber nicht akzeptierten. Der Gerichtsvorsitzende Peter Marti bezeichnete das vordatierte Attest als gekaufte Urkunde und gar als Fälschung. Dennoch führte das Obergericht die Verhandlung durch und liess den anwesenden Verteidiger plädieren. Dieser wehrte sich gegen einen Schuldspruch des Bezirksgerichts Meilen. Dieses hatte die Angeklagte im letzten Dezember wegen mehrfachen Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt.

Sprachschwierigkeiten geltend gemacht

Der Rechtsanwalt verlangte im Hauptantrag einen Freispruch und führte Sprachschwierigkeiten seiner Klientin als entlastenden Punkt ins Feld. So habe die Italienerin bei den Sozialbehörden gar nicht verstanden, dass sie sämtliche finanziellen Verhältnisse anzugeben habe, plädierte er. Die Putzfrau habe zudem nicht schwarz gearbeitet und die Löhne normal auf ein Bankkonto erhalten. Welches die Angeklagte lediglich im Sinne einer Privatsache nicht erwähnt habe.

Schuldspruch bestätigt

Das Obergericht konnte den Argumenten des Verteidigers nicht folgen. Die Angeklagte lebe bereits seit 50 Jahren in Männedorf und habe viel mit Schweizer Freundinnen verkehrt, erklärte Präsident Marti dazu. Deshalb sei es nicht glaubhaft, dass sie bei den Behörden nichts verstanden habe. Zudem habe die Mutter ohne Probleme mehrere Bankkonten eröffnet. Bei der Beschuldigten handle es sich um eine Person, die sehr wohl etwas verstehe, wenn sie im Lotto drei Millionen Franken gewinnen würde. Sollte sie aber für 3000 Franken Steuern zahlen, würde sie plötzlich nichts mehr begreifen, sagte Marti. Damit bestätigten die Oberrichter das Urteil aus Meilen. Ebenso die bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

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