Bildungsoffensive: Putzkräfte sollen besser Deutsch lernen
Publiziert

BildungsoffensivePutzkräfte sollen besser Deutsch lernen

Putzfrauen müssen immer kompliziertere Maschinen bedienen. Oft scheitert dies an den Sprachkenntnissen. Helfen sollen nun Deutsch- und Weiterbildungskurse.

von
kwo

Wieso braucht es mehr Bildung im Reinigungsgewerbe? Jürg Brechbühl, Präsident der Paritätischen Kommission, im Interview mit 20 Minuten.

Ein Besen und ein Wischmopp: Das waren lange Jahre fast die einzigen Werkzeuge von Reinigungskräften. Doch diese Zeiten sind vorbei. In Spitälern beispielsweise muss das Putzpersonal oft hohen hygienischen Sicherheitsvorschriften genügen und komplizierte Maschinen bedienen. Das Problem: Viele Angestellte in der Branche sprechen kaum Deutsch und haben daher Mühe, die Vorschriften überhaupt zu verstehen.

Mit einer grossen Bildungsoffensive möchte die Reinigungsbranche diese Situation nun verbessern. Unter dem Motto «Reine Profis» präsentierten Vertreter von Arbeitgebern und -nehmern am Donnerstag ein Massnahmenpaket, das die Fähigkeiten des Putzpersonals verbessern soll. Dazu sollen im Rahmen des neuen Gesamtarbeitsvertrags, der voraussichtlich 2018 in Kraft tritt, alle ungelernten Arbeitskräfte zu bezahlten Weiterbildungen motiviert werden.

Kurse à 60 Stunden

Jeder Angestellte soll dabei Kurse einer Dauer von 60 Stunden (80 Lektionen) absolvieren – während der offiziellen Arbeitszeit. Für eine Teilnahme an den Weiterbildungen müssen die potenziellen Kursteilnehmer allerdings erst nachweisen, dass sie die deutsche Sprache auf dem Niveau A2 nach internationalem Referenzrahmen (fortgeschrittene Anfänger) beherrschen. Wer noch sprachliche Lücken aufweist, kann in der Freizeit aber einen dreimonatigen, bezahlten Deutschkurs besuchen, der ihn für die entsprechenden Weiterbildungen fit machen sollte.

Wie wichtig gerade die Deutschkenntnisse sind, betonte im Rahmen der Pressekonferenz in Zürich Reinigungsunternehmer Stefan Honegger: «In unserer Firma beschäftigen wir Menschen aus über 100 Ländern.» Nebst Deutsch seien bei den Angestellten Sprachen wie Albanisch, Portugiesisch, Tamil oder Serbisch und Italienisch sehr verbreitet. Damit diese Vielsprachigkeit nicht zu Problemen führe, sei es auch aus Sicht der Unternehmen sehr lohnend, ihre Angestellten zum Erwerb besserer Deutschkenntnisse zu motivieren.

Mehr Geld fürs Personal

Auch dem Personal bringen die Kurse einen direkten Nutzen. Laut neuem Gesamtarbeitsvertrag steigt der Stundenlohn eines Angestellten um einen Franken, wenn die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen wurde. Im neuen GAV beträgt der Mindestlohn für ungelernte Angestellte 18.80 Franken pro Stunde.

Auch für die Kunden der Reinigungsunternehmen soll sich das neue Weiterbildungsmodell lohnen, ergänzt Jürg Brechbühl, Zentralpräsident des Verbands der Reinigungsunternehmen Allpura (siehe Video): «Viele Reinigungsfachkräfte kommen ungelernt zu uns.» Mit den Weiterbildungen könne man Kunden erst garantieren, dass die Reinigung nach professionellen Standards durchgeführt werde.

Die Gewerkschaft Syna rechnet damit, dass aufgrund der neuen Regelung die Anzahl an Weiterbildungstagen in der Deutschschweiz im Vergleich zu 2016 um etwa 30 Prozent zunehmen wird. Zum genauen Inhalt der Kurse erklärt Rita Schiavi von der Gewerkschaft Unia, dass das Themenspektrum vielfältig sei. «Es reicht von Basiskenntnissen in der Reinigung und Wissen zu nicht alltäglichen Reinigungsmethoden über Spezialwissen wie Reinigung von Sanitäranlagen bis hin zur Arbeitssicherheit.»

Deine Meinung