Aktualisiert 04.04.2018 08:12

«Unhappy Meal»

«Putzpersonal hat mein Kunstwerk weggeworfen»

Mit einer Imitation des McDonald's-Happy-Meals war die Zürcherin Carol May Teil einer Kunstmesse in Hongkong. Die Imitation war für das Putzpersonal aber zu gut.

von
wed
1 / 4
Das «Unhappy Meal» von der Zürcher Künstlerin Carol May: «Die Box ist eine ironische Anspielung an die Konsum- und Fast-Food-Gesellschaft sowie an die Werbestrategien marktführender Firmen», so die Zürcherin.

Das «Unhappy Meal» von der Zürcher Künstlerin Carol May: «Die Box ist eine ironische Anspielung an die Konsum- und Fast-Food-Gesellschaft sowie an die Werbestrategien marktführender Firmen», so die Zürcherin.

Digitalzh
Zu Mays Werken gehört auch eine Pistole, die mit 24 Karat vergoldet wurde. Sie nennt es «The golden Shot». Zu Deutsch: Der goldene Schuss.

Zu Mays Werken gehört auch eine Pistole, die mit 24 Karat vergoldet wurde. Sie nennt es «The golden Shot». Zu Deutsch: Der goldene Schuss.

Oder vergoldete Fäkalien mit dem Titel «Holy Shit». Zu Deutsch: Heilige Scheisse.

Oder vergoldete Fäkalien mit dem Titel «Holy Shit». Zu Deutsch: Heilige Scheisse.

Alles, was Rang und Namen hat in der Kunstszene, war in den vergangenen zwei Wochen an zahlreichen Events und Ausstellungen in Hongkong präsent. Auch die Zürcher Künstlerin Carol May wollte eines ihrer Werke an der Harbour Art Fair präsentieren. «Die Kunstmesse ist in einem Hotel, wo die Hotelzimmer zu Verkaufsständen umfunktioniert werden», so May. Sie sei Teil des Künstlerkollektivs a-space, das diesen Stand gemeinsam finanziert hat. «Ein befreundeter Künstler aus China war dann vor Ort und hat sich um unseren Stand und die interessierten Kunden gekümmert», sagt die Künstlerin.

Da May nicht selbst nach Hongkong reiste, hat sie eines ihrer aktuellsten Werke für die Ausstellung dorthin geschickt: Das «Unhappy Meal», das an ein Happy Meal von McDonald's erinnert. «Die Box ist eine ironische Anspielung an die Konsum- und Fast-Food-Gesellschaft sowie an die Werbestrategien marktführender Firmen», so die Zürcherin. Sie möchte damit zum Nachdenken anregen – etwa, ob ein Fast-Food-Menü für Kinder wirklich glücklich macht.

«Ich fand es natürlich überhaupt nicht lustig»

Generell arbeite sie mit ihrer Kunst häufig mit Imitationen von bereits bestehenden Produkten. «Auch wenn das ‹Unhappy Meal› auf den ersten Blick nur eine Kartonschachtel ist, habe ich sehr viel Zeit, Aufwand und Kosten für ein perfektes Werk investiert», so May.

Für das Putzpersonal des Ausstellungsortes war die Kopie offenbar zu gut: «Unser Vertreter vor Ort hat mir geschrieben, dass das Putzpersonal des Hotels mein ‹Unhappy Meal› für Abfall hielt und es im Güsel landete», so die Zürcherin. Im ersten Moment sei sie total geschockt gewesen. «Ich fand es natürlich überhaupt nicht lustig, mittlerweile kann ich aber darüber lachen – es bedeutet ja, dass meine Imitation gelungen ist», sagt May.

Hoffnung auf eine Entschädigung

Das Hotel habe ihr Werk zwar schnell im Abfall gefunden. Aber: «Es ist jetzt natürlich beschädigt und leider wertlos.» Sie sei nun in Kontakt mit dem Hotel und hoffe, dass ihr der Preis von rund 350 Franken erstattet werde. Inzwischen sei sie aber schon mit der nächsten Ausstellung beschäftigt. «Bis zum 6. Mai sind Werke von mir in der Alten Fabrik in Rapperswil SG zu sehen», so May. Ein «Unhappy Meal» wird man dort aber nicht antreffen.

Fehler gefunden?Jetzt melden.