Kurz vor Kriegsgeschäfte-Abstimmung: Pyro-Anschlag auf Rüstungsfirma Thales in Zürich
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Kurz vor Kriegsgeschäfte-AbstimmungPyro-Anschlag auf Rüstungsfirma Thales in Zürich

Bei der Rüstungsfirma Thales wurden die Briefkästen gesprengt. Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher spricht von einem «Sprengstoff-Attentat» und sieht einen Zusammenhang zur Kriegsgeschäfte-Abstimmung. Die GSoA wehrt sich.

von
Noah Knüsel

Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher sprach in der SRF-«Arena» von einem «Sprengstoff-Attentat» auf Thales.

Video: 20 Minuten / Jan Derrer

Darum gehts

  • Auf die Briefkästen der Rüstungsfirma Thales wurde ein Anschlag mit Feuerwerkskörpern verübt.

  • Die Attacke hat laut dem Swissmem-Direktor einen Zusammenhang mit der Kampagne gegen die Rüstungsfirmen.

  • Bei der GSoA schäumt man: «Das ist völlig aus der Luft gegriffen.»

In der Arena zur Kriegsgeschäfte-Initiative (siehe Box) gingen die Emotionen hoch. Die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) begünstige mit ihren Kampagnen ein feindseliges Klima gegenüber Rüstungsfirmen, warf Stefan Brupbacher der Gruppierung vor. Laut Brupbacher, Direktor des Verbands der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem, trauen sich immer weniger Unternehmen, sich öffentlich zu positionieren. Er verstehe das, vor allem aus einem aktuellen Anlass: «In der Nacht gab es ein Sprengstoff-Attentat auf die Firma Thales.» Diese ist im Rüstungsbereich tätig und hat einen Sitz in Zürich.

«Wir haben Kenntnis von dem Fall», bestätigt Marc Surber, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. «Die Briefkästen sind mit einem pyrotechnischen Gegenstand gesprengt worden.» Die Tat habe sich in der Nacht auf Freitag kurz nach 1 Uhr ereignet. Bei Thales selbst war am Samstag niemand zu erreichen.

Am Montag dann bekannten sich linksextreme Gruppierungen zum Anschlag. Man habe die Briefkästen im Rahmen einer «Aktionswoche gegen den türkischen Faschismus und seine europäischen SponsorInnen» gesprengt, wie es auf einem Szeneportal heisst. Die Kriegsgeschäfte wird dabei aber nicht erwähnt.

So sahen die Briefkästen nach dem Anschlag aus. 

So sahen die Briefkästen nach dem Anschlag aus.

Twitter/ Nein zur GSoA-Initiative

GSoA wehrt sich

Auf Nachfrage von Arena-Moderator Sandro Brotz krebste Brupbacher am Freitagabend zurück und sagte, natürlich wolle er die Tat selbst nicht dem Initiativkomitee in die Schuhe schieben. «Der Vorwurf, die GSoA und deren Kampagnen hätten etwas mit dem Anschlag zu tun, ist völlig aus der Luft gegriffen», sagt auch deren Sekretärin Nadia Kuhn. «Wir sind eine pazifistische Organisation, die sich gegen jede Art von Gewalt einsetzt.» Man verurteile den Anschlag klar und deutlich.

An die Adresse der Gegner der Kriegsgeschäfte-Initiative sagt sie: «Dass sie nun den Vorfall mit der GSoA in Verbindung bringen zeigt, dass sie keine anderen Argumente haben.»

Das ist die Kriegsgeschäfte-Initiative

Die Kriegsgeschäfte-Initiative fordert, dass der Schweizerischen Nationalbank, Stiftungen sowie Einrichtungen der staatlichen und beruflichen Vorsorge die Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten untersagt wird. Das sind Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes mit der Herstellung von Kriegsmaterial erzielen. Davon ausgenommen sind Geräte zur humanitären Entminung sowie Jagd- und Sportwaffen und deren Munition. Schwammiger ist die Formulierung bei den Banken: «Der Bund setzt sich auf nationaler und internationaler Ebene dafür ein, dass für Banken und Versicherungen entsprechende Bedingungen gelten», heisst es im Initiativtext.

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