Wegweisendes Urteil: Pyro-Werfer zu 36 Monaten verurteilt
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Wegweisendes UrteilPyro-Werfer zu 36 Monaten verurteilt

Erstmals hat das Bundesstrafgericht gegen einen Schweizer Fussballfan wegen der Verwendung von Sprengstoffen eine Freiheitsstrafe verhängt.

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chi
Spiel mit dem Feuer: Fanblock des FC St. Gallen bei einem Match gegen den FC Sion im Tourbillon-Stadion. (Archiv)

Spiel mit dem Feuer: Fanblock des FC St. Gallen bei einem Match gegen den FC Sion im Tourbillon-Stadion. (Archiv)

Keystone/Jean-Christophe Bott

Das Bundesstrafgericht hat einen heute 24-jährigen Fan des FC St. Gallen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt.

Von der Freiheitsstrafe muss der Ostschweizer 18 Monate absitzen. Zudem hat das Gericht den Mann zu 180 Tagessätzen à 50 Franken und zu einer Busse von 700 Franken verurteilt.

Genugtuung für Geschädigten

Durch den Knall eines Pyros, ein sogenannter Kreiselblitz, und den Funkenflug erlitt ein Zuschauer einen irreversiblen Hörschaden. Dem Geschädigten muss der 24-Jährige eine Genugtuung von 12'000 Franken zahlen.

Der verurteilte Mann hatte beim Beginn des Spiels zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen vier Pyrogegenstände aufs Feld geworfen, zwei Rauchkörper und zwei Knallpetarden.

Richter stuft Knaller als Sprengstoff ein

Der vorsitzende Richter führte an der Urteilsverkündung am Mittwoch aus, dass es sich bei den beiden auf das Spielfeld geworfenen Kreiselblitze um Sprengstoffe handle. Der Ostschweizer habe sich damit der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht schuldig gemacht. Nicht unter die Sprengstoffe oder giftige Gase gemäss Strafgesetzbuch fallen gemäss Gericht die beiden Rauchtöpfe, die der Mann zuerst auf das Feld warf.

Verurteilt wird der Ostschweizer auch wegen schwerer Körperverletzung aufgrund des verursachten Hörschadens beim Zuschauer, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Hans-Jürg Käser, Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), zeigt sich zufrieden mit dem Urteil. Video: SDA

Wegweisendes Urteil

Es ist das erste Mal, dass die Bundesanwaltschaft eine Anklage wegen Gewalt in Sportstadien eingereicht hat. Die Vorwürfe lauten auf mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, schwere Körperverletzung, mehrfache Sachbeschädigung begangen aus Anlass einer öffentlichen Zusammenrottung sowie mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz.

Die Bundesanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren beantragt. Die Verteidigerin plädierte in den wesentlichen Punkten auf Freispruch. Allein der durch die Sprengkörper verursachte Sachschaden am Rasen in der Höhe von 800 Franken wurde anerkannt.

Mann erlitt Verletzungen

Dem jungen Schweizer war es am 21. Februar 2016 gelungen, für das Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen pyrotechnische Gegenstände in die swissporarena in Luzern zu schmuggeln. Die Luzerner Polizei konnte ihn kurz nach dem Fussballspiel anhand von Aufnahmen von Überwachungskameras ermitteln. Diese zeigten, dass der damals 22-Jährige die Spreng- und Rauchkörper auf das Spielfeld geworfen hatte.

Ein damals unbeteiligter, 48-jähriger Mann, der sich auf der Sitztribüne neben dem Gäste-Fansektor befand, erlitt dabei Verletzungen am Gehör. Er erlitt einen massiven Hörverlust auf mindestens einem Ohr und musste operiert werden. Gemäss Bundesanwaltschaft wurde er «nachhaltig verletzt».

100 Kilogramm Material gefunden

Bei der Hausdurchsuchung im Kanton Appenzell Ausserrhoden fand die Polizei rund 100 Kilogramm diverses, pyrotechnisches Material, wie die Luzerner Polizei im März 2016 meldete. Die Luzerner Staatsanwaltschaft leitete damals eine Untersuchung wegen Körperverletzung, Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz und Sachbeschädigung ein.

Gemäss Bundesanwaltschaft hat der St. Galler Fan in Kauf genommen, dass Personen zu Schaden kommen und Schäden an der Einrichtung und am Rasen entstehen. Sie erklärt ihre Zuständigkeit für das Strafverfahren mit der Art der Sprengkörper und dem Vorsatz, das explosive Material an einem Ort zu verwenden, an dem eine konkrete Gefährdung für Menschen und Gegenstände in Kauf genommen werden muss.

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren

Für die schwere Körperverletzung hätte der Beschuldigte gemäss Strafgesetzbuch zu einer Freiheitsstrafe von bis zu maximal zehn Jahren oder einer Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen verurteilt werden können. Für die Sachbeschädigung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

Und wer «vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt», wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft. Bis zum Urteil galt für den jungen Mann die Unschuldsvermutung. (chi/sda)

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