Pyroman bei der Feuerwehr: Lebenslänglich?
Aktualisiert

Pyroman bei der Feuerwehr: Lebenslänglich?

Wegen Mordes an sechs Menschen und Brandstiftung hat die Aachener Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für einen Jülicher Feuerwehrmann gefordert.

Der 32-Jährige hatte zuvor vor dem Landgericht gestanden, ein Feuer in einem Jülicher Wohnhaus gelegt zu haben, in dem am 6. November vergangenen Jahres sechs Menschen starben, darunter drei Kinder.

Staatsanwalt Ralf Bücker sagte am Montag in seinem Schlussplädoyer vor der ersten Schwurgerichtskammer, der Angeklagte habe aus reiner Geltungssucht und aus Frustration über seine Lebensumstände immer wieder Brände gelegt und zuletzt wissentlich den Tod der Menschen in Kauf genommen. Die Tat des Angeklagten erfülle das Mordmerkmal der Heimtücke. Der Angeklagte habe die Folgen seiner Taten genau gekannt. Er habe das Grauen in Kauf genommen, weil «es ihm besser ging, wenn es brannte».

Die Nebenklage beantragte, die «besondere Schwere der Schuld» festzustellen und damit auszuschliessen, dass der Angeklagte schon nach 15 Jahren Haft wieder auf freien Fuss kommt. Verteidiger Ulrich Kahlenborn forderte dagegen eine Haftstrafe von 15 Jahren. Er verwies darauf, dass der Angeklagte aus zerrütteten häuslichen Verhältnissen komme und nicht gelernt habe, mit Lebensniederlagen fertig zu werden.

Der Angeklagte selbst bat in seinem Schlusswort die Angehörigen der Opfer um Verzeihung. «Es tut mir Leid. Ich entschuldige mich bei den Familien der Opfer. Und besonders bei den Kameraden der Feuerwehr», sagte der 32-Jährige.

Im November vergangenen Jahres hatte der Ex-Feuerwehrmann nach eigenem Eingeständnis eine Matratze im Keller eines Jülicher Wohnhauses angezündet. Durch die massive Rauch- und Gasentwicklung starben ein Ehepaar, dessen drei Kinder und eine 82-jährige Hausbewohnerin. Er sei frustriert darüber gewesen, dass er weder eine feste Freundin noch eine Arbeitsstelle hatte, erklärte der Angeklagte in seinem Geständnis.

Vor dem tödlichen Brand hatte der Angeklagte bereits sieben andere Feuer gelegt. Bei einer dieser Brandstiftungen im August 2003 mussten sechs Menschen über eine Drehleiter gerettet werden. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden. (dapd)

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