Aktualisiert 31.01.2012 16:46

Hungrige Tiere

Pythons rotten in Florida die Säugetiere aus

Pythons verbreiten sich in den Everglades rasend schnell. Sie schrecken selbst vor Hirschen und Alligatoren nicht zurück. Die Zahl der Säugetiere in Florida ist drastisch gesunken.

von
ske

Pythons und Anakondas in den Everglades kennen kein Pardon: Sie verschlingen alles, was ihnen über den Weg läuft. Und das hat Folgen: Die Zahl der Säugetiere in den Sümpfen ist in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Die häufigsten Tiere wie Kaninchen, Waschbären und Opossums, aber auch seltenere Arten findet man inzwischen kaum mehr im Nationalpark. Da sich die fünf Meter langen Würgeschlangen andererseits seit dem Jahr 2000 explosionsartig vermehrt haben, gehen Forscher des Fachmagazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» davon aus, dass hierbei ein Zusammenhang besteht.

Verantwortlich dafür sind offenbar vor allem eingeschleppte Schlangen. «Invasive Arten stellen eine der bedeutendsten Bedrohungen für die globale Artenvielfalt und die Ökosysteme dar», schreiben die Forscher. Die ursprünglich in Südostasien beheimateten Burmesischen Pythons kamen vor ungefähr elf Jahren nach Südflorida. Ursprünglich waren sie von Haustierbesitzern in den Everglades freigelassen worden, wo sie dann rasch anfingen, zu brüten. Eine Pythonschlange kann bis zu 100 Eier legen. Die Ausbreitung war entsprechend enorm. Für die einheimischen Beutetiere ist dies gefährlich, wie man heute weiss.

99 Prozent weniger Säugetiere

Nach 2003 ist die Zahl der Waschbären, Opposums, Luchse und Füchse um 99 Prozent zurückgegangen. Kaninchen sehe man im Gebiet der Pythons überhaupt keine mehr. Das setzt die Wissenschaftler in Alarmbereitschaft. Es sehe ganz danach aus, als seien seltene Tierarten nahezu ausgerottet worden.

Tatsächlich schrecken Würgeschlangen vor kaum einem Tier zurück. «Es gibt wenige Tiere, die eine Python nicht erwürgen kann», sagt Forscher Robert N. Reed. Im vergangenen Oktober war eine Riesenschlange getötet worden, die einen Hirsch verschlungen hatte. Sogar Alligatoren werden zu ihren Opfern. Das führte auch schon zu Problemen für die Schlangen selbst: Im Jahr 2005 zerplatzte eine Python im Wasser, da sie sich mit dem Alligator ganz offensichtlich übernommen hatte.

Hilft Import-Stopp?

Die Regierung Obama hat kürzlich den Import und zwischenstaatlichen Handel mit Burmesischen Pythons verboten. Aber unter dem Druck der Vereinigung für Reptilienhalter, können Netzpythons und Boas weiterhin gehandelt werden, schreibt die «Washington Post». Der Reptilienhandel ist in den USA nämlich jährlich ein zwei Milliarden Dollar Geschäft. Elf Millionen Reptilien wurden 2005 als Haustiere gehalten. Nirgends sonst werden so viele Reptilien importiert wie in den USA. Man könne die Ausbreitung der Pythons und Anakondas in Florida nicht verhindern, sagt Reed. Man könne nur hoffen, dass ihre Verbreitung möglichst minim gehalten werden kann.

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