Eingeschleppter Jäger: Pythons zerstören Ökosystem der Everglades

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Eingeschleppter JägerPythons zerstören Ökosystem der Everglades

Kaninchen & Co. müssen im Everglades-Nationalpark um ihr Leben fürchten. Schuld daran sind Schlangen, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden.

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Tigerpythons, die einst in den Everglades ausgesetzt wurden, haben grossen Appetit - vor allem auf Säugetiere.

Tigerpythons, die einst in den Everglades ausgesetzt wurden, haben grossen Appetit - vor allem auf Säugetiere.

PD
Das bekamen in der Studie von US-Forschern vor allem Marschkaninchen zu spüren: 26 von ihnen wurden ausgesetzt, nach nicht mal einem Jahr waren nur noch 4 davon am Leben.

Das bekamen in der Studie von US-Forschern vor allem Marschkaninchen zu spüren: 26 von ihnen wurden ausgesetzt, nach nicht mal einem Jahr waren nur noch 4 davon am Leben.

PD
Anhand der Überreste konnten die Forscher bestimmen, wie sie ums Leben kamen. Das Ergebnis: 17 der 22 getöteten Kaninchen waren Opfer von Tigerpythons.

Anhand der Überreste konnten die Forscher bestimmen, wie sie ums Leben kamen. Das Ergebnis: 17 der 22 getöteten Kaninchen waren Opfer von Tigerpythons.

Keystone/AP/Michael R. Rochford

Eingeschleppte Tigerpythons gefährden die Säugetiere im Everglades-Nationalpark in Florida. Etwa drei Viertel der innerhalb eines knappen Jahres getöteten Kaninchen seien Opfer der asiatischen Würgeschlangen geworden, berichten Forscher um Robert A. McCleery von der University of Florida im Fachmagazin «Proceedings B» der britischen Royal Society. Seit Jahren wird vermutet, dass die Pythons in dem Nationalpark Säugetiere stark dezimieren. Es gab jedoch wenig konkrete Belege dafür.

«Die Pythons richten Amerikas schönstes und reichstes Ökosystem zugrunde», klagte Marcia McNutt, Leiterin der US-Behörde für Geologie (USGS) bereits 2012. Zwischenzeitlich schätzten Experten die Zahl des Dunklen Tigerpythons (Python molurus bivittatus) im Everglades-Nationalpark auf mehr als 10'000 Exemplare. Eine vom Staat Florida ausgerichtete einmonatige Jagd auf die Tiere erbrachte 2013 jedoch nur wenige Dutzend erlegte Schlangen.

Waschbären dezimiert

Bei einer intensiven Tierzählung im Nationalpark, deren Ergebnis 2012 veröffentlicht wurde, kamen Wissenschaftler auf erschreckende Zahlen: Im Vergleich zur Mitte der 1990er-Jahre seien 99 Prozent der Waschbären und Opossums sowie 88 Prozent der heimischen Rotluchse verschwunden.

Zwar galten die Tigerpythons, die durch das versehentliche oder absichtliche Freilassen privat gehaltener Tiere in die Everglades gelangten, schon damals als Hauptursache für den Rückgang. Doch die Belege seien nur indirekt gewesen, schreiben McCleery und Kollegen.

Kaninchen als Lockvogel

Deshalb setzten die Forscher auf ein Experiment: Sie fingen Marschkaninchen (Sylvilagus palustris) in Gebieten ohne Pythons und versahen sie mit einem Sensor, der per Funk ihren Tod anzeigte. Dann setzten sie sie im Everglades-Nationalpark aus. Anhand von Hasenkötteln stellten McCleery und Kollegen fest, dass die Kaninchen den Lebensraum annahmen und sich vermehrten. Doch nach nicht einmal einem Jahr waren 22 von 26 ausgesetzten Kaninchen tot.

Beim gemeldeten Tod eines Kaninchens orteten die Wissenschaftler dieses per GPS und sahen sich die Überreste an: Daraus konnten sie ablesen, ob Raubtiere oder Vögel das Kaninchen getötet hatten. Reptilien hingegen verschlingen Kaninchen mit Haut und Haaren. Durch weitere Todesumstände unterschieden die Forscher, ob der Fressfeind ein Alligator, eine Klapperschlange oder ein Tigerpython gewesen war.

Während im Everglades-Nationalpark 17 der 22 getöteten Kaninchen Opfer eines Tigerpythons wurden, war es in einem Kontrollgebiet in der Nähe der Everglades kein einziges. Stattdessen waren die Jäger dort zu 71 Prozent andere Säugetiere.

Lange ohne Nahrung

McCleery und Kollegen halten es für unwahrscheinlich, dass Säugetiere sich wieder in den Everglades vermehren werden, solange die asiatische Würgeschlange dort jagt: «Denn Pythons sind fähig, in einer Umgebung zu bestehen, indem sie sich auf andere Beutetiere umstellen und lange Zeit ohne Nahrung auskommen können.» Kann überhaupt verhindert werden, dass der Tigerpython überlebt und sich sogar weiter im Süden der USA ausbreitet? Gordon Rodda von der US-Behörde für Geologie ist da skeptisch: «Es gibt kein Beispiel dafür, dass eine nicht einheimische Art wie der Tigerpython von Menschenhand ausgerottet werden konnte», sagte er bereits 2012. (fee/sda)

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