Aktualisiert 04.08.2004 10:36

Quälte die Folterhexe England aus Spass?

Die 21-jährige Lynndie England ist am Dienstag vor einem US-Militärgericht angehört worden. Sie und andere US-Soldaten folterten und misshandelten irakische Gefangene im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad nach den Worten eines Ermittlers aus Spass.

«Im Grunde war es so zum Spass und um Dampf abzulassen», sagte Offizier Paul Arthur, der die Ermittlungen zu den Misshandlungen in Abu Ghraib leitet, zu Beginn der Anhörung der in den Skandal verwickelten Soldatin England.

Sonderermittler Warren Worth sagte aus, es gebe keine Hinweise darauf, dass es Befehle von Militärs höheren Rangs zum Foltern gegeben habe.

Das Militärgericht in Fort Bragg soll entscheiden, ob die schwangere Soldatin und sechs weitere US-Soldaten offiziell angeklagt werden. Im Falle einer Verurteilung drohen den Soldaten unehrenhafte Entlassungen aus der Armee und bis zu 38 Jahre Haft.

Vom Vorgesetzten aufgefordert?

Arthur war der erste, der sich in der Anhörung äusserte. Ihm zufolge sagte England im Januar unter Eid aus, ihr Vorgesetzter Charles Graner habe sie unter anderem zum Posieren für das weltweit bekannt gewordene Foto aufgefordert, auf dem die 21-Jährige einen nackten irakischen Gefangenen an einer Hundeleine hält.

US-Medienberichten zufolge soll Graner auch der Vater von Englands Kind sein.

Englands Anhörung war schon zwei Mal verschoben worden. Am Dienstag erschien sie in Uniform, schwarzen Stiefeln und mit Barett vor dem Gerichtsgebäude. Flankiert von ihren Anwälten ging sie kommentarlos an den Dutzenden Reporter-Teams vor dem Gebäude vorbei, direkt in den holzgetäfelten Gerichtssaal, in dem sie aussagen musste.

Auf Fragen der Militärrichterin Denise Arm antwortete sie militärisch-zackig mit «Ja, Ma'am» und «Nein, Ma'am».

Entsetzen rund um die Welt

Die Fotos aus dem Gefängnis hatten in der ganzen Welt Entsetzen ausgelöst und die US-Regierung in Bedrängnis gebracht. England, die nach Meinung ihrer Anwälte zum weltweiten Sinnbild der verfehlten US-Irak-Politik geworden ist, drohen unter anderem Anklagen wegen Misshandlung von Gefangenen, Körperverletzung, sexuellen Missbrauchs und Besitz pornografischen Materials.

England hatte schon früher erklärt, sie habe auch in den auf Fotos festgehaltenen Szenen nur die Befehle ihrer Vorgesetzen ausgeführt. US-Präsident George W. Bush hingegen hatte den Soldaten die alleinige Schuld an dem Folter-Skandal gegeben. Auch das Verteidigungsministerium hatte verneint, Anweisungen zu den Misshandlungen gegeben zu haben.

Sonderermittler Worth sagte vor dem Militärgericht aus, er habe keine Hinweise darauf gefunden, dass solche Befehle aus der Befehlskette oberhalb des Ranges Garners oder des Offiziers Ivan Frederick, gegen den auch ermittelt wird, gekommen seien. «Wenn wir von ranghöheren Personen sprechen... Ich hatte keinen Hinweis darauf, dass jemand davon wusste.»

Ohne Cheney und Rumsfeld

Die Anwälte Englands dürfen während der Anhörung selbst Zeugen aufrufen lassen. Ihre Anfrage, US-Vizepräsident Richard Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in den Zeugenstand zu rufen, seien allerdings abgelehnt worden, sagten sie.

Die Fotos, die grinsende Soldaten und nackte Gefangene in demütigenden Positionen gezeigt hatten, waren im vergangenen Frühjahr aufgetaucht. (sda)

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