Aktualisiert

Überhöhte WerteQualität der Luft ist in Rio mieser als die des Wassers

Das Problem der Wasserverschmutzung an den Olympischen Spielen in Rio ist nicht neu. Doch was in der Luft schwebe, sei noch viel schlimmer.

von
dmo
1 / 3
Zur schlechten Wasserqualität am Zuckerhut kommt jetzt auch noch eine hohe Feinstaubbelastung der Luft.

Zur schlechten Wasserqualität am Zuckerhut kommt jetzt auch noch eine hohe Feinstaubbelastung der Luft.

AP/Renata Brito
Sich einmal einfach setzen, die Seele baumeln lassen und tief durchatmen?

Sich einmal einfach setzen, die Seele baumeln lassen und tief durchatmen?

/Mario Tama
Nicht wirklich ratsam, wenn man sich zurzeit in Rio aufhält.

Nicht wirklich ratsam, wenn man sich zurzeit in Rio aufhält.

AFP/Vanderlei Almeida

Dass das Wasser in der Guanabara-Bucht in Rio, wo die olympischen Segelwettbewerbe stattfinden, katastrophale Werte aufweist, ist längst bekannt. Die Organisatoren gaben kurz vor dem Start der Spiele jedoch Entwarnung. «Es gibt kritische Stellen, die allen bekannt sind. Aber dennoch entspricht das Wasser in den Gebieten, wo die olympischen Strecken abgesteckt werden, nationalen und internationalen Normen», heisst es. Valerie Harwood, Vorsitzende des Biologie-Departements der Universität Südflorida, riet Badenden dennoch, den Kopf nicht unter Wasser zu halten. Ratsam wäre es auch, während des Aufenthalts in der Millionenmetropole nicht zu atmen.

Denn die Luftqualität ist noch mieser als die des Wassers – nur wurde darüber bislang nicht gross geredet oder geschrieben. Bei seiner Bewerbung für die Olympischen Spiel gab Rio de Janeiro damals an, dass sich die Luftwerte innerhalb der Richtlinien der WHO bewegen. Das sei schlicht falsch gewesen, als Rio 2009 die Spiele erhielt, wie Independant.co.uk berichtet.

Mehr Tote als durch Morde

Die Stadt am Fusse des Zuckerhuts hat über Jahre die Grenzwerte der Feinstaubbelastung überschritten. Den grössten Teil zur Verschmutzung tragen die gut 2,7 Millionen Fahrzeuge bei, die jeden Tag über die Strassen rattern und mit ihren Abgasen mitverantwortlich sind für jährlich Tausende von Toten. Wie die Daten von Inea, dem Institut, welches den Zustand der Umwelt erforscht, zeigen, sind die entsprechenden Werte seit 2008 konstant zu hoch. Die Zahlen sind nach einigen Expertenmeinungen jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da viele Messstationen von privaten Unternehmen betrieben werden, wobei es auch um die Vergabe von Umweltgenehmigungen gehe.

Paulo Saldiva, Pathologe an der Universität von São Paulo, berechnete nach der Methode der WHO, dass 2014 in Rio 5400 Menschen aufgrund der hohen Luftverschmutzung gestorben sind. Zum Vergleich: Die Zahl der Morde lag im vergangenen Jahr bei 3117. Es bleibt natürlich festzuhalten, dass sich die Luftqualität je nach Wetterlage ändert. Regen hat einen temporär säubernden Effekt. Nur dürfte es von diesem in nächster Zeit nicht all zu viel geben. Rio befindet sich in der Trockenperiode.

Welcher Sportler hat bei all dem verschmutzten Wasser und der mit Feinstaub gesättigten Luft am wenigsten zu befürchten? Wohl ein Apnoetaucher, der seine Leidenschaft ohne Wasserkontakt an Land praktiziert.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.