Mord von Boppelsen ZH – Prozess im Liveticker

Mordprozess vor Zürcher Gericht«Thomas K. ist ein skrupelloser und grausamer Serienmörder»

Ein Berner Ehepaar ist zusammen mit einem Komplizen des Mordes beschuldigt. Sie sollen 2016 zwei Männer getötet haben. Am Dienstag startet der Prozess am Zürcher Obergericht.

von
Lynn Sachs

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Dienstag, 08.06.2021

Urteil

Der Prozess geht am Mittwoch weiter. Das Urteil wird am 22. Juni erwartet.

Zusammenfassung

Am ersten Prozesstag am Zürcher Obergericht wurden die drei Beschuldigten zur Tötung an einem 25-jährigen Serben sowie zur Tötung an einem 36-jährigen Lastwagenbesitzer befragt. Der Hauptbeschuldigte Thomas K. zeigte sich in beiden Fällen geständig. Das 25-jährige Opfer habe er nicht freiwillig getötet, sagt der Beschuldigte. Er habe ihn im Auftrag «serbischer Geschäftsleute» mit Klebeband erstickt. Auf dieselbe Weise soll K. wenige Wochen später den 36-jährigen Lastwagenbesitzer ermordet haben. Um Geld zu beschaffen, habe K. den Lastwagen entwenden und ihn verkaufen wollen, sagt der 31-Jährige. Die Beschuldigten Corine K. und Markus N. wollten zu den Taten keine weiteren Aussagen machen. Die Staatsanwältin fordert für alle drei Beschuldigten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Für Thomas K. verlangt Corinne Kauf zudem eine Verwahrung. Der Beschuldigte habe während des Strafverfahrens wenig Reue gezeigt. Er sei «ein skrupelloser und grausamer Serienmörder» und die Bevölkerung müsse vor ihm geschützt werden.

Für Markus N. fordert die Staatsanwältin eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und verlangt den Beschuldigten des Mordes in Mittäterschaft schuldig zu sprechen.

N. sei als Mittäter im Mord an dem 36-jährigen Lastwagenbesitzer zu qualifizieren, sagt die Staatsanwältin. Er sei in die Tatplanung involviert gewesen und habe gewusst, dass die Möglichkeit bestehe, dass das Opfer getötet würde. Wie die Staatsanwältin argumentiert, hätte Thomas K. seine Tat ohne die Beteiligung des Beschuldigten nicht begehen können.

Tötung in Kauf genommen

Laut der Staatsanwältin sei Corine K. des Mordes in Mittäterschaft, des qualifizierten Raubes, sowie der Störung des Totenfriendens schuldig zu sprechen. Die Staatsanwältin fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe für ihre Mittäterschaft am Mord des 36-jährigen Lastwagenbesitzer. Das Urteil des Bezirksgericht Bülach sei zu befolgen, so Kauf.

Im Bezug auf den Mordfall an dem 36-jährigen Lastwagenbesitzer sagt die Staatsanwältin, dass es wahrscheinlich sei, dass die Beschuldigte über die Entführung und Fesselung des Opfers Bescheid gewusst habe. Zudem hätte die 31-Jährige die Tötung des Opfers in Kauf genommen. Corine K. habe nach der Tötung des 25-Jährigen Serben gewusst, dass ihr Ehemann in der Lage sei, jemanden zu ermorden, so die Staatsanwältin.

Das Bezirksgericht Bülach sprach die Beschuldigte der Gehilfenschaft zum Mord schuldig. Die Staatsanwältin fordert einen Schuldspruch der Mittäterschaft. «Die Straftat konnte nur unter Beteiligung aller Beschuldigten durchgeführt werden.» Auch wenn die 31-Jährige das Opfer nicht selbst getötet habe, habe sie mit ihrem Handeln ihrem Ehemann dabei geholfen.

Plädoyer der Staatsanwältin

Die Staatsanwältin Corinne Kauf verlangt für Thomas K. eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und fordert die Verwahrung des Beschuldigten.

Das Bezirksgericht Bülach habe von einer Verwahrung abgesehen. «Das war ein Fehler», so die Staatsanwältin. Thomas K. habe in kürzester Zeit zwei Morde begangen. Hätte der Beschuldigte beim ersten Mord Reue verspürt, so argumentiert die Staatsanwältin, dann hätte er den zweiten Mord einer ihm unbekannten Person nicht begangen. «Thomas K. ist ein skrupelloser und grausamer Serienmörder und die Bevölkerung muss vor ihm geschützt werden.»

Laut der Staatsanwältin käme für Thomas K. nur eine lebenslängliche Freiheitsstrafe in Frage. Das Tatverschulden von K. müsse als schwer bezeichnet werden. Deshalb wäre auch bei einem Mord von einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu sprechen, so Kauf.

Corine K. weist die neuen Vorwürfe zurück

Am Nachmittag wird als erstes Corine K. befragt. Die Beschuldigte bestreitet eine Beteiligung an der Tötung des 36-jährigen Lastwagenbesitzers. «Im Rahmen einer freiwilligen Therapie setze ich mich mit meiner Vergangenheit und den Delikten auseinander. Ich stehe dazu was ich gemacht habe.» Die neuen Vorwürfe, die im Verlauf des Morgens gemacht wurden, weise sie zurück. Weitere Aussagen möchte K. nicht machen.

Auch Markus N. macht Gebrauch seines Aussageverweigerungsrecht.

Zusammenfassung

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Beschuldigten haben gegen das Urteil des Bezirksgericht Bülach von 2019 Berufung eingelegt. Deshalb wird der Fall nun am Obergericht behandelt. Am Morgen des ersten Verhandlungstags wurde der Hauptbeschuldigte Thomas K. zum Mord an dem 25-jährigen Serben sowie zum Mord an dem 36-jährigen Lastwagenbesitzer befragt.

Wie der 31-Jährige sagt, sei er zur Tötung an dem 25-jährigen Serben von einer Gruppe «serbischer Geschäftsleute» gezwungen worden. Er habe bei der Gruppe Schulden gehabt. K. habe dem 25-Jährigen mit Klebeband die Atemwege zugeklebt. Auf dieselbe Weise habe der Beschuldigte den 36-jährigen Lastwagenbesitzer ermordet. Er habe seinen Lastwagen entwenden und diesen anschliessend verkaufen wollen.

Nun gibt es eine Mittagspause. Die Verhandlung wird um 14.15 Uhr fortgeführt.

«Als ich erfahren habe, dass das Opfer gefunden wurde, war ich erleichtert»

Als nächstes befragt das Gericht Thomas K. zum Mord am 36-jährigen Lastwagenbesitzer.

Wie der 31-Jährige sagt, wollte er den Lastwagen des Opfers klauen und ihn anschliessend verkaufen. Er hätte damit Geld beschaffen wollen. Bereits im Vornherein sei mit seiner Ehefrau und Markus N. abgemacht gewesen, dass man das Opfer überwältige. «Der weitere Verlauf, war nicht klar geplant.»

K. gesteht, dass er dem Opfer die Atemwege mit Klebeband zuklebte. Auf die Frage des Richters, ob er dabei zuschaute, wie sein Opfer erstickte, sagte der 31-Jährige: «Nein, ich ging weg.»

Später habe er zusammen mit Corine K. das Opfer von einem Anhänger in ein Auto geladen und sei in Richtung Zürich gefahren, so K. «Das Ziel, wohin ich fahren würde, war noch unklar.» Der Beschuldigte habe die Leiche in einem Waldstück in Boppelsen in der Nähe einer Strasse hinterlassen. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob er wollte, dass die Leiche schnell gefunden werde, sagt K.: «Das kann ich nicht sagen. Als ich jedoch erfahren habe, dass das Opfer gefunden wurde, war ich erleichtert.»

«Ich habe ihn nicht freiwillig getötet»

Zuerst wird der Mord an dem 25-jährigen Serben behandelt. Thomas K. ist geständig. Er sei mit dem Opfer in die Schule gegangen und machte später Geschäfte mit ihm. «Wir hatten immer wieder Reibereien wegen Geld.»

Zur Tat sagt K., dass er den 25-Jährigen im Auftrag einer Gruppe «serbischer Geschäftsleute» festgehalten und getötet habe. Mit der Gruppe habe sich K. am Tattag hinter dem Haus getroffen. Die Serben hätten von ihm verlangt, dass er das Opfer mit dem Klebeband erstickt. «Ich habe ihn nicht freiwillig getötet.» Wieso die «Geschäftsleute» die Tötung des Opfers forderten, wisse K. nicht. Er habe bei der Gruppe Schulden gehabt.

Nachdem das Opfer tot war, habe der 31-Jährige die Leiche in einen Anhänger gelegt und einen Graben ausgehoben. «Als er tot im Anhänger lag wusste ich nicht, was ich tun sollte», so K. Er habe die Leiche anschliessend zusammen mit seiner Ehefrau in den Graben gelegt. «Ich habe bis anhin die ganze Tat auf mich genommen.» Dies sei jedoch aus Gesundheitsgründen nicht möglich, so K. «Ich dachte, dass wenn ich alles auf mich nähme, dass die anderen, dann schneller entlassen werden würden. Ich habe viel gelogen.» Genauere Angaben macht K. dazu nicht.

Befragung Markus N.

Als nächstes wird Markus N. zu seiner Person befragt. Wie er erzählt, hat er seit 2015 bei K. als Chauffeur gearbeitet. «Ich kenne Thomas seit der Lehre. Zwischenzeitlich trennten sich aber unsere Wege.» Nachdem der 31-Jährige N. über die sozialen Medien kontaktierte, seien sie wieder «Kollegen» geworden. Es habe sich rausgestellt, dass dies ein Fehler war, so N.

Wie N. erzählt, hatte er keine finanziellen Schwierigkeiten. Er und seine Familie konnten von seinem Einkommen und demjenigen seiner Frau leben. Schulden habe er keine gehabt.

«Ich liebe meine Kinder»

Wie der 31-Jährige erzählt, hat er sich 2012 mit einer Firma selbstständig gemacht. Der Geschäftsgang war schlecht. Er sei ebenfalls illegalen Tätigkeiten nachgegangen. «Wir haben Drogen transportiert – Cannabis und anderes.»

«Für was meine Ehefrau alles mitmachen musste mit meiner Gesundheit und anderen Komponenten, ist die Ehe gut gelaufen», sagt K. Der 31-Jährige will ein gemeinsames Sorgerecht für die beiden Kinder. «Ich liebe meine Kinder.» Bis anhin hätten er und Corine K. über das Sorgerecht noch nicht gesprochen.

Seit Oktober 2020 hatte der Beschuldigte keinen Kontakt zu seinen Kindern. Vergangene Woche konnten sie K. erstmals besuchen. «Das Treffen war herzlich und schön. Eine gewisse Entfremdung hat jedoch stattgefunden.» Die Kinder suchen jedoch aktiv den Kontakt zu ihm, so K.

Wie der Gerichtspräsident sagt, hat der 31-Jährige laut einem Gutachten eine narzisstische dissoziale Persönlichkeit. Der Beschuldigte weise eine emotionale Kälte und Distanziertheit auf.

Bezüglich einer möglichen Verwahrung sagt K., dass eine solche nicht gerechtfertigt wäre. «Ich stehe zu meinen Taten und will alles machen, dass mein Leben nie mehr in eine solche Richtung geht.»

Thomas K. trifft im Gericht ein

In der Zwischenzeit ist Thomas K. im Gericht eingetroffen. Der Beschuldigte erzählt, dass er wegen Ohnmacht ins Spital gebracht wurde. Es gehe ihm heute etwas besser. Thomas K. wird sich nun den Fragen des Gerichts stellen.

Befragung von Corine K.

Als erstes wird Corine K. einvernommen. Sie befindet sich zurzeit im vorzeitigen Strafvollzug. Im Justizvollzug habe sie sich gut eingelebt. Sie werde alle zwei Monate von ihren zwei Kindern besucht.

«Am Anfang waren wir ein Herz und eine Seele», sagt K. zur Beziehung zu ihrem Ehemann Thomas K. Später hatte das Paar jedoch finanzielle Probleme und Schulden. «Wir hatten immer wieder Streitereien. Dabei ging es vor allem um Geld.» Wie K. sagt, sei sie finanziell von ihrem Mann abhängig. Nach der Verhaftung hat Corine K. die Scheidung eingereicht. Diese sei bis heute hängig.

Wie Corine K. sagt, hofft sie, dass das Urteil bald rechtskräftig wird, sodass sie für die Zukunft planen könne. Sie möchte die Beziehung zu ihren Kindern aufrechterhalten und weiter ausbauen.

Rückweisung abgelehnt

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Eine Rückweisung wird vom Gericht abgelehnt.

Der Anwalt von Markus N. argumentiert in einem Plädoyer, dass der Beschuldigte nur im Fall des Mordes an dem 36-Jährigen Lastwagenbesitzer verfolgt und verurteilt werden könne. Das weil er in Deutschland verhaftet wurde und nur einer Auslieferung bezüglich dem Mord an dem 36-Jährigen eingewilligt habe. Dabei habe er nicht auf das Spezialitätsprinzip verzichtet.

Laut der Staatsanwältin ist jedoch alles rechtskonform und korrekt abgelaufen ist. Der Anwalt von Thomas K. schliesst sich dem Antrag des Anwalts von N. an.

Das Gericht weist den Antrag ab. Der Gerichtspräsident bemerkt, dass es als rechtsmissbräuchlich erscheint, dass man sich erst im Berufungsverfahren auf diese Verletzung beruft.

Thomas K. wurde hospitalisiert

Die Verhandlung ist eröffnet. Da der Hauptbeschuldigte Thomas K. am Samstag hospitalisiert werden musste, wird er erst um 10 Uhr im Gericht eintreffen, informiert der Gerichtspräsident.

Nach nur wenigen Minuten wird die Verhandlung unterbrochen. Grund dafür: Es wird darüber befunden, ob Corine K. und Markus N. im Mordfall des 25-jährigen Serben unschuldig zu sprechen sind.

Montag, 07.06.2021

Prozess vor Obergericht

Am Dienstagmorgen beginnt der Prozess vor dem Zürcher Obergericht. Der Hauptbeschuldigte Thomas K. muss sich des mehrfachen Mordes verantworten. Seiner Ehefrau und dem Komplizen wird in einem Fall Mittäterschaft vorgeworfen. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten auch mehrfachen qualifizierten Raub, mehrfache einfache Körperverletzung, Urkundenfälschung und versuchte Erpressung vor. Der Prozess wurde auf drei Tage angesetzt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Beschuldigten haben das Urteil des Bezirksgericht weitergezogen.

Verwahrung gefordert

Thomas K. sagte vor dem Bezirksgericht, dass er den Serben auf Druck der Serbenmafia töten musste. Im zweiten Fall habe er es getan, weil er der Serbenmafia Geld schuldete. Die beiden Mitbeschuldigten gaben an, dass sie nichts von den Tötungsabsichten von Thomas K. gewusst hätten.

Unter anderem wegen Mord beziehungsweise Mittäterschaft, Entführung und Raub fordert Staatsanwältin Corinne Kauf für alle drei Beschuldigten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Für Thomas K. beantragt sie zudem eine Verwahrung.

Anklage

Im Juni 2016 wurde die Leiche eines 36-Jährigen im Wald bei Boppelsen entdeckt. Die Spur führte zu Thomas K.*, seiner Frau Corine* und einem Garagisten* aus dem Kanton Solothurn. Unter dem Vorwand, dass sie dem 36-Jährigen einen Lastwagen abkaufen, entführten sie ihn während der Probefahrt, fesselten und verprügelten ihn und zwangen das Opfer, einen Kaufvertrag zu unterschreiben. Schliesslich klebte Thomas K. ihm Klebeband über die Nase und liess ihn ersticken.

Wenige Wochen zuvor hatte Thomas K. auf die gleiche Weise einen 25-jährigen Serben aus der Region Bern getötet. Mit dem Serben war das Ehepaar K. in Drogengeschäfte verwickelt. Er soll ihnen Geld geschuldet haben. Um diese Schuld einzutreiben, spielte der Solothurner Garagist den Lockvogel. Nach der Tat begrub Thomas K. das Opfer mit einem Bagger im Garten der Familie K. in Utzigen BE.

Mordfall Boppelsen

Ein junges Ehepaar und ein Bekannter sollen im April und Juni 2016 zwei Männer getötet haben. Laut der Anklageschrift wurden die beiden Opfer «bei vollem Bewusstsein langsam und qualvoll erstickt». Der 31-jährige mutmassliche Haupttäter soll die Atemwege der wehrlosen Männer mit Klebeband verschlossen haben, in der Absicht, sie zu töten.