«Kaum zu kontrollieren» - Quarantäne für Geimpfte? Politiker zerzausen Taskforce-Idee
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«Kaum zu kontrollieren»Quarantäne für Geimpfte? Politiker zerzausen Taskforce-Idee

Sollen auch vollständig Geimpfte in Quarantäne müssen, wenn sie aus einem Hochrisikogebiet zurückkehren? Das schlägt die Taskforce vor. Politiker halten davon wenig.

von
Daniel Graf
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Rückkehrer aus Ferienländern könnten für viele eingeschleppte Viren sorgen – auch wenn sie geimpft waren. 

Rückkehrer aus Ferienländern könnten für viele eingeschleppte Viren sorgen – auch wenn sie geimpft waren.

20min/Celia Nogler
Die Taskforce des Bundes schlägt deshalb Anpassungen bei der Quarantäne vor. 

Die Taskforce des Bundes schlägt deshalb Anpassungen bei der Quarantäne vor.

20min/Celia Nogler
So soll geprüft werden, ob nach der Rückkehr aus Ländern, in denen eine besorgniserregende Variante stark zirkuliert, eine Testpflicht eingeführt werden soll. 

So soll geprüft werden, ob nach der Rückkehr aus Ländern, in denen eine besorgniserregende Variante stark zirkuliert, eine Testpflicht eingeführt werden soll.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Die Corona-Taskforce des Bundesrats warnt vor dem Einschleppen von Mutationen und schlägt vor, Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Hochrisikogebieten zum Testen zu verpflichten oder sogar in Quarantäne zu stecken.

  • Der Vorschlag kommt bei Politikern nicht gut an.

  • Sie haben andere Ideen: etwa mehr Geld für Impfungen in anderen Ländern oder Quarantäne-Hotels.

Die wissenschaftliche Corona-Taskforce des Bundesrats schlägt in einem Paper neue Massnahmen vor, um das Einschleppen von Virus-Varianten in die Schweiz zu bremsen. Unter anderem sollen die Risikoländer neu beurteilt werden.

Länder, in denen besorgniserregende Varianten (siehe unten) kursieren, würden neu violett gekennzeichnet. Die Taskforce zieht in Erwägung, dass vollständig geimpfte Personen, die aus diesen Ländern zurückkehren, in Quarantäne müssen. Auch eine Testpflicht schlägt sie vor.

Laut BAG sieht die derzeitige Verordnung eine Quarantänepflicht für Geimpfte nur dann vor, wenn in dem Land eine Variante zirkuliert, welche sich der Impfung entzieht. «Derzeit gibt es keine solche Variante, daher ist diese Liste leer», sagt Mediensprecher Daniel Dauwalder.

«Müssen neue Herde mit weltweiten Impfungen verhindern»

GLP-Nationalrat Jörg Mäder steht einer Quarantäne-Pflicht für Geimpfte kritisch gegenüber: «Für die Delta-Variante ist es eh schon zu spät. Und auch bei neuen Varianten wäre die Kontrolle dieser Quarantäne-Massnahmen extrem schwierig.» Die Leute könnten laut Mäder einfach nach Deutschland fliegen und von da mit dem Zug oder dem Taxi in die Schweiz fahren. «Mehr als Stichproben könnte man wohl kaum kontrollieren.»

Stand jetzt wäre für Mäder eine dringende Warnung, dass man gar nicht erst in diese Länder reisen soll, zweckmässiger. Sollte tatsächlich eine Variante auftauchen, die viel gefährlicher wäre oder bei der die Impfung kaum mehr wirken würde, bräuchte es laut Mäder dann wieder drastischere Massnahmen: «Dann müsste an den Grenzen trigoros kontrolliert werden und alle Ankommenden aus diesen Ländern müssten in Hotels unter Quarantäne gestellt werden.»

Mäder hält einen anderen Ansatz für vielversprechender: «Wir sollten dafür sorgen, dass solche Hotspots weniger werden anstatt das Problem vor uns her zu treiben. Das funktioniert nur, indem wir Impfkampagnen weltweit vorantreiben.» Für Mäder könnten sich das sowohl der Staat, als auch die Reisenden etwas kosten lassen: «Ferienreisende müssten eine Abgabe bezahlen, mit der Impfstoffe für das Land, in dem sie Ferien machen, gekauft werden», schlägt Mäder vor.

«Zentral ist, wie man sich in den Ferien verhält»

Mäders Parteikollege Martin Bäumle rät Ferienrückkehrerinnen und Ferienrückkehrern generell, vier bis fünf Tage vorsichtig zu sein und Kontakte so gut wie möglich zu reduzieren. «Nur so kann man relativ sicher sein, dass man aus den Ferien andere nicht ansteckt – insbesondere, weil viele in den Ferien wohl eher zu unvorsichtigem Verhalten tendieren.»

Zentral sei weniger, wohin man gereist sei, sondern wie man sich dort verhalten habe, sagt Bäumle: «Eine Quarantänepflicht für Geimpfte aus Risikogebieten macht für mich wenig Sinn. Doch es müsste klar kommuniziert werden, dass man diese Gebiete meiden solle und sich auch einige Tage nach der Rückkehr aus einem Nicht-Risikoland testen lassen solle.»

«Testpflicht wäre angebracht»

Für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess wäre eine Testpflicht denkbar: «Das Einschleppen von Varianten wird künftig eine der grössten Gefahren sein. Am Beispiel Israel sieht man, dass auch vollständig Geimpfte das Virus weiterverbreiten können.» Rückkehrer aus Gebieten, wo die Chance gross ist, dass man sich mit einer besorgniserregenden Variante angesteckt hat, sollten zumindest einen Test bei der Einreise machen, findet Hess.

Auch eine fünftägige Quarantäne aufgrund der Inkubationszeit wäre laut Hess grundsätzlich sinnvoll. «Da sehe ich einfach das Problem, dass ständig wechselnde Massnahmen von den Menschen irgendwann nicht mehr verstanden und akzeptiert werden. Deshalb wäre eine blosse Testpflicht derzeit wohl angebracht.»

Besorgniserregende Varianten

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet die Entwicklung des SARS-CoV-2-Virus seit Januar 2020. Ende 2020 habe das Auftreten von Varianten, die ein erhöhtes Risiko für die globale Gesundheit darstellten, die WHO veranlasst, in sogenannte «Variants of Interest» und «Variants of Concern» zu unterscheiden. So sollen Prioritäten für die globale Überwachung und Forschung gesetzt werden. Als VOI gelten derzeit die Eta-, Iota-, Kappa- und Lambda-Variante. Zu den VOC zählen Alpha, Beta, Gamma und Delta.

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