Quarantäne-Liste: Quarantänepflicht für neue Risikoländer gilt rückwirkend
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Quarantäne-ListeQuarantänepflicht für neue Risikoländer gilt rückwirkend

Wer in den letzten zwei Wochen aus Ländern wie Bosnien oder Mexiko zurückgekehrt ist, muss allenfalls in Quarantäne. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktualisierten Risikoliste.

von
Daniel Krähenbühl
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Auf der aktualisierten Liste der Corona-Risikoländer befindet sich auch Bosnien und Herzegowina. Im Bild: Die Hauptstadt Sarajevo.

Auf der aktualisierten Liste der Corona-Risikoländer befindet sich auch Bosnien und Herzegowina. Im Bild: Die Hauptstadt Sarajevo.

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Aber auch Costa Rica…

Aber auch Costa Rica…

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…und Mexiko sind neu auf der Liste zu finden.

…und Mexiko sind neu auf der Liste zu finden.

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Darum gehts

  • Der Bund hat die Liste mit den Corona-Risikoländern aktualisiert.
  • Neu stehen 42 Länder auf der Liste.
  • Die Quarantänepflicht gilt rückwirkend: Wer also bereits vor Tagen aus Costa Rica, Bosnien oder Mexiko zurückgekehrt ist, muss allenfalls trotzdem in Quarantäne.
  • Die Quarantänepflicht werde individuell beurteilt, so Stefan Kuster vom BAG.

Die Schweiz hat ihre Liste mit Corona-Risikoländern angepasst. Zur Liste mit 29 Ländern sind 15 dazugekommen. Schweden und Weissrussland wurden hingegen von der Liste gestrichen. Die aktualisierte Liste gilt ab Donnerstag. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Aktualisierung:

Welche Länder stehen auf der BAG-Liste der Risikoländer?

Eine Übersicht der Länder finden Sie hier.

Wie oft wird die Liste in Zukunft aktualisiert?

Laut Stefan Kuster vom BAG soll die Liste mindestens einmal im Monat aktualisiert werden. Wenn es die Situation erfordere, könne eine Aktualisierung auch kurzfristiger vorgenommen werden. «Man muss sich darauf einstellen, dass sich die Liste kurzfristig ändern kann.»

Wieso wurde Schweden von der Quarantäneliste gestrichen?

Ausschlaggebend für die Liste sei die epidemiologische Lage, sagte Stefan Kuster während der heutigen Medienkonferenz. Die Fallzahlen in Schweden seien mittlerweile so weit zurückgegangen, dass das Land von der Liste gestrichen werden konnte. Umgekehrt bedeute dies, dass Länder mit steigenden Fallzahlen schnell auf der Liste landen könnten. «Wir wissen nicht, ob übermorgen ein anderes Land auf der Liste steht», sagt Kuster. Die Fallzahlen würden etwa in Spanien wieder steigen. Wie es dort in zwei Wochen aussehe, könne niemand sagen.

Nach welchen Kriterien wird die Liste der Staaten oder Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko erstellt?

Ein erhöhtes Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus liegt vor, wenn es in einem Land über die letzten 14 Tage mehr als 60 Infektionen pro 100’000 Einwohner gab oder die Risikolage in einem Land nicht abgeschätzt werden kann.

Muss ich in Quarantäne, wenn ich mich in einem Land aufhalte, das bei meiner Abreise noch nicht auf der Risikoliste des Bundes stand – wie jetzt etwa Mexiko?

Ja, auch dann müssen Sie sich für 10 Tage in Quarantäne begeben.

Und was ist, wenn ich bereits vor zwei Tagen aus Bosnien – oder einem anderen Land, das neu auf der Quarantäneliste steht– zurückgekehrt bin?

Auch dann müssen Sie sich beim Kanton melden. Laut Stefan Kuster gilt die Quarantäneliste auch rückwirkend. «Die Verordnung sagt, dass man zurückblickt.» Wer in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet war, müsse sich nach der Rückkehr melden. Dann werde die Quarantänepflicht individuell beurteilt.

Erhalte ich eine Entschädigung, wenn ich meine Reise nach Schweden jetzt abgesagt habe, weil das Land auf der Quarantäneliste stand?

Nein. «Es ist, wie es ist», sagt Stefan Kuster dazu. Das Virus bestimme das Tempo – und damit auch, welches Land auf die Liste komme. Die Situation könne sich übermorgen schon wieder ändern, so Kuster. «Wenn man in die Ferien geht, muss man sich bewusst sein, dass es schiefgehen kann.»

Haben unter Quarantäne gestellte Personen Anspruch auf eine Erwerbsersatzentschädigung?

Das kommt auf den Fall an. Bei Quarantäne im Bereich des internationalen Personenverkehrs besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Entschädigung. In gewissen Fällen ist es jedoch möglich, dass ein Arbeitgeber, der einen Arbeitnehmer in ein Risikogebiet entsendet, den Lohn fortzahlen muss.

Zwingende persönliche Gründe könnten die Reise allenfalls ebenfalls rechtfertigen (Besuch eines sterbenden Angehörigen). Wenn die Arbeit von zu Hause aus erledigt werden kann und der Arbeitgeber die gesamte notwendige Infrastruktur für das Homeoffice zur Verfügung stellt, liegt keine Arbeitsverhinderung vor.

Wird die Einhaltung der Quarantäne überwacht?

Zu Beginn der Quarantäne muss jede Person innerhalb von zwei Tagen der zuständigen kantonalen Behörde die Einreise melden und die Anweisungen dieser Behörde befolgen. Die kantonalen Behörden sind für die Einhaltung der Quarantänemassnahmen zuständig. Die Behörden sind aber auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen, wie Kuster sagt: «Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Bevölkerung mitmacht.» Derzeit sind 6000 Rückkehrende aus Risikoländern in Quarantäne.

Wer sich einer Quarantäne entzieht, kann gemäss Epidemiengesetz mit einer Busse von maximal 10’000 Franken bestraft werden, bei Fahrlässigkeit mit einer Busse bis zu 5000 Franken.

Sollte man jetzt noch überhaupt Ferien im Ausland buchen?

Das liegt in Ihrer Eigenverantwortung. Ob ein Land auf der Liste steht, erfahren Sie womöglich erst kurz vor der Abreise. Eine Planungssicherheit gibt es in diesem Sinne nicht. Am besten buchen Sie kurzfristig oder schliessen eine Reiseversicherung ab.

Wie die Einreise aus Risikoländern abläuft, ob sich auch Kinder unter Quarantäne stellen lassen müssen, und ob man während der Quarantäne einkaufen gehen kann, lesen Sie hier.

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