BAG-Risikoliste: «Quarantäneregel für Rückkehrer ist absurd»
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BAG-Risikoliste«Quarantäneregel für Rückkehrer ist absurd»

Heute landen auch Länder auf der Quarantäneliste des Bundes, wenn sie tiefere Corona-Fallzahlen haben als die Schweiz. FDP-Ständerat Andrea Caroni will die Kriterien der Risikoliste nun ändern.

von
Leo Hurni
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Andrea Caroni fordert eine Anpassung der Risikoliste.

Andrea Caroni fordert eine Anpassung der Risikoliste.

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Länder mit tieferer Inzidenz als die Schweiz sollen wieder als sicher gelten. 

Länder mit tieferer Inzidenz als die Schweiz sollen wieder als sicher gelten.

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Die aktuelle Regelung schade auch dem Tourismus.

Die aktuelle Regelung schade auch dem Tourismus.

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Darum gehts

  • Für Ständerat Andrea Caroni ist die Risikoliste des Bundes überholt.
  • Denn nun sind verschiedene Kantone selbst Risikogebiet.
  • Er fordert deshalb, dass Länder mit tieferer Inzidenz als die Schweiz wieder als sicher gelten.
  • Damit könnten Reisende aus diesen Ländern ohne Quarantäne einreisen.
  • Diese Idee stösst auch auf Kritik.

Die Risikoliste des BAG umfasst mittlerweile 59 Länder. Wer aus diesen in die Schweiz einreist, muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Als Schwellenwert hat der Bund 60 Neuinfektionen pro 100’000 innert zwei Wochen definiert. Doch mittlerweile hat die Schweiz im Durchschnitt bereits selbst diesen Wert überschritten. Für FDP-Ständerat Andrea Caroni ist deshalb klar: Die Quarantäneregeln werden damit «absurd».

Grund für seine Einschätzung ist ein persönliches Erlebnis: «Auf einer Reise nach Genf habe ich gemerkt, dass die aktuellen Bestimmungen absurd sind. Wäre ich in Italien gewesen, hätte ich in Quarantäne gehen müssen, obwohl es in Genf mehr Fälle pro Person gibt als in Italien.»

Die Bestimmungen schaden dem Tourismus

Caroni erwartet deshalb vom Bundesrat, dass dieser die bestehenden Quarantäneregeln sofort ändert. «Die Quarantäne will ja das Zusatzrisiko auffangen, das entsteht, wenn jemand in einem Land mit bedeutend mehr Ansteckungen als in der Schweiz war.» Aktuell bestraft man aber auch Einreisende aus Ländern mit weniger oder gleich vielen Ansteckungen wie die Schweiz. Eine Lösung präsentiert er gleich dazu: «Ein Land muss beträchtlich höhere Fallzahlen als die Schweiz haben, damit eine Quarantäne gerechtfertigt ist.» Mit den jetzigen Quarantänebestimmungen der Schweiz schade man nicht nur Wirtschaft und Tourismus, sondern beschränke vor allem die Freiheit der Menschen geradezu willkürlich.

Auch die ehemalige SP-Nationalrätin Bea Heim hält die aktuellen Bestimmungen für widersprüchlich. Eine klare Lösung für die Einreisebestimmungen sei schwer zu finden, doch «die Bestimmungen muss man hinterfragen». Heim räumt aber ein: «Wir haben Corona-Hotspots in der Schweiz. Deshalb müssen wir uns grundsätzlich überlegen, ob wir unsere Schutzkonzepte nicht noch verstärken müssen.» Dazu würden neben den strengeren Einreisebestimmungen auch eine Verschärfung der Maskenpflicht dazugehören.

Konkret hiesse Caronis Vorschlag in der Praxis: Gemäss einer Auswertung von SRF gibt es momentan zwei Länder mit weniger Fällen als die Schweiz, die aber auch den Grenzwert des Bundes übertreten: Jamaika und Iran. Als Risikoland ist beim Bund jedoch nur Jamaika gelistet. Wer aus diesem Land in die Schweiz reist, muss in Quarantäne, auch wenn es in der Schweiz mehr Fälle pro Person gibt als Jamaika.

«Wir brauchen jetzt Geduld»

Die Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber versteht Caronis Bedenken nur beschränkt. Die aktuellen Massnahmen sollten verhindern, dass die Schweiz einen zweiten Lockdown erlebe. Deshalb sei mit Lockerungen vorsichtig umzugehen. «Wenn es so bleibt, dass gewisse Länder weniger Fälle verzeichnen als die Schweiz, dann muss man diskutieren, ob man die Einreisebedingungen anpasst.» Wenn zusätzlich Schnelltests verfügbar würden, könne man über eine Lockerung der Einreisequarantäne diskutieren, so Prelicz-Huber, die in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit sitzt. Caroni aber rät sie zu «mehr Geduld».

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