Quartierschlepper N.: 24'000.- pro Wochenende
Aktualisiert

Quartierschlepper N.: 24'000.- pro Wochenende

Die Abschlepper-Bande macht in Zürich ein Riesengeschäft mit Falschparkieren auf Privatparkplätzen. Allein im Kreis 5 dürfte sich die Summe der abgenötigten Abschleppgebühren im zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Nebst vielen korrekt arbeitenden Patrouilleuren der Autohilfe Zürich, die liegengebliebenen Autofahrern wertvolle Dienste leisten, hat sich laut zahlreichen Berichten bei der Autohilfe Zürich eine regelrechte Abschlepper-Gang auf das Abzocken von Autohaltern spezialisiert.

Die wollen von Pannenhilfe nichts wissen. Denn weitaus am meisten Geld bringt dabei das Abschleppen von «falsch» auf Privatparkplätzen parkierten Fahrzeugen.

Allein Wochenend-Akkord-Abschlepper N. schleppt laut ehemaligen Mitarbeitern der Autohilfe bis zu 40 Autos ab. Pro Nacht! Anwohner des Hotels Senators, schätzen, dass die Schlepper in einer Schicht von 18 Uhr bis 6 Uhr alleine vom Hotelparkplatz bis zu 15 Autos holen. Die Halter müssen jeweils 400 Franken Gebühren in bar bezahlen, damit sie wieder zu ihrem Fahrzeug kommen.

Ein Insider der Branche hält diese Zahlen für leicht übertrieben. Gerade N. sei schliesslich auch nicht mehr der Jüngste. Der Insider: «Mehr als 25 Autos schafft der nicht mehr.»

25, 30 oder 40 Autos pro Nacht? Die Schätzungen gehen auseinander. Doch ein kleines Zahlenspiel zeigt, um was für finanzielle Dimensionen es sich beim Abschlepper-Skandal von Zürich dreht: Bei durchschnittlichen dreissig Autos pro Nacht und 400 Franken Auslösegebühren fallen allein bei Schlepperkönig N. 12'000 Franken an. An einem Wochenende kommen so schon 24'000 Franken zusammen. So käme N., der laut einer ehemaligen Autohilfe-Mitarbeiterin «schafft wie ein Verrückter» pro Jahr auf etwa 1,2 Millionen Franken - in bar!

Das Rechen-Beispiel für Abschlepper N. soll nur die Dimension zeigen und erhebt keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Doch die angestellte Berechnung deckt sich erstaunlich genau mit der Schätzung eines Ex-Chauffeurs: «Die Autohilfe "wischt" allein im Kreis 5 für 250'000 Franken.» Und bekanntlich ist N. nicht der einzige Wischer. Inzwischen werden fünf Namen von Fahrern der Autohilfe Zürich im Zusammenhang mit dem Skandal genannt.

Übrigens: Bei jedem abgeschleppten Fahrzeug wird die Polizei vom Abschlepper informiert. Die Geprellten müssen ja ihr Auto finden, wenn sie bei der Polizei anrufen. Allein der umtriebige N. dürfte pro Jahr etwa 3000 Abschlepp-Meldungen an die Polizei durchgegeben haben.

Manuel Bühlmann, Hansi Voigt

Abschlepper-Willkür: Haben Sie auch schon ähnliche Erfahrungen beim Hotel Senator oder an anderen Orten gemacht? Mailen Sie uns Ihr Erlebnis an feedback@20minuten.ch

Leser wehren sich

Ermutigt durch die Recherchen von 20minuten.ch formiert sich eine Interessensgruppe von geprellten Autofahrern, die gegen die dreiste Abzockerei rechtliche Schritte einleiten will. Schreiben Sie uns auf feedback@20Minuten.ch, wenn auch Sie etwas unternehmen wollen und wir werden den Kontakt zur Gruppe herstellen.

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