Aktualisiert 07.08.2014 15:31

Unsichtbares Gift

Quecksilber im Meer macht Menschen krank

In den Ozeanen gibt es immer mehr Quecksilber. Das hat Folgen für den Menschen: Durch den Verzehr von Meeresfisch gelangt das Schwermetall in den Körper - und vergiftet ihn.

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Die Menge des Schwermetalls in den Ozeanen hat sich in manchen Regionen mehr als verdreifacht, schreiben Forscher um Carl Lamborg vom Ozeanischen Institut Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts im Fachjournal «Nature».

Das kann schwerwiegende Folgen für den Menschen haben, denn über die Nahrungskette gelangt das Schwermetall in Form von sogenanntem Methylquecksilber in den menschlichen Blutkreislauf (siehe Box). Wenn es über längere Zeit aufgenommen wird, kann es zu einer Quecksilbervergiftung kommen. «Dabei wird vor allem das zentrale Nervensystem geschädigt», sagt Michaela Kozelka, Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Weitreichende Folgen

Die Symptome reichen von Zittern, Erregbarkeit und Wesensveränderungen bis hin zu einer Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses. Bei einer hohen Belastung können auch Krämpfe und Lähmungen auftreten. Besonders anfällig sind Ungeborene und Kleinkinder. Bei ihnen kann sich die geistige Entwicklung verzögern. «In anderen Fällen führte Methylquecksilber auch schon zu Erblindung und Taubheit», so Kozelka weiter.

Weitere Anzeichen können laut Weltgesundheitsorganisation WHO Übelkeit, Durchfall, geschwollenes Zahnfleisch und sich lockernde Zähne sein. Sie empfiehlt, pro Tag nicht mehr als 2,4 Mikrogramm Methylquecksilber zu sich zu nehmen. Für den Körper wurde der Grenzwert auf 50 Mikrogramm pro Liter Blut festgelegt. Die grössten Quecksilber-Quellen sind gemäss BAG Zahnfüllungen und die Meeresfische, die das Schwermetall aus dem Wasser aufnehmen.

Mensch schadet Ozean - und sich selbst

Davon haben die US-Forscher bei ihren Expeditionen im Atlantik, Pazifik sowie in den südlichen und arktischen Ozeanen erhebliche Mengen gefunden. Sie verglichen die Werte mit den Bedingungen, die vor dem Eingreifen des Menschen herrschten.

Demnach wurde der weltweite Quecksilber-Kreislauf vom Menschen dermassen gestört, dass der Gehalt in den sogenannten Sprungschichten ab einem Kilometer Tiefe um geschätzte 150 Prozent angewachsen ist. Sprungschichten sind die Übergangsschichten in Gewässern zwischen relativ warmem Wasser an der Oberfläche und kaltem Tiefenwasser. Im Oberflächenwasser habe sich die Quecksilber-Menge sogar verdreifacht, schreiben die Forscher.

Quecksilber in Fischen

Die Wissenschaftler erhoffen sich von den neuen Daten mehr Erkenntnisse darüber, wie anorganisches Quecksilber in Methylquecksilber umgewandelt wird, in Meerestiere gelangt und sich dort ansammelt.

Bislang basierten die Schätzungen über die Menge des giftigen Schwermetalls in den Meeren grösstenteils auf Modellrechnungen, wie die Wissenschaftler schreiben. Die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt hat mit dem Bergbau und der Nutzung fossiler Brennstoffe erheblich zugenommen.

Derzeit wird das Metall unter anderem für Neonröhren, Energiesparlampen und Batterien verwendet. Der Grossteil des Eintrags in die Umwelt entsteht durch die Produktion von Wärme und Strom aus Kohle, Öl oder Gas sowie durch kleingewerblichen Goldbergbau, heisst es beim deutschen Umweltbundesamt.

(fee/sda)

Drei Varianten Quecksilber

Das Schwermetall kann in drei verschiedenen Formen vorkommen:

elementares Quecksilber zum Beispiel in Sparlampen, Thermometern, aber auch in Zahnfüllungen aus Amalgam.

anorganisches Quecksilber unter anderem in Desinfektionsmitteln.

organisches Quecksilber beispielsweise in Fischen.

Alle drei Varianten sind giftig. Bei letzterer steht vor allem die hohe Toxizität des sogenannten Methylquecksilbers im Vordergrund. Es entsteht bei der Zersetzung von anorganischem Quecksilber durch Mikroorganismen, die sich in Sedimenten und Schwebstoffen in Gewässern befinden. Es reichert sich vornehmlich in Fischen an.

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