Aktualisiert 23.09.2020 10:21

Dopingverdacht bei der TourQuintana äussert sich nach Razzia – «Völlig legale Präparate»

Kurz nach der Tour de France kommen Details zu einer Durchsuchung beim Team Arkéa-Samsic ans Licht. Zwei zuvor Verdächtige sind inzwischen wieder auf freiem Fuss.

Am Sonntag gewann Tadej Pogacar die Tour de France. Diese steht nur einen Tag später in den Schlagzeilen.

Video: SRF

Die Ermittler fanden Injektionsnadeln, Kochsalzlösung und Medikamente, zwei Personen wurden abgeführt. Kurz vor der WM in Imola drohen dem Radsport mit voller Wucht eine neue Glaubwürdigkeitskrise und der nächste Doping-Skandal. Nach einer Razzia beim französischen Team Arkéa-Samsic noch während der Tour de France ermittelt die Staatsanwaltschaft Marseille wegen des Verdachts «der Verabreichung und Verschreibung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode an einen Sportler ohne medizinische Begründung».

Nun hat sich der kolumbianische Teamcaptain Nairo Quintana zu Wort gemeldet. «Die Behörden betraten mein Zimmer und beschlagnahmten völlig legale Vitaminpräparate, obwohl sie den französischen Behörden vielleicht nicht bekannt waren», hiess es in einer Mitteilung Quintanas in den sozialen Medien am Dienstagabend. Dies sei der Hauptgrund, warum es Zeit braucht, um alles, was passiert ist, aufzuklären. Quintana soll am Wochenende bei der Strassenrad-WM in Imola an den Start gehen.

Am Tag der Königsetappe zum Col de la Loze am vergangenen Mittwoch war der französische Rennstall ins Visier geraten. Im Teamhotel in der Nähe des Wintersportorts Méribel wurden Medien zufolge auch Hinweise auf Doping entdeckt. Ein Arzt und ein Betreuer kamen in Polizeigewahrsam, sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuss. Es drohen maximale Strafen von fünf Jahren Haft und Geldbussen von 75’000 Euro. Staatsanwältin Dominique Laurens hatte bereits angekündigt, es seien noch weitere Vernehmungen geplant. Die Staatsanwaltschaft leitete zu Wochenbeginn Vorermittlungen zur Prüfung der Vorwürfe ein.

Quintana bekräftigte, dass er vor der Staatsanwaltschaft erschienen sei und alle Fragen «mit gutem Gewissen» beantwortet habe. Er sei Zeit seines Lebens ein sauberer Fahrer gewesen und habe nichts zu verstecken.

Nairo Quintanas Equipe bestätigt die Doping-Razzia. 

Nairo Quintanas Equipe bestätigt die Doping-Razzia.

Foto: Sebastien Nogie (Keystone)

Nur «eine geringe Zahl von Fahrern» betroffen

Der Verdacht der «Anstiftung zu einer Verwendung einer verbotenen Substanz oder Methode» stehe im Raum, hiess es in einer Erklärung, aus der die Nachrichtenagentur AFP zitiert. Staatsanwältin Dominique Laurens zufolge droht bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von fünf Jahren und eine Geldbusse von 75 000 Euro. Die Staatsanwaltschaft habe Vorermittlungen zur Prüfung der Vorwürfe eingeleitet.

Der Radsport-Weltverband UCI teilte mit, dass er entsprechende Massnahmen ergreifen werde, sobald er die Informationen von den französischen Justizbehörden geprüft habe.

Bester Arkéa-Samsic-Profi bei der Frankreich-Rundfahrt war der Franzose Warren Barguil als 14. des Gesamtklassements. Der frühere Tour-Zweite Quintana kam nur auf den 17. Rang. Beide stehen wie auch weitere Profis des Rennstalls aus der Bretagne im Aufgebot ihrer jeweiligen Länder für die am Donnerstag beginnende Strassenrad-WM im italienischen Imola.

«Natürlich stehen wir hinter unseren Fahrern, aber sollten die Untersuchungen tatsächlich Dopingpraktiken bestätigen, würde sich das Team umgehend von solchen Handlungen distanzieren und ohne abzuwarten die notwendigen Massnahmen ergreifen», sagte Team-Manager Emmanuel Hubert in einer Mitteilung. Man werde in diesem Fall Beziehungen, die das Team mit «inakzeptablen und zu bekämpfenden Methoden» in Verbindung bringen würden, beenden, sagte Hubert. Die Durchsuchung habe aber nur «eine sehr geringe Zahl von Fahrern» und deren direktes Umfeld betroffen. Namen von Fahrern nannte Hubert nicht.

Zuletzt kaum Dopingskandale

Nach den zahlreichen Dopingskandalen der 1990er- und 2000er-Jahre war es zuletzt etwas ruhiger im Radsport. Fakt ist, dass der letzte schwerwiegende Dopingfall bei der Tour (der Luxemburger Fränk Schleck) bereits acht Jahre zurückliegt und die Kontrollen effektiver geworden sind. Die Zeiten, als das französische Nationalheiligtum fast täglich von neuen Skandalen erschüttert wurde, schienen vorbei.

Für den Nürnberger Pharmakologen Fritz Sörgel spielt Doping im Radsport weiter eine grosse Rolle. «Dass da viel Chemie unterwegs ist und dass man im Radsport die Fahrer chemisch bei Laune halten muss, ist klar», sagte der Doping-Experte der Deutschen Presse-Agentur.

Erst am Sonntag, einen Tag vor seinem 22. Geburtstag, hatte der Slowene Tadej Pogacar die Tour de France gewonnen. Schier unglaublich war dabei die Leistung im Bergzeitfahren auf der vorletzten Etappe, als er die gesamte Konkurrenz deklassierte und seinem Landsmann Primoz Roglic das Gelbe Trikot abnahm.

Tadej Pogacar gewann die diesjährige Tour. Gegen ihn liegt noch kein Verdacht vor. 

Tadej Pogacar gewann die diesjährige Tour. Gegen ihn liegt noch kein Verdacht vor.

Foto: Keystone

Kein Verdacht bei Pogacar

Doch bisher gibt es beim neuen Radsport-Superstar Pogacar selbst keine Verdachtsmomente. Doch der Zweifel fährt bei solch einer Dominanz unweigerlich mit. Pogacars Sportlicher Leiter beim UAE-Team, Andrej Hauptman, der Pogacar vor zehn Jahren bei einem Kinderrennen entdeckte, wurde im Jahr 2000 wegen überhöhter Blutwerte aus der Tour ausgeschlossen. Teamchef Mauro Gianetti und Manager Joxean Matxin zogen einst beim Skandal-Team Saunier-Duval die Fäden, beteuerten aber stets ihre Unschuld. Bei der WM zählt Pogacar zu den Favoriten.

(nih/erh/dpa)

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86 Kommentare
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Joe le Taxi

23.09.2020, 01:37

Ganz ehrlich wen überrascht das noch. Andere wichtige Mitteilung an euch Hobbylosen: der Stuhl war heute kräftig und braungebrannt mit Rosenblütenaroma.

Nau

23.09.2020, 00:57

Und bei Fedi geht alles... So läuft es halt.

Roglic

23.09.2020, 00:55

Er hat ja verloren... Keine Cocablätter gehabt. Alles andere ist Hobbyzeugs.