R.E.M.: Ein Wohnzimmer-Gig

Aktualisiert

R.E.M.: Ein Wohnzimmer-Gig

Auch R.E.M. altern. Aber auf hohem
Niveau. In London gab die Band am Mittwoch ein Konzert in kleinstem
Rahmen. 20 Minuten war exklusiv dabei.

von
Claudia Schlup

Im Musikbusiness alt zu werden, ist schwierig. Entweder man mimt das ewige Girlie wie Madonna und droht, dabei peinlich zu werden. Oder man verfällt der gepflegten Langeweile wie Joe Cocker. Die Jahre würdig auf dem Buckel zu tragen, schaffen nur wenige. Dass R.E.M. dazugehören, haben die drei Indie-Ikonen am Mittwoch in London gezeigt, wo sie für iTunes ein Live-Konzert vor 400 Gästen gaben.

Bassist Mike Mills und Gitarrist Peter Buck sind nach der vierjährigen Pause merklich in die Breite gegangen; aus dem einstigen Sexsymbol Michael Stipe

ist dagegen ein dürres Männchen geworden, ein spastischer Derwisch, der viel mehr Platz bräuchte als

die kleine Bühne bietet. Von ihrer Spielfreude und dem kauzigen Charisma eingebüsst haben R.E.M. indes nichts. «Es gibt 13 Songs. Nachher gehen wir Curry essen», ulkt Stipe. Einwürfe aus dem Publikum schmettert er gewitzt, aber bestimmt ab. Mit «Houston», «Hollow Man» oder «I'm Gonna DJ» folgen also Titel vom neuen Album, dazwischen ein paar alte Bekannte wie «Fall on Me» oder «Walk Unafraid». Immerhin darf das Publikum über einen Monsterhit abstimmen, wobei «Man on the Moon» das Rennen gegen «Losing My Religion» macht.

R.E.M. verweigern sich nach wie vor lieber als sich anzubiedern – auch sie altern zwar, aber eben auf hohem Niveau.

Das neue Album

Ab heute steht es im Laden, das 14. Studioalbum von R.E.M. Auf «Accelerate» frönt die amerikanische Band weiterhin kraftvollem Alternative-Rock. Über-Hymnen wie «Losing My Religion» finden sich darauf nicht; dafür Songs wie «Supernatural Superserious», die sich erst nach dem zweiten oder dritten Hören im Ohr festkrallen – dafür aber richtig. Das Konzert iTunes Live From London kann in den nächsten Tagen exklusiv auf iTunes heruntergeladen werden.

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