Aktualisiert 04.02.2004 14:44

Raab soll verhöhnter Frau 70.000 Euro Schadenersatz zahlen

Der Fernsehmoderator Stefan Raab, zwei Produktionsfirmen und der Sender ProSieben sollen an eine junge Frau aus Essen 70.000 Euro Schadenersatz zahlen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Mittwoch entschieden und damit das Urteil der Vorinstanz deutlich verschärft. Das Landgericht Essen hatte der Klägerin bereits bis zu 22.000 Euro Schadenersatz zugesprochen.

Raab hatte in seiner Sendung «TV-Total» in den Jahren 2001 und 2002 mehrfach einen Fernsehausschnitt verwendet, der die damals 16-jährige Klägerin bei der Wahl zur Miss Rhein-Ruhr zeigte. Raab hatte anzügliche Bemerkungen über den Namen seines Opfers gemacht und sie durch Filmmontagen in die Nähe der Pornografie gerückt.

Das Oberlandesgericht erklärte, die Klägerin sei von Raab mehrfach in einer Weise dargestellt worden, die einen schweren Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht darstellte. Satire könne zwar einen beachtlichen Freiraum beanspruchen, dürfe eine Person aber im Kernbereich nicht verletzen. Hier sei es jedoch zu einer schweren Verletzung des Persönlichkeitsrechts gekommen. Dabei sei insbesondere zu berücksichtigen gewesen, dass die Klägerin zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Sendung minderjährig gewesen sei.

Die Entscheidung soll nach dem Willen der Richter generell abschreckend wirken: Generalpräventive Gesichtspunkte seien auch dann zu berücksichtigen, wenn die in ihrer Persönlichkeit verletzte Person nicht prominent sei, erklärte das Oberlandesgericht. Es sei geboten, massive Persönlichkeitsrechtsverletzungen, egal bei wem, zu verhindern.

(Aktenzeichen 3 U 168/03) (dapd)

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