Erfolgsmoderator: Raabs Rubel rollt
Aktualisiert

ErfolgsmoderatorRaabs Rubel rollt

Während Stefan Raab bei «TV total» reihenweise Leute blossstellt, hält er sein eigenes Privatleben strikt geheim. Mit seinen Sendungen kassiert er mächtig ab – auch dank Oli Pocher.

von
Philipp Dahm

Stefan Konrad Raab wollte gar nicht ins Fernsehen, als er 1993 mit seinen 27 Jahren beim Musiksender «Viva» anklopfte: Der Kölner hatte sich drei Jahre zuvor selbstständig gemacht und wollte seine Jingles verkaufen. Der Aufnahmeleiter Marcus Wolter erkannte jedoch sein Talent und holte ihn vor die Kamera. Erst zu «Viva», dann ersann er eine TV-Show, die seine Entdeckung später moderieren sollte – «TV total». Doch schon vor dem Start des Erfolgsformates im März 1999 legte Raab den Grundstein zu einem kleinen Finanz- und Medienimperium.

Da wäre beispielsweise sein Plattenlabel «RARE» (für «Raab Records») und sein «Roof Groove» Musikverlag: Hier vertreibt und verkauft der Kölner unter anderem seine eigene Musik. Seit 1994 hat er diverse Charthits zu verantworten – von «Böörti Böörti Vogts» (mit den Bekloppten) über «Guildo hat euch lieb» (gesungen vom deutschen Grand-Prix-Kandidaten Guildo Horn) bis hin zu «Wadde hadde dudde da?», mit dem er selbst beim Eurovision Song Contest antrat. Eine Auswahl seiner Hits finden Sie in obiger Bildstrecke.

Ob «TV total» oder «Schlag den Raab»: Stefan gewinnt immer

Den Löwenanteil seines Einkommens dürfte Raab allerdings mit seiner Fernsehpräsenz verdienen. Seit 2001 läuft seine Sendung «TV total» statt einmal viermal pro Woche. Die Show wird von «Raab TV» und von der «Brainpool TV GmbH» realisiert. An dem letztgenannten Unternehmen ist der 48-Jährige seit 2007 beteiligt: Damals hielten Raab und drei weitere Teilhaber jeweils 25 Prozent der Firmenanteile. Vor knapp einem Jahr kaufte die französische TV-Firma den vier Männern die Hälfte ihres Besitzes ab und spülte eine Menge Geld in ihre Kassen. «Raab TV» wiederum gehört zur Hälfte ihm und zur anderen Hälfte «Brainpool», an dem Raab noch 12,5 Prozent der Anteile hält.

Und obwohl die Quote von «Tv total» von durchschnittlich 3,21 Millionen Zuschauern pro Sendung im Jahr 2000 auf 870 000 anno 2008 abgerutscht ist, rollt der Rubel dank der Sonderproduktionen weiter. Mit der «Wok-WM», dem «TV Total Turmspringen» oder der «Stock Car Crash Challenge» schafft es Raab immer wieder, auch einen Samstagabend im Fernsehen auszufüllen. Auch der Quotenknüller «Schlag den Raab» wird von «Raab TV» und «Brainpool» realisiert: Selbst wenn Raab seine Show verliert, gewinnt er doch mit schöner Regelmässigkeit ein erträgliches Einkommen (siehe Bildstrecke oben).

Pocher, Pastewka und Co. lassen die Kasse klingeln

Und auch wenn Kollegen wie Oliver Pocher, Mario Barth oder Bastian Pastewka absahnen, kassiert der ProSieben-Entertainer. Diese Künstler haben mit Hilfe von «Brainpool» ihre eigenen Firmen gegründet: «Pocher TV», die «Mario Barth Produktionsgesellschaft GmbH» oder «Glennford Pictures TV Produktion GmbH» gehören zur Hälfte dem jeweiligen Comedian und zu 50 Prozent dem Unternehmen aus Köln-Mülheim. Ausserdem ist «Brainpool» für Produktionen wie «Stromberg», «Dr. Psycho» (mit Christian Ulmen), «Ladykracher» oder «Elton vs. Simon» verantwortlich.

Bei diesen Verdienstmöglichkeiten juckt es den Raab dann auch nicht, wenn er einmal verklagt wird und zahlen muss. Die Anzeigen gegen ihn ziehen sich wie ein roter Faden durch seine TV-Karriere. Insbesondere seit «Tv total», denn das Format lebt von einer gehörigen Portion Gehässigkeit, wenn wie zuvor in den Sendung «Kalkofes Mattscheibe» kuriose Fernsehausschnitte gezeigt werden. Einmal musste der Ukulele-Spieler 5000 Euro Strafe zahlen, weil er einen Mann «schwule Sau» genannt hatte, ein anderes Mal belächelte er die 16-jährige Lisa Loch wegen ihres Nachnamens – und kassierte 70 000 Euro Busse. 20 000 Euro musste Raab einer 28-jährigen Mutter bezahlen, die er wegen der Einschulung ihrer Tochter als «Dealer» betitelte, ein andermal beschwerte sich eine Dame, weil Bilder aus ihrem FKK-Urlaub zu sehen waren.

Der Moderator schirmt sein Leben ab

Vielleicht ist das der Grund, warum der Moderator sein eigenes Privatleben streng unter Verschluss hält. Weder seine Lebensgefährtin noch seine beiden Kinder hat der Metzgersohn je mit zu einem öffentlichen Termin genommen. «Home-Storys» mit Familie Raab oder gar ein Doppel-Interview mit seiner Schwester wird es wohl niemals geben – und wer dennoch ein Bild von seiner Liebsten drucken würde, bekäme postwendend einen Brief vom Anwalt.

Misst der Moderator also mit zweierlei Mass, wenn er sein eigenes Leben gegen die Öffentlichkeit abschirmt, während er ihr andere zum Frass vorwirft? Er selbst bestreitet das: Diejenigen, die er auf die Schippe nimmt, würden selbst ihr Privatleben öffentlich machen, um ins Fernsehen zu kommen, so seine Argumentation.

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