Personenfreizügigkeit: Rabenschwarze Vorurteile gegen Roma
Aktualisiert

PersonenfreizügigkeitRabenschwarze Vorurteile gegen Roma

Die Ressentiments gegen Roma und Sinti sind in der Schweiz weit verbreitet, wie eine Umfrage auf 20 Minuten Online zeigt. Zustimmung und Ablehnung in der Frage der Personenfreizügigkeit halten sich dennoch die Waage.

von
Olaf Kunz

Am 8. Februar wird in der Schweiz über die Personenfreizügigkeit abgestimmt. In der politischen Diskussion wird unverblümt ein massenweiser Zuzug von fahrenden Roma als Problem dargestellt und gegen ein Ja ins Feld geführt. Vor allem die SVP nimmt in ihrer Argumentation kein Blatt vor den Mund. So schreibt Nationalrätin Yvette Estermann aus Kriens (LU) in einem Essay: «Die Frage der Fahrenden und Romas ist in den Ländern Europas nach wie vor ungelöst. Die EU schafft dies nicht und die kleine Schweiz wird diese Frage kaum lösen können.»

Die Nein-Fraktion wirbt mit diebischen schwarzen Vögeln und trifft emotional mitten ins Schwarze der Volksseele. Denn die alte «Zigeunerangst» scheint auch bei jüngeren Teilnehmern der Online-Abstimmung tief verwurzelt: 79 Prozent der User geben an, ein eher negatives Bild der Roma haben. Und knapp über 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer fürchten sich vor einer vermehrten Zuwanderung von Sinti und Roma. Das ist das Ergebnis einer wenig schmeichelhaften Umfrage auf 20 Minuten Online.

«Minderheit stigmatisiert»

Auch wenn sie täglich mit solchen Vorurteilen konfrontiert ist, kann Christina Kruck, Präsidentin des Stiftungsrates der Rroma Foundation in der Schweiz, nur den Kopf schütteln. «Es ist reine Angstmache und es macht mich wirklich traurig, weil eine Minderheit stigmatisiert wird.»

«Fahrende gibt es nur wenige»

Ihrer Erfahrung nach werden Roma immer wieder mit Fahrenden, Bettlern und Dieben assoziiert. «Wenn das wirklich so wäre, dann hätten wir ein absolutes Chaos auf den Strassen.» Immerhin leben 50.000 Roma in der Schweiz. «Fahrende sind nur noch ein Bruchteil der Roma. Die Mehrheit hat einen festen Wohnsitz und ein festes Einkommen», so Kruck.

Obwohl es Roma, wie sich der Schweizer einen solchen vorstellt, hierzulande kaum noch gibt, geben in der Umfrage fast 50 Prozent der User an, schon einmal persönliche Erfahrungen mit Roma gemacht zu haben. «Das würde mich doch sehr wundern», gibt sich Kruck überrascht. «Meist verhalten sich Roma sehr unauffällig - schon allein aus Angst vor Arbeitsplatzverlust», tritt sie der ihrer Meinung nach falschen Wahrnehmung entgegen.

«Immer wieder aufgekocht»

Die Vorstellung von klauenden Zigeunern im Zusammenhang mit Roma im deutschen Sprachraum ist weit verbreitet und kein reines Schweizer Problem. Eine Erhebung des Allensbach-Instituts Ende der 90er-Jahre förderte in Deutschland ähnlich negative Werte zutage. «Solche Stereotypen werden von Parteien immer wieder hochgekocht und für eine Profilierung auf Kosten einer Minderheit eingesetzt», so Egon Schweiger vom Landesverband des Zentralrats der Sinti und Roma in Baden-Württemberg.

Trotzdem für Freizügigkeit

Trotz der tendenziell negativen Umfrage-Werte im Zusammenhang mit Roma ist die Entscheidung gegen eine Freizügigkeit noch lange nicht gefallen. 38 Prozent geben an, für ein Ja zu stimmen. 43 Prozent wollen der Parole der SVP folgen. 10 Prozent sind noch unentschieden. 9 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sind nicht stimmberechtigt. Ein Nein würde einen Zustrom an traditionellen Fahrenden aus Bulgarien oder Rumänien ohnehin nicht verhindern. Deren Einreise erfolgt mit einem Touristenvisum, was mit der Abstimmung über Personenfreizügigkeit nichts zu tun hat.

Insgesamt 1840 Internetnutzer haben sich an der Umfrge beteiligt. Davon 640 politisch eher links und 1228 eher rechts Orientierte.

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