Elfenbeinküste: «Rache und Hass sind unsere Schwächen»
Aktualisiert

Elfenbeinküste«Rache und Hass sind unsere Schwächen»

In einem Interview räumt der Milizenführer Ibrahim Coulibaly schwerwiegende Fehler bei den Kämpfen in Abidjan ein und warnt vor Bewaffneten, die ausser Kontrolle sind.

von
Michelle Faul
dapd
Der Milizführer Ibrahim Coulibaly.

Der Milizführer Ibrahim Coulibaly.

Beim Kampf gegen den gestürzten ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo hat es nach Angaben eines Milizenführers durch mangelnde militärische Koordination unnötig viele Tote, Zerstörung von Infrastruktur und Plünderungen gegeben. Das räumte Ibrahim Coulibaly in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP ein. Es habe Probleme im Lager des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara gegeben.

Coulibalys «Unsichtbares Kommando» war vor zwei Monaten plötzlich zu einer treibenden Kraft im militärischen Kampf gegen Gbagbos Gefolgsleute in der Elfenbeinküste geworden. Seine Kämpfer begannen auch die Offensive auf die Wirtschaftsmetropole Abidjan, an der Festnahme Gbagbos vor einer Woche waren sie aber nicht beteiligt. «Wenn wir uns vereinigt hätten, hätten wir viel Blutvergiessen vermeiden können», sagte der 47 Jahre alte ehemalige Feldwebel. «Es wären weniger Leben verloren gegangen, es hätte weniger Zerstörung und weniger Plünderungen gegeben.» Die Lage sei noch immer gefährlich: «Nun haben wir da draussen viele bewaffnete Individuen, die ausser Kontrolle sind.»

Coulibaly, der sich selbst als General bezeichnet, sagte, er stehe loyal zu Outtara. «IB ist gekommen, Probleme zu lösen», sagte er, sich selbst mit seinem Spitznamen bezeichnend. «Ich verstehe nicht, warum Leute sagen, IB wolle Ouattara die Macht abnehmen. Was für Lügen!»

Interne Kämpfe

Ouattara wies auch Berichte zurück, Machtkämpfe innerhalb der Milizen Ouattaras hätten den Bürgerkrieg verlängert. Dabei geht es um die heftigen Kämpfe um den staatlichen Fernsehsender in Abidjan. Augenzeugen berichteten, Coulibaly habe verlangt, nach dessen Eroberung solle eine Mitteilung verlesen werden, dass er als Leiter einer militärischen Übergangsregierung die Macht übernehme. Das habe eine Schiesserei unter den Ouattara-Milizen ausgelöst, «eine Mini-Schlacht in der Nacht vom 31. März auf den 1. April», sagte ein Augenzeuge. «Da waren eine Menge Leichen, aber ich weiss nicht, wieviele von uns umkamen.»

Diese Kämpfe unter den Ouattara-Milizen sollen die Eroberung Abidjans verzögert und Gbagbos Truppen die zeitweise Rückeroberung des Fernsehsenders ermöglicht haben. Dabei seien viele Ouattara-Anhänger getötet worden. Coulibaly wies das alles zurück: «Es gibt so viele Geschichten, Märchen, Lügen und Gerüchte.»

«Rache und Hass sind unsere Schwächen»

Er sei zu einem Neuanfang und dem Neuaufbau der ivorischen Streitkräfte über alte Rivalitäten hinaus bereit, sagte Coulibaly und verwies auf das Beispiel Südafrikas: «Wir bitten um Vergebung für die schlimmen Dinge, die passiert sind. Mit Rache kann nichts erreicht werden. Rache und Hass sind unsere Schwächen.»

Es sei wahr, dass es Probleme gegeben habe. «Ich denke aber, nun ist die Zeit gekommen, nationale Streitkräfte aus ehemaligen Gbagbo- und Ouattara-Kräften aufzubauen, um es Präsident Ouattara zu ermöglichen, das Land besser regieren zu können.» Ethnische und religiöse Rivalitäten müssten überwunden werden. «Alle haben gesagt, niemand aus dem (überwiegend muslimischen) Norden kann das Land regieren, aber wir werden zeigen, dass das nicht stimmt.» Weniger als die Hälfte der 15 Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes sind Muslime, der Rest sind Christen und Anhänger von Naturreligionen.

Coulibaly war im Dezember 1999 führend an einem Putsch beteiligt, mit dem der Präsident Henri Konan Bédié gestürzt wurde. 2002 war er an einer Rebellion beteiligt, die das Land praktisch in einen von Rebellen kontrollierten Norden und den von der Regierung beherrschten Süden teilte. Danach lebte er zeitweise in Benin im Exil und wurde 2008 von einem französischen Gericht in Abwesenheit verurteilt, weil er in Frankreich Söldner angeworben und 2003 einen Putsch gegen Gbagbo geplant haben soll. Coulibaly bezeichnete das als eine Verschwörung gegen ihn, um seine Kandidatur 2008 bei der Präsidentschaftswahl gegen Gbagbo zu verhindern.

Deine Meinung