Aktualisiert 31.03.2007 20:42

Rad: Aeschbach litt und enttäuschte

An den Bahn-WM in Palma de Mallorca lief das Punktefahren völlig an Alexander Aeschbach vorbei. Der Aargauer musste sich mit dem 12. Rang begnügen.

Der neue Weltmeister Juan Llaneras (Sp) verwandelte das Stadion auf seiner Triumphfahrt in ein Tollhaus.

«Dieses Rennen war für ihn eine Nummer zu gross. Da bestand mindestens eine Zwei-Klassen-Gesellschaft», waren sich die beiden Trainer Daniel Gisiger und Markus Nagel in Bezug auf Aeschbach einig. «Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Mein Einsatz bestand nur aus Leiden. Das war ein Gemurkse, kein schönes Velofahren», merkte der Betroffene nüchtern an.

Vor Jahresfrist hatte Alexander Aeschbach im Verlaufe der letzten 20 Runden den Medaillengewinn vergeben. Diesmal kam der 32- Jährige nicht einmal in die Reichweite einer Top-Ten-Klassierung. Das Unheil nahm schon nach 25 der 160 Runden seinen Lauf, als Aeschbach just in jenem Moment leicht eingeklemmt war, als sich Juan Llaneras einem Konter anschloss. Der Olympia-Kandidat Aeschbach hetzte während vier Runden mit gleichbleibendem Rückstand hinterher. Damit hatte der Aargauer sein Pulver verschossen. Das Fazit des früheren Routiniers Gisiger: «Mit dieser missglückten Aufholjagd waren Aeschbachs Kopf und Beine leer.»

Seitenstechen plagte den Schweizer, auf den letzten 25 Runden kamen Krämpfe in der rechten Hüfte hinzu. Zwischendurch war Aeschbach froh, wenn er den Lenker seines Bahnrades einmal oben halten konnte. Dabei wurde dieses Punktefahren nicht einmal übertrieben schnell ausgetragen. Für die 40 km resultierte ein Stundenmittel von 51,330 km/h. «Einen solchen Ablöscher hatte ich nicht erwartet», meinte Aeschbach, der mit zwei Siegen, einem 3. und einem 4. Platz auf eine erfolgreiche Sechstage-Saison zurückblickt und der danach zusammen mit Franco Marvulli und Bruno Risi in Südafrika gut trainiert hat. Das Trio scheint sich auch in menschlicher Hinsicht gefunden zu haben. Auf die Vorbereitungen kann dieses enttäuschende Ergebnis also kaum zurückgeführt werden.

Bei der Siegerehrung applaudierte Aeschbach Juan Llaneras, der im Gedenken an seinen im Dezember beim Sechstagerennen in Gent (Be) tödlich verunglückten Partner Isaac Galvez mit einer eindrücklichen Leistung aufwartete. Zuerst duellierte sich der 37-Jährige mit Iljo Keisse, dem belgischen Bahn-Nachwuchsstar, um die Punkte. 56 Runden vor Schluss machte sich Llaneras zu einem Solo-Rundengewinn auf, der die zumeist einheimischen Zuschauer erst recht von den Sitzen riss. Der Spanier erhielt für seine Bonusrunde 20 Zähler gutgeschrieben und stand damit vorzeitig als Weltmeister fest, zumal er das Rennen souverän kontrollierte.

Llaneras war schon in den Jahren 1998 und 2000 Punktefahren- Weltmeister gewesen. 1997 mit Miguel Alzamora und 1999 mit Isaac Galvez sicherte er sich die Krone im Madison. 2000 in Sydney war der Spanier Olympiasieger im Punktefahren, vor drei Jahren in Athen Olympia-Zweiter. Mit seinem neuesten Triumph kann sich Llaneras getrost seiner Zukunft zuwenden. Er hat sich auf Mallorca ein Haus gebaut und wird in absehbarer Zeit das Stadion «Palmarena» übernehmen, in dem es inskünftig auch ein Sechstagerennen geben soll.

(si)

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