Radarfallen für Velofahrer
Aktualisiert

Radarfallen für Velofahrer

Winterthur kauft sich neue Rotlicht- Überwachungskameras. Diese filmen nicht mehr nur Autos, sondern auch Velofahrer oder Inlineskater bei Verkehrsübertretungen - nicht ohne Folgen.

Die Abstimmung fiel eindeutig aus. Der Gemeinderat von Winterthur bewilligte am Montag einen Kredit über 1.05 Millionen Franken für den Kauf von fünf neuen Rotlicht-Radaranlagen. Die neuen Augen des Gesetzes sollen voraussichtlich ab Mitte 2008 den alten Anlagen Platz machen. Das dürfte Routinearbeit sein – allerdings mit weitreichenden Folgen.

Neue Lasertechnik

Denn die neuen Anlagen haben es in sich: Mit digitaler Kamera und Lasertechnik zeichnen sie nicht nur die fehlbaren Autofahrer auf, sondern setzen auch Velofahrer oder Inlineskater gestochen scharf ins Bild. Die alten Anlagen, die mittels Induktionsschlaufen funktionieren, reagieren nur bei einer gewissen Metallmasse und erfassten daher auch nur Autofahrer.

SVP will notfalls das Datenschutzgesetz anpassen

Für Velofahrer, Inlineskater oder Fussgänger dürften in Winterthur härtere Zeiten anbrechen. Für die Winterthurer SVP jedenfalls ist klar, dass die neuen Möglichkeiten auch im Kampf gegen die anderen Verkehrssünder eingesetzt werden sollen. «Die technischen und gesetzlichen Voraussetzungen dafür müssen nun geprüft und allenfalls angepasst werden», sagt Daniel Oswald gegenüber 20minuten.ch. Der SVP-Präsident würde notfalls auch das Datenschutzgesetz anpassen wollen, sollte dies zum Aufspüren der fehlbaren Velofahrer führen. «Allerdings müssen sowohl Aufwand der Polizei als auch die Änderungen des Datenschutzgesetzes in einem gewissen Rahmen bleiben», so Oswald weiter.

Für einmal die gleiche Meinung findet sich auch im linken Lager. «Verkehrsübertretungen müssen geahndet werden. Egal, wer sie begeht», sagt SP-Gemeinderätin Marianne Ott. Sollte die Videokamera dabei helfen, «umso besser», sagt Ott weiter, gibt sich aber vorsichtig verhalten: «Ich glaube nicht, dass die Kameras für die Velofahrer besonders wirkungsvoll sind. Daran würde auch eine Anpassung des Datenschutzgesetzes nichts ändern.»

Stadtbekannte Gesichter haben es schwerer

Sowohl die SVP als auch die SP ist sich bewusst, dass die Ermittlung der fehlbaren Velofahrer nicht ganz einfach werden dürfte. Die Identifikation von Gesichtern dürfte sich schwierig gestalten. Allerdings findet auch Ott: «Wenn ein Verkehrssünder auf den Videobilder erkannt wird, muss er gebüsst werden.» Das könnte beispielsweise bei stadtbekannten Persönlichkeiten der Fall sein. Oder bei besonderen Auffälligkeiten. Vielleicht sollte man sich in Winterthur in Zukunft also sein Velo nicht zu auffällig gestalten. Ott: «Oder man kann einfach die Regeln einhalten.»

Marius Egger, 20minuten.ch

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