Schweizer Jenische: Radgenossenschaft erklärt sich für gerettet
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Schweizer JenischeRadgenossenschaft erklärt sich für gerettet

Die Dachorganisation der Schweizer Jenischen machte mit Finanzproblemen Schlagzeilen. Jetzt gibt die Radgenossenschaft bekannt, der Konkurs sei abgewendet.

von
Marco Lüssi

Im Sommer geriet die Radgenossenschaft in die Schlagzeilen: Sie habe massive Finanzprobleme. Verantwortlich dafür sei Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft, weil er hohe Bezüge getätigt habe, hiess es. Huber bestreitet dies. Die Radgenossenschaft der Landstrasse kümmert sich als Dachorganisation der Schweizer Jenischen seit fast 40 Jahren um die Anliegen der Minderheit, der in der Schweiz rund 30'000 Personen angehören.

Sie lebt hauptsächlich von Subventionen - über 260'000 Franken zahlte das Bundesamt für Kultur (BAK) der Organisation für dieses Jahr aus. Wegen der Finanzprobleme bat die Radgenossenschaft das BAK Anfang September um eine Bevorschussung. Das Bundesamt stellte für die zusätzliche Finanzhilfe die Bedingung, dass Präsident Huber und der gesamte Verwaltungsrat der Radgenossenschaft zurücktreten. Huber und die Verwaltungsräte weigerten sich und verzichteten auf das Geld.

Mit 19'000 Franken im Plus

Trotzdem ist es laut der Radgenossenschaft nun gelungen, den Konkurs abzuwenden. Dies teilte sie am Dienstag der zuständigen Revisionsstelle mit, die ihr eine Frist bis zum 30. September gesetzt hatte. Gemäss dem erstellten Budget für den Rest des Jahres, das 20 Minuten vorliegt, wird die Radgenossenschaft Ende 2014 ein Plus von 19'000 Franken ausweisen.

Möglich macht dies die Tatsache, dass ein der Radgenossenschaft zugesprochenes Legat von 80'000 Franken mittlerweile zu einem grossen Teil ausbezahlt worden ist. Zudem verbesserte sich die Bilanz dadurch, dass Huber 15'000 Franken zurückbezahlt hat, die ihm überwiesen worden waren.

«Mir war zu viel Geld im Voraus ausbezahlt worden», sagt Huber. Verantwortlich für diesen Fehler sei die ehemalige Geschäftsführerin der Radgenossenschaft. Ihr wirft Huber vor, durch einen fehlerhaften Halbjahresabschluss den falschen Eindruck erweckt zu haben, die Radgenossenschaft sei in argen Geldnöten. Zudem habe sie sich finanzielle Unregelmässigkeiten zuschulden kommen lassen und unter anderem ihre Geschwindigkeitsbussen über das Konto der Organisation abgerechnet - sie sagt, es handle sich hierbei um «falsche und verleumderische» Anschuldigungen.

BAK muss Informationen erst analysieren

Zur Frage, ob es zutreffe, dass die Radgenossenschaft nun gerettet sei, schweigt die Revisionsstelle - mit Verweis auf ihre Geheimhaltungspflicht. Auch beim BAK nimmt man noch keine Stellung: Erst müssten die neusten Informationen analysiert werden.

Selbst wenn der Konkurs derzeit tatsächlich abgewendet sein sollte, drohen der Radgenossenschaft erneute Finanzprobleme: Denn das BAK hat angekündigt, sie müsse künftig mit tieferen Subventionen auskommen. In ihrem provisorischen Budget für 2015 rechnet die Organisation aber mit einem Finanzbedarf von einer Viertelmillion Franken.

Huber: «Man will uns schwächen»

Daniel Huber glaubt, man wolle die Radgenossenschaft gezielt schwächen: «Der Bund will offenbar künftig auf die 'Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende' setzen - dort wird aber nicht wie bei der Radgenossenschaft von den Fahrenden selber entschieden, sondern über ihre Köpfe hinweg.»

Umstritten ist die Radgenossenschaft allerdings auch unter den Jenischen selber: Die im letzten Jahr gegründete Bewegung Schweizer Fahrender wirft ihr vor, zu wenig dafür zu tun, dass es genügend Standplätze für Fahrende gibt. Laut Huber zu Unrecht: «Die Bewegung macht uns für Versäumnisse des Bundes, der Kantone und Gemeinden verantwortlich.»

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