Aktualisiert 13.02.2009 11:53

Radikal & VerrücktRadikal kreativ

Rapper Baze und sein Onkel MC Anliker können beide sehr unberechenbar sein. Doch der Jüngere sei radikaler, findet der Ältere.

von
Claudia Langenegger

Baze (28), der Radikale

«Wenn Pädu in einen Raum tritt, zieht er die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Das ist mir als Kind natürlich eingefahren. An Weihnachten kam immer die ganze Familie bei ihm zusammen, das war ihm wichtig. Er hat mir super Geschenke gemacht, sehr kreativ. Auch als er in den Achtzigern im Mokka mit den Punk-Konzerten angefangen hat, war ich beeindruckt. Später habe ich angefangen, als Grafiker fürs Mokka zu arbeiten. Ich weiss, was ihm gefällt. Wenn ich aber mal ein Plakat mache, das ihm nicht passt, gibts kein langes Gliir, er sagt nur: ‹Kannst du noch eins machen?› Einfach ist es mit ihm aber nicht immer, er hat ein sehr grosses Herz, ist aber auch unberechenbar. Er hat diese Fähigkeit, mal schnell alles kaputt zu machen: Freundschaften, Stimmungen. Am nächsten Tag meldet er sich dann doch wieder. Genau wie ich. Er sagt zwar, ich sei radikaler. Aber er ist einfach ruhiger geworden mit den Jahren.»

MC Anliker (51), der Verrückte

«Basil wollte immer alles wissen: wie, was, wann, warum. Aber genervt hat das nie, er war halt ein Kiddie, und ich erwachsen. Er hat auch alles auseinandergenommen – um zu sehen, wie es drinnen aussieht. Einmal habe ich ihm einen Autounfall zu Weihnachten geschenkt: einen Sattelschlepper und ein Auto auf einer Plexiglas-Platte. Den Lastwagen hatte ich mit dem Hammer kaputtgeschlagen, das Auto mit Brennsprit von innen her abgefackelt. Das hat Basil schon ein bisschen Angst gemacht. Aber es passte, fand ich. Später hat er mir dann Zeichnungen geschenkt: Comic-Strips, super gezeichnet! Da war er erst etwa zehn. Er weiss genau, was ich mag. Auch was für Frauen. Wenn er eine zeichnet, die kein Fleisch am Knochen hat, kann er das vergessen. Er macht pro Jahr bis zu fünf Plakate für mich und ist mit all seinen Bands bei mir aufgetreten. Ich glaube schon, dass ich ihn beeinflusst habe, aber unsere Familie ist halt Rock'n'Roll.»

Onkel und Neffe

Patrik Anliker a.k.a. MC Anliker, gelernter Maurer und Gipser, hat 1986 die Thuner Café-Bar Mokka gegründet, veranstaltet Konzerte, schreibt Kolumnen und belebt das Thuner Nachtleben massgeblich. Sein 23 Jahre jüngerer Neffe Basil, der Sohn seines Bruders, gründete als 11-Jähriger seine erste Punk-Band. Heute arbeitet er als Grafiker und hat als Baze mehrere Hip-Hop-Alben veröffentlicht. Er gehört zur Berner Rap-Combo Chlyklass und zur Elektro-Rap-Gruppe Boys on Pills.

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