Zaun aufgeschnitten : Radikaler Tierschützer lässt 90 Hirsche frei
Publiziert

Zaun aufgeschnitten Radikaler Tierschützer lässt 90 Hirsche frei

Weil Unbekannte ein Loch in den Zaun geschnitten hatten, liefen Dutzende Damhirsche in Wettingen frei herum. Nun bekennt sich ein radikaler Tierschützer zur Tat.

von
som
1 / 8
In Wettingen AG sind 90 Damhirsche ausgebüxt. Walter Benz musste die Tiere in den vergangenen Tagen zurück auf die Weide treiben.

In Wettingen AG sind 90 Damhirsche ausgebüxt. Walter Benz musste die Tiere in den vergangenen Tagen zurück auf die Weide treiben.

Walter Benz
Unbekannte hatten in der Nacht auf Mittwoch, 8. Mai, mit schweren Geräten den stabilen Zaun des Geheges aufgeschnitten.

Unbekannte hatten in der Nacht auf Mittwoch, 8. Mai, mit schweren Geräten den stabilen Zaun des Geheges aufgeschnitten.

Walter Benz
Mit seinem Vater betreibt Benz in Wettingen AG auf dem Mooshof eine Zucht mit 150 Tieren.

Mit seinem Vater betreibt Benz in Wettingen AG auf dem Mooshof eine Zucht mit 150 Tieren.

Walter Benz

Unbekannte haben in Wettingen AG in den Zaun eines Geheges für Damhirsche ein Loch geschnitten. Halter Walter Benz bemerkte am Morgen des 8. Mai, dass von seinen 150 Zuchttieren 90 weg waren. 40 davon liefen für einige Tage frei im Wald herum.

Ihnen drohte gar der Abschuss, weil artfremde Tiere nicht ausgewildert werden dürfen. Inzwischen sind aber laut Benz alle wieder auf den Mooshof zurückgekehrt, viele mussten er und seine Helfer auch vorsichtig einfangen: «Weil dies nur nachts möglich war, habe ich in dieser Zeit kaum geschlafen», erzählt Benz.

«Der Mooshof ist kein Gnadenhof»

Nun bekennt sich ein Unbekannter auf einem linksautonomen Onlineportal dazu, den Zaun zerstört zu haben. Der Verfasser stammt wohl aus der radikalen Tierschützerszene. Er kritisiert auf dem Portal die Haltung von Zuchthirschen in Käfigen zur Fleischproduktion.

«Der Mooshof ist kein Gnadenhof für Tiere. Der Gewinn mit ihrem Tod ist der einzige Zweck dieses Hofes!», schreibt er. Weiter ruft er dazu auf, Widerstand gegen Käfige, Knäste und Grenzen zu leisten.

«Meine Damhirsche haben es gut»

Die Kantonspolizei Aargau hat Kenntnis vom Bekennerschreiben, wie Sprecher Bernhard Graser sagt: «Nun ermitteln wir, wer dahinter steckt.» Benz will sich deshalb auch nicht zur Täterschaft äussern: «Die Ermittlungen sind Sache der Kapo.» Die Kritik an seiner Fleischproduktion findet er aber ungerechtfertigt: «Natürlich kann man als Vegetarier jegliche Fleischerzeugung verurteilen.»

Im Vergleich zu anderen Tieren hätten es seine Damhirsche aber sehr gut: «Sie sind die ganze Zeit draussen, haben viel Platz und kriegen kein Kraftfutter oder Antibiotika.»

Auch wird laut Benz nur ein Teil der Jungtiere geschlachtet und das, wenn sie 15 oder 16 Monate alt sind. «Bei vielen Hühnern ist es schon nach vier Wochen so weit.» Die Zucht von Damhirschen sei keineswegs neu: «Bereits im Mittelalter hielten Menschen diese Tiere in Gefangenschaft.»

Deine Meinung