Bei minus 10 Grad: Radio-Moderator lebt eine Woche als Obdachloser
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Bei minus 10 GradRadio-Moderator lebt eine Woche als Obdachloser

Ein Leben am Rande der Gesellschaft: Radio-24-Moderator Dominik Widmer will wissen, wie das ist, und wird nächste Woche auf der Strasse leben.

von
mon

Radio-24-Moderator Dominik Widmer wird fünf Tage auf der Strasse leben.

Es ist kein einfaches Experiment, an das sich Dominik Widmer wagt: Er wird kommende Woche fünf Tage lang auf den Zürcher Strassen leben. «Mit der Aktion wollen wir auf die Problematik der Obdachlosigkeit aufmerksam machen», erklärt der Radio-24-Moderator.

Die Gesellschaft schaue bei diesem Thema zu oft weg. «Aber genau jetzt, während des bitterkalten Februars, haben wir in Zürich zahlreiche obdachlose Menschen», so Widmer. Dieses Jahr hätten die Notschlafstellen sogar von 35 Plätzen auf 50 zugenommen: «Entweder ist die Anzahl der Obdachlosen angestiegen, oder der sehr kalte Winter trägt dazu bei.»

«Ich nehme nur das Nötigste mit»

Widmer wird sich komplett auf das Strassenleben einstellen und nur das Nötigste dabeihaben: «Ich nehme einen Schlafsack und warme Kleider mit.» Und Schafswollsocken. «Ich habe von Obdachlosen den Tipp erhalten, dass die ganz besonders warm geben», sagt der Morgenshow-Moderator.

Einen Notizblock wird er auch einpacken, «damit ich meine Gedanken dokumentieren kann», sowie ein Handy – für den Notfall und um die Eindrücke für das Online-Tagebuch an die Redaktion weiterzuleiten.

«Kälte und soziale Ausgrenzung machen mir Angst»

Immerhin werden Widmer 50 Franken zur Verfügung gestellt. «Falls diese nicht ausreichen, werde ich wohl oder übel betteln müssen, um an einen Batzen zu kommen», sagt der 32-Jährige. Angst vor dem Verhungern muss der Moderator dennoch nicht haben: «Es gibt in der Stadt zahlreiche Institutionen, die Essen für Obdachlose zur Verfügung stellen.»

Grosse Sorgen macht sich der Moderator hingegen wegen der Kälte: «Nächste Woche soll es bis zu minus 10 Grad werden. Ich werde ein paar Nächte draussen schlafen und die restlichen im Pfuusbus.» Widmer hat von Obdachlosen bereits einige Tipps für Schlafplätze erhalten und den Rat, sich einen Hund anzuschaffen – «der gebe besonders warm».

«Das Projekt frühzeitig abzubrechen, ist keine Option»

Vor Angriffen oder Diebstählen hat Widmer hingegen keine Angst. Beunruhigen würde ihn eher die soziale Ausgrenzung: «Wie werde ich von den Mitmenschen behandelt? Werde ich überhaupt noch wahrgenommen?» Und auch die Langeweile könnte ihm zu schaffen machen: «Vor allem, wenn man am Morgen aufwacht und keine Aufgabe hat.»

Trotz der Ängste: Das Projekt frühzeitig abzubrechen, kommt für den Moderator nicht infrage: «Obdachlosen Menschen bietet sich diese Option auch nicht. Daher gibt es auch für mich keinen Plan B», sagt Widmer. Ausserdem habe er schon viele positive Reaktionen erhalten: «Ich war überrascht, wie viele Obdachlose von diesem Projekt begeistert waren. Sie finden es wichtig, dass man auch mal über diese Seite der Gesellschaft und das Leben auf der Strasse berichtet.»

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