Auftragen statt Aufschneiden: Radioaktive Paste tötet weissen Hautkrebs

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Auftragen statt AufschneidenMediziner präsentieren radioaktive Paste, die weissen Hautkrebs tötet

Statt mit dem Messer sind deutsche Nuklearmedizinerinnen und Nuklearmediziner weissem Hautkrebs mit einer radioaktiven Paste zu Leibe gerückt. Dies offenbar erfolgreich: Die meisten Patientinnen und Patienten waren langfristig geheilt. 

von
Fee Anabelle Riebeling
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Für ausgiebiges Sonnenbaden zahlen viele Menschen einen hohen Preis: Sie entwickeln Hautkrebs. 

Für ausgiebiges Sonnenbaden zahlen viele Menschen einen hohen Preis: Sie entwickeln Hautkrebs. 

Unsplash
Neben dem schwarzen Hautkrebs (Melanom), an dem in der Schweiz jährlich rund 3000 Menschen erkranken, …

Neben dem schwarzen Hautkrebs (Melanom), an dem in der Schweiz jährlich rund 3000 Menschen erkranken, …

Wikimedia Commons/National Cancer Institute/PD
… gibt es auch noch den sogenannten weissen Hautkrebs (Basaliom). Wird er diagnostiziert, wird in der Regel eine Operation angesetzt, um den Krebs vollständig zu entfernen. Laut Krebsliga Schweiz ist das die derzeit wirksamste Behandlung.

… gibt es auch noch den sogenannten weissen Hautkrebs (Basaliom). Wird er diagnostiziert, wird in der Regel eine Operation angesetzt, um den Krebs vollständig zu entfernen. Laut Krebsliga Schweiz ist das die derzeit wirksamste Behandlung.

IMAGO/Manfred Segerer

Darum gehts

  • Bei frühzeitiger Erkennung lässt sich weisser Hautkrebs gut behandeln. 

  • Bislang galt die operative Entfernung als wirksamste Behandlung.

  • Deutsche Forschende haben nun eine weitere Methode erfolgreich getestet. 

  • Sie konnten 22 Betroffene mittels einer radioaktiven Paste heilen. 

Rechtzeitig erkannt, lässt sich weisser Hautkrebs gut behandeln – neuerdings sogar mit radioaktiver Paste. Die Universitätsmedizin Rostock hat eine Studie initiiert, in der 22 Betroffene mit weissem Hautkrebs mit der Paste behandelt wurden.

Und das erfolgreich, wie Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, sagt: «Die Ergebnisse sind toll: Alle teilnehmenden Patienten zeigten ein Ansprechen und die meisten waren langfristig geheilt», so Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie.

Was ist weisser Hautkrebs?

Entgegen seines Namens, ist weisser Hautkrebs nicht tatsächlich weiss. Weisser Hautkrebs ist ein Oberbegriff für bestimmte Hauttumore, die sich vom schwarzen Hautkrebs (Melanom) unterscheiden. Weisser Hautkrebs tritt häufiger auf als schwarzer. Ursache ist oft intensive Sonnenbestrahlung. Werden Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut. Wenn nicht, kann er – wie der schwarze Hautkrebs – Metastasen bilden und sich im Körper verbreiten. Frauen und Männer erkranken gleich häufig. 70 bis 80 Prozent aller Basalzellkarzinome treten im Kopf-Hals-Bereich auf. Besonders oft betroffen sind exponierte Hautstellen wie Nase, Lippen, Stirn, Nacken oder Hände.

Wie viele Menschen in der Schweiz von weissem Hautkrebs betroffen sind, ist laut Krebsliga.ch unklar. Schätzungen zufolge sind es zwischen 20'000 und 25'000 Erkrankungen pro Jahr.

Gewollte Entzündung

Die Behandlung mit der radioaktiven Paste ist schmerzfrei und dauert nicht lange, heisst es in einer Mitteilung: Eine Nuklearmedizinerin oder ein Nuklearmediziner trage die Paste mit einem speziellen Gerät auf die betroffene Hautpartie auf. Das umliegende gesunde Gewebe werde vorher mit einer Folie abgeklebt, damit es von den radioaktiven Strahlungen nichts abbekomme. Ein bis zwei Stunden bleibt die Paste laut den Verantwortlichen auf der Haut.

«So reicht eine einmalige ambulante Anwendung – nicht invasiv und ohne erneute Vorstellung etwa zum Fadenzug», so Emmert. Der Patient oder die Patientin könne direkt im Anschluss nach Hause gehen. In den Wochen entzündet sich die Hautpartie, fängt an zu jucken und zu brennen. Während dieses Entzündungsprozesses entfaltet die Strahlung ihre Wirkung und tötet den Krebs, heisst es in der Mitteilung. Mit dem Abklingen der Entzündung stelle sich das normale Hautbild wieder her – und der Hautkrebs sei Geschichte.

So beugst du Hautkrebs vor

Die Krebsliga gibt Tipps, wie man die Entwicklung von weissem Hautkrebs vorbeugen kann:

  • Schatten: Bleibe zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten, denn dann hat die Sonne ihren höchsten Stand.

  • Richtige Kleidung: Schatten schützt zwar vor direkter, aber nicht immer vor indirekter Strahlung. Die entsteht durch bestimmte Oberflächen wie Sand, Beton oder Schnee. Deshalb solltest du eine Kopfbedeckung, schützende Kleidung und eine Sonnenbrille tragen.

  • Sonnencreme: Schmiere deine unbedeckten Hautstellen mit Sonnenschutz ein. Achte darauf, dass die Sonnencreme gegen UVB- und UVA-Strahlung schützt. Vorsicht: Sonnencreme aufzutragen bedeutet nicht, dass du dich unbegrenzt in der Sonne aufhalten kannst. Auch solltest du die Finger von abgelaufener Sonnencreme lassen.

Nicht für alle Betroffenen geeignet

Die neuartige Therapie ist aber nicht für alle Patientinnen und Patienten möglich: Die Behandlung mit der radioaktiven Paste sei nur dann erfolgreich, wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird und noch sehr klein ist. Der Tumor dürfe nur eine maximale Eindringtiefe von drei Millimetern haben. Dem Team um Emmert schwebt vor allem eine bestimmte Gruppe von Betroffenen vor: «Die Therapie ist insbesondere für jene Patienten geeignet, bei denen sich der Hautkrebs an schwer zugänglichen Körperstellen befindet und dadurch nur schwer zu entfernen ist, beispielsweise an Ohr, Nase, in Falten und im Kopfbereich», erklärt Emmers Kollegin, die Leiterin des Hautkrebszentrum, Julia Tietze.

Die Rostocker Studie ist mittlerweile abgeschlossen. Nun findet eine internationale Studie mit weiteren Zentren in Australien, England und Österreich statt.

Schmerzhafte Lehre

Wie wichtig ein guter Sonnenschutz ist, zeigte der Fall von Greg Binnie aus dem Sommer 2017. Der Gärtner aus Edinburgh hatte, ohne sich einzucremen, einen Tag lang im Freien gearbeitet. Das Resultat: Krebsrote Haut, Brandblasen und Verbrennungen zweiten Grades.  

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Autsch! Weil er vergessen hat, Sonnencreme aufzutragen, leidet Greg Binnie aus Edinburgh Höllenqualen.

Autsch! Weil er vergessen hat, Sonnencreme aufzutragen, leidet Greg Binnie aus Edinburgh Höllenqualen.

Twitter/grgbinnie
Denn die Sonne hatte seine Haut nicht nur krebsrot gefärbt, sondern auch Brandblasen verursacht.

Denn die Sonne hatte seine Haut nicht nur krebsrot gefärbt, sondern auch Brandblasen verursacht.

Twitter/grgbinnie
Die Diagnose des Arztes lautete: Verbrennungen zweiten Grades.

Die Diagnose des Arztes lautete: Verbrennungen zweiten Grades.

Twitter/grgbinnie

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