Gegenstände entsorgt, Massnahmen geprüft - Radioaktive Strahlung in Berner Stadt-Schloss nachgewiesen
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Gegenstände entsorgt, Massnahmen geprüftRadioaktive Strahlung in Berner Stadt-Schloss nachgewiesen

Eine alte Leuchtfarben-Fabrik hat in den 60er-Jahren Teile des Schlosses Bümpliz mit Radiumspuren verseucht. Diese wurden nun eingehend untersucht. Die Stadt spricht von unproblematischen Werten, prüft jedoch trotzdem verschiedene Massnahmen.

von
Christian Holzer
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1960 stellte die Firma Merz und Benteli AG auf dem Gelände des Neuen Schlosses Bümpliz radiumhaltige Leuchtfarbe her.

1960 stellte die Firma Merz und Benteli AG auf dem Gelände des Neuen Schlosses Bümpliz radiumhaltige Leuchtfarbe her.

Tamedia/Raphael Moser
Das radioaktive Material hat Teile des Areal kontaminiert. 

Das radioaktive Material hat Teile des Areal kontaminiert.

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Das Areal wurde 1977 an die Stadt Bern verkauft und entsprechend saniert.

Das Areal wurde 1977 an die Stadt Bern verkauft und entsprechend saniert.

Tamedia/Raphael Moser

Darum gehts

  • Im Schloss Bümpliz wurde in den 60er-Jahren Leuchtfarbe aus Radium hergestellt.

  • Diese hat gewisse Areale des Anwesens kontaminiert.

  • Die Stadt spricht von unproblematischen Werten, will jedoch trotzdem Massnahmen ergreifen.

Nun ist es bestätigt: Im Schloss Bümpliz wurden Radiumwerte nachgewiesen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG stellte in gewissen Zonen des Aussenbereichs eine Radiumbelastung fest. Neben verschiedenen Aussenbereichen wurden auch in den Innenbereichen im ersten Untergeschoss des Neuen Schlosses Bümpliz Radiumspuren gefunden. «Aufgrund der derzeitigen Nutzung sind diese unproblematisch», schreibt die Stadt am Dienstag in einer Mitteilung. Zur Sicherheit würden jedoch einzelne Gegenstände, die Radiumspuren aufweisen, entsorgt.

Auch im Aussenbereich

Auch in den betroffenen Aussenbereichen werden Massnahmen geprüft. «Aufgrund der Nutzung des Geländes als öffentlicher Park besteht kein unmittelbares Gesundheitsrisiko für die Anwohnerschaft, Besucherinnen und Besucher sowie andere Nutzende des Parks», heisst es im Schreiben an die Medien. Jedoch könne nicht sichergestellt werden, dass Nutzerinnen und Nutzer langfristig die maximale Jahresdosis gemäss der Strahlenschutzverordnung einhalten könnten. «Deshalb soll das Gelände nachhaltig saniert werden», teilt die Stadt mit. Der Umfang der Sanierung wird nun in einem weiteren Schritt abgeklärt.

Zudem gibt es offenbar Hinweise auf eine Belastung durch Schwermetalle, auch hierfür trifft die Stadt weitere Abklärungen. Weder von Radium- noch Schwermetallspuren verseucht sind ein Gebäude, welches von einer Spielgruppe genutzt wird, und das Schlossgut-Areal.

Leuchtende Farbe

20 Minuten hatte am 19. Oktober 2020 über die Radiumrückstände im Schloss Bümpliz berichtet. Dies, nachdem ein News-Scout erzählt hatte, dass Angestellte der Stadt nicht mehr alle Arbeiten auf dem Areal durchführen durften. In den 60ern wurde im Schloss Bümpliz radiumhaltige Leuchtfarbe hergestellt. Später kaufte die Stadt Bern das noble Anwesen, liess die Fabrik zurückbauen und sanierte das Gebäude. Weil Strahlenschutzvorschriften heute strenger sind, hat das BAG in Absprache mit der Stadt im Herbst 2020 eine entsprechende Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden heute veröffentlicht.

So gefährlich ist Radium

Radium wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der Chemikerin Marie Curie entdeckt. Es galt damals als harmlos, gar als gesundheitsfördernd und wurde als Medikament eingesetzt. Heute ist bekannt: Radium ist ein radioaktives Element, das zu den hochgiftigen Substanzen gehört. Es kann in hohen Dosen zu Krebserkrankungen führen. Die häufigste Krankheit ist der Knochenkrebs, aber auch die Wahrscheinlichkeiten für Leukämie sowie Brust- und Leberkrebs werden hiervon berührt. Glücklicherweise sind wir Menschen über unsere Haut ausreichend vor den Alpha-Strahlungen des Radiums geschützt. Gelangen die Strahler aber über die Aufnahme von Wasser in unseren Körper, so ist deren Aggressivität im biologischen Gewebe eine der höchsten unter allen bekannten Radionukliden.

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